Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland
- Date
- 1911-07-01
- Page
- Seite 112 (sequence 16)
- Language
- German
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— 112 Handwerksmäßige Berufe Jüd. Erwersbtät. im Hauptberuf Von den jüdischen Ertätigen waren "d . •ö ti | 4j C -*- C r« ' h* .5 Vi o *2 .2* *■* o ö! & ' « 1-! g 5 - c 1 ä £! o o o < i r: -o C/3! &- ' W Goldu. S Ibcrschmtede 467 208 88 4 167 Klempner 534 228 (5 5 295 Schlosser etc. 501 98 31 1 371 Uhrmacher 4.95 271 14 4 206 Buchbinder 745 299 105 9 332 Gerber 334 136 94 5 99 Sattler etc. 909 308 237 9 355 Tapezierer 792 255 42 9 486 "Hehler etc. 901 385 199 8 309 Drechsler etc. 263 87 40 2 84 Bürstenmacher etc. 265 112 33 4 116 Bäckerei etc. 1415 595 54 173 593 Fleischer 7590 4076 70 1181 2263 Schneider 14422 6125 3452 542 4303 Puizmachcr 2691 925 402 146 1218 Schuhmacher 1813 977 331 45 460 Barbiere etc. 384 251 5 5 123 Bauunternchm. u.Maurer 1290 390 537 — 363 Gfaser 530 373 6 6 145 Stubenmaler etc 643 216 14 2 411 Steinmetze 81 38 4 — 39 Naher etc. 1457 755 31 77 594! DieseZahlen sind wieder einmal recht geeignet, j die Behauptung, daß die Juden nichts seien 1 als eine handeltreibende Klasse schlagend zu widerlegen. Da die 40000 Personen nur die Erwerbstätigen im engeren Sinne unifassen, werden wir nicht fehlgehen in der Annahme, daß in Deutschland etwa 90 000 Juden durch Handwerk ihre Nahrung finden. Unter den handwerksmässigen Industrien nimmt die Bekleidungsindustrie die erste Stelle ein. Wir haben in Deuschland 14422 jüdische Schneider; darunter sind 6125 Selbständige. 3452 Angestellte und 4303 Arbeiter. Auch die Schuhmacher weisen eine ganz beträchtliche Zahl auf. Es gibt 1813 jüdische Schuhmacher; darunter 505 Lehrlinge und Gesellen. Auch in der Genußmittelbranche sind die Juden zahlreich vertreten. Es existieren mehr als 7000 jüdische Fleischer und fast 1500 Bäcker. Obwohl das Handwerk bei weitem nicht soviel Betriebskapital als eine Landwirtschaft oder gar Großindustrie erfordert, ist es doch angesichts der großen Konkurrenz viel schwieriger sich eine selbständige Stellung zu erringen, sodaß mehr als die Hälfte der jüdischen Handwerker in abhängiger Stellung sich befindet. Aus der Unterrictitsstatistil Man klagt heute allgemein, daß infolge j der immer stärker werdenden Produktion j amtlichen statistischen Materials, das in perioj dischen Zeitschriften, Jahrbüchern, Sonderj heften, etc. niedergelegt wird, die Wissenschaftj liehe Verwertung nur einem ganz geringen j Teile desselben zugute kommt. Selbst auf! einem Spezialgebiet der Statistik, der Konj fessionsstatistik, können wir dieselbe Wahrnehmung machen. Längst ist das vorliegende j Material nicht ausgebeutet und angesichts j der Reichhaltigkeit des Neuerscheinenden j gerät man in Verlegenheit, welche Frage j man früher in den Kreis des Interesses j ziehen soll. Es ist naturgemäß, daß man j dem wirtschaftlichen und sozialen Leben der j Juden und ihren natürlichen Lebensäußerungen j eine erhöhte Aufmerksamkeit zuwendet und! *) Arbeit des Bureaus mit Unterstützung des Herr der Stadt mm 1908/) demzufolge das Publikum über die Entwicklung auf diesem Gebiete ständig auf auf dem Laufenden hält. Die Kehrseite davon ist aber, daß man andere Probleme weniger stark betont, obwohl sie ebenfalls ernste Beachtung verdienen. Wir meinen vor allem die in Unterrichts Statistik zu tage tretenden Bildungsbestrebungen, die nach Zeit und Ort verschieden, immer schlaglichterartig die Tendenzen erhellen, die im Innern des Judentums bestehen. Wir haben auf die Bedeutung der Unterrichtsstatistik bereits in Heft 8, Jahrg. 5 (Jüdische und christliche Schüler in Berlin von 1896 bis 1906) hingewiesen. Im Heft 7, Jahrg. 6 haben wir damit begonnen, eine ähnliche Untersuchung für die Stadt Wien anzustellen und damals die Zahlen der Dr. Hermann Reiss, Berlin