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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1911) · p. Seite 103

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1911)
Article
Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland
Date
1911-07-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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— 103 — den Juden aber kennen wir keinen Arbeiterstand, dem die Besserung der sozialen Verhältnisse in erster Linie zu gute gekommen ist, ihre Wirtschaftslage war auch früher nicht viel ungünstiger als heute und doch war die Mitarbeit der Frauen nicht in dem Maße wie heute notwendig. Es ist eben die jüdische Einfachheit, der Sinn für Sparsamkeit und Bescheidenheit in der Lebensführung bei den Juden im Schwinden begriffen. Das Bestreben nach außen hin glänzend aufzutreten, eine Standard of life zu erklimmen, der mit den vorhandenen materiellen Vorbedingungen nicht im Einklang steht, dringt in immer weitere jüdische Kreise ein und ist zumeist eine betrübliche Folgeerscheinung, eine Schattenseite der jüdischen Einwanderung in die Großstädte. Ein zweiter Faktor, der von noch viel größerer Bedeutung für die "Umgestaltung ist, die in der Stellung der jüdischen Frau zum Wirtschaftsleben eingetreten ist, besteht in folgendem: Die Anforderungen, die der jüdische junge Mann bei Eingehung der Ehe an die Geldausstattung der Frau stellt, werden ständig größer und es hat eine völlige Umkehrung des früher bei den Juden herrschenden Prinzips bei der Wahl der Frau stattgefunden. Die naturgemäße Folge ist, daß die Quote der Mädchen, die nicht Vermögen genug besitzen, um durch die Ehe versorgt zu werden, steigt, und daß diese Mädchen gezwungen sind, einen Beruf zu ergreifen. Ein Teil findet ihren Unterhalt als Lehrerin, Erzieherin, kurz in den sogenannten freien Berufen, weitaus der größte Teil sucht als Angestellte im Handel und als Bureaupersonal unterzukommen. Daher die von Berufszählung zu Berufszählung wachsende Zahl der weiblichen jüdischen Erwerbstätigen. Diese Erscheinung ist sehr bedenklicher Art und verdient mindestens so ernste Beachtung wie der Rückgang der Geburtenhäufigkeit, der ja damit aufs engste zusammenhängt. Hier muß unseres Erachtens der Heilungsprozeß einsetzen, wenn eine Gesundung der modernen jüdischen Verhältnisse in die Wege geleitet werden soll.. Doch nun einige Zahlen, welche mehr als alle theoretischen Auseinandersetzungen imstande sind, ein Bild des bestehenden Zustandes zu entwerfen. Im Jahre 1882 waren von den weiblichen deutschen Juden nur 15,94 Prozent erwerbstätig, 1895 21,97 Prozent und 1907 bereits 30 Prozent. Es hat also von. 1882 bis 1907, d. h. in 25 Jahren, eine Verdoppelung der Zahl der erwerbstätigen Jüdinnen stattgefunden. 1895 standen 183563 erwerbstätige männliche Juden 61023 weiblichen gegenüber, d. h. von 100 erwerbstätigen Juden waren 25 weiblich, 1907 war das gegenseitige Verhältnis derart, daß sich 207 229 Männer und 85 530 Frauen gegenüberstanden, d. h. von 100 Erwerbstätigen waren etwa 30 Frauen. Nun ist allerdings folgendes zu berücksichtigen. Zu den Erwerbstätigen im weiteren Sinne werden bekanntlich auch die Selbständigen ohne Beruf gezählt, und gerade diese Berufsabteilung ist von Frauen sehr stark besetzt. Es waren beispielsweise im Jahre 1895 von 100 erwerbstätigen Frauen 36 Selbständige ohne Beruf, 1907 37,16. Bei den Männern lautet das entsprechende Zahlen Verhältnis 16 bezw. 11. Diese Berufsabteilung muß man aber bei einer korrekten Betrachtung der Erwerbstätigen ausscheiden, da sie nicht die Erwerbstätigen im engeren Sinne umfaßt, sondern, wie wir bald sehen werden, sich aus Personen zusammensetzt, welche von eigenem Vermögen, Renten leben oder in Armenhäusern und anderen Anstalten sich befinden. Aber auch wenn man die Erwerbstätigen im engeren Sinne allein betrachtet, sind die Zahlen der weiblichen Juden verhältnismäßig sehr hoch und insbesondere ist die Zunahme beträchtlich. Es waren nämlich 1895 weibliche Erwerbstätige im engeren Sinne — hierzu rechnen wir die Selbstständigen, Angestellten, mithelfenden Familienangehörigen und sonstigen Arbeiterinnen in Landwirtschaft, Industrie, Handel, Öffentlichem Dienst und „Freien Berufen", ferner die in häuslichem Dienst und Lohnarbeit wechselnder Art beschäftigten weiblichen Personen und bei der Herrschaft lebende Dienstboten —

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