Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland
- Date
- 1911-07-01
- Page
- Seite 109 (sequence 13)
- Language
- German
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109 — Lebenshaltung und des teuerer gewordenen Lebensunterhaltes zum Miterwerb gezwungen sind. Die Männer wenden sich dabei den neuen von der Technik erschlossenen und lohnenderen Arbeitgebieten zu, während die Frauen im allgemeinen wenigstens die von den Männern verlassenen Arbeitsstellen in der Landwirtschaft und die ihnen von Natur aus näher gelegenen Arbeitsverrichtungen übernehmen." Betrachten wir nun folgende Tabelle III, welche für 26 Berufsgruppen die absolute Zahl der weiblichen jüdischen Erwerbstätigen mit Unterscheidung nach sozialer Stellung nachweist, aufmerksam, so sehen wir, daß es im großen ganzen nur eine ganz geringe Anzahl von Berufen ist, in welchen sich die weiblichen Arbeitskräfte zusammendrängen. In der Landwirtschaft ist es nur die landwirtschaftliche Betätigung im engeren Sinne, in der Industrie das Bekleidungsgewerbe (9827 Frauen}, die Nahrungsmittelindustrie (2198), Textilindustrie (740) und das Reinigungsgewerbe (440), im Handel und Verkehr das Handelsgewerbe (24648) und die Gastwirtschaft (2902). Zugenommen hat hauptsächlich die Landwirtschaft um 942 weibliche Erwerbstätige, Nahrungsmittelindustrie um 943, das Handelsgewerbe um 7990. Was die soziale Stellung anlangt, so ist in der Zahl der Selbständigen gegenüber 1895 nur eine geringe Verschiebimg eingetreten, ganz bedeutend aber in der Schicht der Angestellten. Im Bekleidungsgewerbe hat beispielsweise eine Zunahme derselben von 857 auf 1552 stattgefunden, im Handel und Gewerbe von 645 auf 3097. Noch deutlicher wird uns das Bild von der weiblichen Berufs Verteilung, wenn wir die eben erwähnten Industrien und Handelserwerbszweige herausgreifen und in ihre wichtigsten Erwerbsarten zerlegen. (Tab. 4) Tab.!V. Erwerbstätige Judinnen in wichtigeren Berufsarten. Berufsarten Erwerbstätige Von den weiblichen Erwerstätigen waren insges. weibl. Selbst. An' gestellte Mithelfende: Famü.'Ang.; Sonstige Arbeiterinnen B 71. Häkelei, Stickerei, Spitzenfabrikation 514 312 201! 29 23 ' 59 B 106. Bäckerei, Konditorei 1415 259 48! 15 152 44 B HO. Fleischerei 7590 1302 257 I 15 932; 98 B 123. Näher und Näherinnen 1457 1367 703; 15 75 574 B 124. Schneider und Schneiderinnen 14422 4S04 1733 : 867 496 2708 B 125. Wasche-Konfektion 1775 646 128 | 226 47 : 245 B 126. Putz mach erei 2691 2314 696 I 288 136 1194 B 137. Wasch- und Plättanstalten 320 224 110! 21 12 81 C 1. Waren'U.Produktenhandeünsteh.Gesch.-Bcir. 118610 22984 6765 | 2608 7111 : 6500 C2. Geld- und Krednhandel 5251 223 41 176 2 i 4 C 27. Gast- und Schankwirtschaft 5176 2902 1403! 31 937! 531 C 4. Bildung, Erziehung:, Unterricht etc. 3345 1182 1128! 24 30 | — C5. Gesundheitspflege und Krankendienst 5307 724 247 45 358 i — C 6. Privatgelehrte, Schriftsteller, Journalisten 712 61 — —! — C1. Stenographen, Privatsekretäre, Schreiber 296 122 — * — _ f j — C8. Musik. Theater etc. 1904 664 639 | 20 5 ■ _. Da sehen wir nun, daß mehr als die Hälfte der Personen, welche sieh mit Häkelei, Stickerei und Spitzenfabrikation beschäftigen, nämlich 312 von 514, Frauen sind, was bei der Natur dieses Berufszweiges auch wohl verständlich ist. Von den 312 Frauen sind 201 Selbständige, unter diesen aber 84 Heimarbeiterinnen. In der Nahrungsmittelbranche, zu welcher hauptsächlich die Konditorei und Fleischerei gehören, sind die Frauen ebenfalls stark vertreten, und zwar in der Bäckerei mit ebenso in der Fleischerei, der Gesamtzahl der beschäftigten Personen. In beiden Erwerbszweigen treten sie überwiegend als mithelfende Familienangehörige auf. Die Erwerbsart: Näher und Näherinnen enthält fast