Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland
- Date
- 1911-07-01
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2650397-3187691-3187698-3191329--3118-3191351- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 104 — 33129, im Jahre 1907 dagegen 48 976; die Zunahme beträgt also 47 Prozent. Bei der gesamten deutschen Bevölkerung war die Zunahme der erwerbstätigen Frauen in demselben angeführten Sinne nur 44 Prozent und hier müssen wir außerdem die außerordentlich starke Zunahme der mithelfenden Famlienangehörigen berücksichtigen. Bevor wir auf die Berufsgruppierung der Frauen näher eingehen, wollen wir einen Augenblick bei der vorhin erwähnten Berufsabteilung „Selbständige ohne Beruf" verweilen, w7eii später von ihr nicht mehr die Rede sein wird. Die absolute Zahl dieser Beruf szugehörigen betrug für das männliche Ge- Berufsart V 1 Von eigenem Vermögen, Renten u. Pension Lebende r7 2. Von Unterstützung Lebende (ohne 5)..... F 3. Nicht in der Familie lebende Studierende, Seminaristen, Schüler.............. f 4. Insassen von Invaliden-, Versorgung und Wohltätigheitsanstalten............ P 5. Insassen von Armenhäusern........ f {). Insassen von Siechenanstalten....... F 7. Insassen von öffentlichen Irrenanstalten .... F 8. Insassen von Straf- und Besserungsanstalten . . F 9. Ohne Beruf und Berufsangabe....... Summa................. Nur in den drei Abteilungen F 3, F 5 und F8 bleibt der Anteil des weiblichen Geschlechts hinter dem des männlichen zurück. Zur ersteren gehören die Studierenden, welche nicht in der Familie leben, Seminaristen, Schüler etc. Da zu den Studierenden und Schülern das männliche Geschlecht das Hauptkontingent stellt, ist der niedrigere Prozentsatz der Frauen wohl verständlich. Ebenso sieht man leicht ein, daß der Anteil der Frauen an den Insassen von Straf- und Besserungsanstalten infolge der geringeren Kriminalität des wreiblichen Geschlechts hinter dem des männlichen zurückbleibt. Etwas auffallend ist nur der Umstand, daß in den Armenhäusern von 100 Insassen 43 Frauen und 57 Männer sich befinden. Dies läßt den Schluß zu, daß die Frauen wirtschaftlich besser als die Männer versorgt sind. Don gTößtenTeil der weiblichen beschlecht 1895 18274, für das weibliche 21596, 1907 für das männliche 23634, für das weibliche 31783. Die Zunahme des männlichen belief sich demnach auf 29 Prozent, des weiblichen auf 47 Prozent. Auch diese starke Zunahme von weiblichen Personen, welche als Selbständige ohne Beruf leben, gibt zum Nachdenken Anlaß, und man kann im Zweifel darüber sein, ob sie ein günstiges oder ungünstiges Zeichen für die wirtschaftlichen Verhältnisse der deutschen Juden darstellt. Im Jahre 1907 wurde zum erstenmal diese Gruppe weiter zerlegt in Unter-Abteilungen, die wir nun in folgendem kurz betrachten wollen. Zahl d. Berufszügen ör. insgesamt idav. weibl Von 100 waren weibl Prozent d. iMänner Prozent d. Frauen 36810 1082 10767 104-2 56 483 2082 564 2531 23825 821 2889 680 24 273 1064 120 2087 64,7 75,8 26,8 65,2 42,8 56,5 51,1 21,2 8254 54,9 1,1 33,3 1,5 0,1 0,9 4,3 1,8 2,1 74,9 %5 9,1 2,1 0,1 0.8 3,3 0,4 6,8 55417 | 31783 57,35 100,00 100,00 ruflosenSelbständigen bilden die Witwen, welche teils von eigenen Vermögen, teil von Renten und Pensionen leben (23825=64,7 Prozent). Auch unter den von Unterstützung Lebenden befinden sich hauptsächlich Witwen. Diese Unterstützung ist nicht als Armenimterstiitzung aufzufassen, sondern Unterstützung durch Angehörige. Es berührt wohltuend, aus diesen Zahlen zu entnehmen, daß die jüdischen Frauen, die nicht erwerbsfähig sind, vor Not geschützt sind. 75 Prozent aller Frauen, welche, zu dieser Berufsabteilung gehören, lebten von Renten — bei den Männern waren es 55 Prozent — 2,5 durch Unterstützung, nur 0,1 waren in Armenhäusern und 0,8 in Siechenhäusern, dagegen 3,3 in Irrenanstalten. Von den Insassen der Irrenanstalten gehört übrigens,, was auffallend ist, der höhere Prozentsatz dem weiblichen Geschlechte an. Die p-roße Zahl von