Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland
- Date
- 1911-07-01
- Page
- Seite 110 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 110 — nur weibliche Elemente. Von 1457 Personen sind 1367 Frauen; der größere Teil von diesen ist selbständig, nämlich 707 (V« davon Heimarbeiter) und 574 sind Angestellte. Auch in einem weiteren Zweige der Bekleidungsindustrie, der Schneiderei, betätigen sich die Frauen in starkem Maße. 4804 d. i. 1/3 aller Beiufstätigen sind Frauen und hier überwiegt gemäß der Natur dieses Berufes weitaus die Zahl der Arbeiterinnen. J/7 der selbständigen Frauen treibt Heimarbeit. Die Putzmacherei ist eine Domäne der Frauenarbeit. Es gibt 2314 jüdische Putzmacherinnen inDeutschand.davon 606 Selbständige, 288 Angestellte und 1194 Arbeiterinnen im eigentlichen Sinn. Hervorzuheben ist ferner der Waren- und Produktenhandel in stehendem Geschäftsbetrieb, in welchem die Frauen mit Vo vertreten sind. Dieser Erwerbszweig gibt die beste Gelegenheit zur Mitarbeit der Angehörigen, daher sind V3 der weiblichen Erwerbstätigen mithelfende Familienangehörige. In der Gast- und Schankwirtschaft sind mehr als die Hälfte der Frauen selbständig und 3/4 der übrigen als Angehörige tätig. Auch am Geld- und Kredithandel sind die Frauen beteiligt, jedoch in sehr geringem Maße und natürlich hauptsächlich als Angestellte. In der Erwerbsart Bildung, Erziehung, Unterricht etc. sind Ys der Erwerbstätigen Frauen; 1182 Jüdinnen — fast nur Selbständige — sind als Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen und Erzieherinnen tätig. Zur Schar der Künstler, Musiker, Schauspieler stellen die Frauen den dritten Teil. 6. Handwerk. Wir wollen an dieser Stelle auf den besonderen Teil der Berufsstatistik, der eine Darstellung der einzelnen Berufsabteilungen enthalten soll, nicht näher eingehen. Es wird an anderer Stelle*) der Versuch unternommen In den nächsten Wochen erscheint als Heft 9 der Veröffentlichungen des Bureaus für Statistik der Juden: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland auf Grund der Berufszählung von lUOT. (Dr. Jacob Segall.) Diese Publikation enthält ausser den bis jetzt erschienenen Artikeln in Heft 4, werden, Industrie, Handel und Verkehr und freie Berufe zu behandeln. Hier wollen wir nur das Handwerk herausgreifen und einiges über die Zahl und Lage der jüdischen Handwerker, soweit uns die Statistik hierzu die Mittel an die Hand gibt, mitteilen. Auch wer für die wirtschaftliche Lage der Juden Interesse hat, kennt in der Regel nur die drei überall und ständig wiederkehrenden Behauptungen, die Juden sind keine Bauern, sie treiben Handel und bevorzugen die „freien" Berufe. Dass sie auch in der Industrie eine Rolle spielen und das Handwerk pflegen, ist den Meisten gänzlich unbekannt. Und doch gibt es auch in Deutschland eine ganz beträchtliche Zahl jüdischer Handwerker, über deren wirtschaftliche Lage wir allerdings so gut wie gar nicht unterrichtet sind. Diese Unkenntnis hat ihren Grund in Folgendem: Zunächst ist die Beteiligung der Juden an der Industrie erst neueren Datums, dann aber hat uns die Berufsstatistik bis jetzt über die Zahl der jüdischen Handwerker in Deutschland vollständig im Dunkeln gelassen. Nicht nur, daß in der Betriebsstatistik schon der Natur der Sache nach die Konfession unberücksichtigt bleiben mußte, auch in der Berufs Statistik hat man sich damit begnügt anzugeben, wie viel Juden in den einzelnen industriellen Berufsgruppen beschäftigt sind und glaubte schon genug getan zu haben, wenn man auch noch über die soziale Stellung der in dieser Berufsabteilung Beschäftigten Auskunft gab. Dies mußte 1895 bereits als Fortschritt gegenüber 1882 erscheinen, wo man von einer konfessionellen Ausscheidung der Berufstätigen für das Reich Abstand nahm. 1907 ging man einen Schritt weiter. Man hat außer den Berufsgruppen auch noch die wichtigeren Berufsarten aus der Landwirtschaft, Industrie, Handel, öffentl. Dienst und freien Berufen herausgegriffen, und die in ihnen 5, 6 und 7/8 dieser Zeitschrift, die bedeutend erweitert und umgearbeitet sind, noch vier weitere Kapitef: Handel, Industrie, Freie Berufe und Einkommensverhältnisse. In dem ersten Kapitel: Bevölkerung wird die Fruchtbarkeit der deutschen Juden behandelt.