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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1911) · p. Seite 105

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1911)
Article
Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland
Date
1911-07-01
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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— 105 — Frauen, welche von eigenem Vermögen, Renten und Pensionen leben, wird als Zeichen der Wohlhabenheit der jüdischen Bevölkerung aufgefaßt und von manchen geradezu als Maßstab derselben angenommen. Das ist im großen und ganzen auch richtig, jedoch darf man dabei die eine wichtige Tatsache nicht außer acht lassen, daß es sich hier um Witwen handelt, nicht um Männer, welche nach einem schaffensreichen Leben die Früchte ihrer Arbeit Tab genießen, und während wir auf der einen Seite uns freuen über die Tatsache, daß die jüdischen Frauen im Alter nicht in Armut leben, dürfen wir nicht vergessen, daß die Männer in den harten Kämpfen frühzeitig ihre Kräfte verzehren, und daß es zum großen Teil die Sorge für ihre Familie ist, welche sie hin wegrafft. Wir lassen nun die Selbständigen beiseite und betrachten in folgender Tabelle I die vergleichsweise Verteilung der männlichen 1. Berufsabteilung 1895 1907 absolut in Prozent aiier erwerbstätigen o s: S —i Ä o 2 - <s> 5 1 *2 >£ =5 absolut in Prozent aller erwerbstätigen s2 5 -w-O £ C — <y -5 >SJ ~» Juden i Judinn. juden j Jüdinn. Juden j Judinn. Juden Judinn Landwirtschaft........ Industrie . . ....... Handel........... Lohnarbeit wechselnder Art .... Öffentlicher Dienst und Freie Berufe . Häusliche Dienstboten...... 21631 1208 35630 10363 114328;19123 207! 682 12888 1753 73; 6298 1,30 j 3,06 21,551 26,28 69,16 - 48,50 0,12! 1,73 7,79! 4,4n 0,08 1 15,98 35,8 22,5 14,3 76.7 11.9 98,8 1571 2175 48089 14906 117760 27846 357 993 15792 3056 26 4771 0,85! 4,04 26,19! 27,73 64,14) 51,81 0,19 j 1,84 8,601 5,68 0,03 S,80 57,26 23,66 19,12 73,55 16,21 99,45 und weiblichen Erwerbstätigen im engeren Sinne einschl. Dienstboten auf die einzelnen Berufsabteilungen. Die Unterschiede zwischen der männlichen und weiblichen Berufsgliederung sind leicht erklärlich. Der stärkere Prozentsatz der weiblichen Erwerbstätigen in der Landwirtschaft - 4,04 Frauen gegenüber 0,85 Männern — ist auf folgenden Umstand zurückzuführen. Die absolute Zahl der männlichen Juden, die in der Landwirtschaft tätig sind, hat um 600 abgenommen, der weiblichen um 900 zugenommen. Die starke Zunahme der weiblichen Erwerbstätigen dürfte wohl damit zusammenhängen, daß in der letzten Berufszählung weit genauer als in der vorigen die Zahl der mithelfenden Familienangehörigen, namentlich der weiblichen, ermittelt wurde und, wie wir später sehen werden, besteht weitaus der größte Teil der weiblichen jüdischen Erwerbstätigen in der Landwirtschaft aus mithelfenden Familienangehörigen. In der Industrie war 1895 die Beteiligung der erwerbstätigen Frauen höher als die der Männer und ist es auch noch 1907, wenngleich die im vorigen Kapitel erwähnte starke Zunahme der Juden in der Industrie das Verhältnis zu Gunsten der Männer verschoben hat. Zu den Berufsarten der Industrie gehört bekanntlich auch die Nahrungsmittelbranche und das Bekleidungsgewerbe und vornehmlich hier sind die Frauen als Näherinnen, Schneiderinnen, Putzmacherinnen, in den speziell weiblichen Berufen, außerordentlich stark vertreten. Die weibliche Beteiligung am Handel ist gestiegen von 48,50 auf 51,81, der männliche dagegen, wie schon des öfteren hervorgehoben, von 69,16 auf 64,14 zurückgegangen. Auch in den freien Berufen schreiten die jüdischen Frauen vorwärts. Man beachte nur, daß noch 1895 von 100 im öffentl. Dienst und freien Berufen tätigen Juden 12 dem weiblichen Geschlechte angehörten, 1907 bereits 16. Um die Hälfte zurückgegangen ist der Anteil der jüdischen Frauen in der Kategorie „Häusliche Dienstboten." Dieser Berufszweig hat ja überhaupt in den letzten Jahren die stärkste Minderung erfahren, ein Vorgang^ der bei der starken Abhängigkeit, in welcher sich die häuslichen Dienstboten gegenüber den in Industrie und Handel Angestellten befinden, leicht erklärlich ist. Auf welche Berufsabteilung und welche soziale Schicht entfällt nun das Plus von über 15000 weiblicher erwerbstätiger Juden im

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