Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1911)
- Article
- Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2650397-3187691-3187697-3191296--3087-3191309- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 83 — ist zwar absolut etwas gestiegen, prozentual aber gesunken, dagegen hat die Beteiligung der Juden an der Industrie zugenommen. Konstant geblieben ist der Anteil an den Freien Berufen. Sehr beträchtlich gewachsen ist nur die Masse der Beruf losen Selbständigen. Die Landwirtschaft bildet nach wie vor die geringste Erwerbsquelle für die Juden. Die berufliche Gliederung der deutschen Juden läßt sich etwa folgend ermaßen charakterisieren: Eine sehr breite aber im Abnehmen begriffene Basis von Handel- und Gewerbetreibenden, darauf eine allmählich wachsende Schicht von industriell tätigen Personen, zwischen diesen und den in den Freien Berufen Beschäftigten, welche der Spitze zustreben, schiebt sich die Masse der beruflosen Selbständigen. An letzter Stelle steht die Landwirtschaft und der Dienstbotenstand. Für die Bundesstaaten Preußen und Bayern können wir die Entwicklung der erwerbstätigen jüdischen Bevölkerung in den einzelnen Berufsabteilungen bis 1882 zurückverfolgen. Auch hier sind wir nicht in der Lage, über die Zahl der Berufszugehörigen Aufschluß zu geben. Preußen: Es waren tätig in C. Handel und Verkehr 1882: 78196 Personen 58,60 Prozent 1895: 86573 „ =55,25 1907: 92869 „ =48,55 B. Industrie 1882: 28546 Personen 21,39 Prozent 1895: 33246 „ =21,21 1907: 46021 „ =24,05 F. als Beruflose Selbständige 1882: 17946 Personen 13,46 Prozent 1895: 24732 „ 15,82 1907: 35950 „ 18,81 E. Freien Berufen 1882: 6351 Personen 4,76 Prozent 1S95: 9804 „ 6,25 1907:13083 „ =6,84 A. Landwirtschaft 1882: 1708 Personen 1,28 Prozent 1895: 1650 „ =1,05 1907: 2355 „ =1,23 D. Häuslichem Dienst 1882: 692 Personen 0,51 Prozent 1895: 672 „ =0,42 1907: 998 „ =0,52 In noch viel schärferem Maße zeigt sich in Preußen das ßestrebeu der Juden, sich vom Handel abzuwenden und zur Industrie überzugehen. Von 1882—1907 ist der Prozentsatz der im Handel beschäftigten preußischen Juden um 10 gesunken, in der Industrie dagegen um 3 gestiegen. Wie im Peiche so ist auch in Preußen die starke Betätigung in den Freien Berufen die gleiche geblieben, ebenso hat sich die Stellung zur Landwirtschaft und zumDienstbotenstand nicht geändert. Bayern: Es waren tätig in C. Handel und Verkehr 1882: 11219 Personen 54,37 Prozent 1895: 12 747 „ =55,07 1907: 14795 „ —54,44 E. Freien Berufen 1882: 862 Personen 4,17 Prozent 1895: 1297 „ =5,60 1907: 1631 „ =6,00 B. Industrie 1882: 2428 Personen 11,76 Prozent 1895: 3087 „ 13,33 1907: 4082 „ =15,02 F. als Beruflose Selbständige 1882 : 4088 Personen 19,84 Prozent 1895: 5088 „ 22,00 „ 1907: 5854 „ =21,56 A. Landwirtschaft 1882: 2005 Personen 9,71 Prozent 1895: 893 „ =3,85 1907: 723 „ =2,66 „ D. Häuslichem Dienst 1882: 32 Personen 0,15 Prozent 1895: 35 „ =0,15 1907: 88 „ 0,32 Hier übt auch heute noch Handel und Verkehr auf die Juden die stärkste Anziehungskraft aus, wenn auch seit 1895 sich ein leiser Rückgang bemerkbar macht. Ein weiterer Unterschied gegenüber Preußen besteht darin, daß der Prozentsatz der bayerischen Juden, der sich der Industrie zuwendet, weit geringer als in Preußen ist; eine Zunahmetendenz tritt jedoch auch hier deutlich zu tage. Die soeben geschilderte Berufsverteilung der bayerischen Juden hängt mit den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen Bayerns zusammen. Die industrielle Entwicklung Bayerns ist jüngeren Datums als die Preußens. Noch dominiert dort die Landwirtschaft. Mit der zunehmenden Industrialisierung Bayerns