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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-05-01 · Heft 5 (Mai 1911) · p. Seite 72

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 5 (Mai 1911)
Article
Immigration - Arbeiterkonkurrenz - Arbeitsprotektionismus
Date
1911-05-01
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
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— 72 — stimmte Hassen oder Nationalitäten betreffen; 4} Erleichterung des Eintritts der Immigranten in die örtlichen Gewerkschaften, sowie eine energische diesbezügliche Agitation unter den Einwanderern; 5) Unterstützung der Gewerkschaften der Auswanderungsländer. IL Für die Auswanderungsländer: 1) Energische gewerkschaftliche Agitation; 2) Information über die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Immigrationsländern; 3) Vereinbarungen zwischen den Gewerkschaften der Ein- und Auswanderungsländer behufs gemeinsamer Aktion in den Wanderungsangelegenheiten; 4) Kontrolle über die Schiffsagenturen und Emigrationsbureaus, sowie gesetzgeberische und administrative Maßregeln zur Bekämpfung der Mißbräuche ihrerseits. III. Inbezug auf die Transmigration und Reise: 1) eine weitgehende Reform des Transportwesens, insbesondere der Schifffahrt; 2) Aufsicht während der Reise durch Inspektoren, die von den gewerkschaftlichorganisierten Arbeitern der Ein- und Auswanderungsländer zu wählen sind; 3) Ausschaltung der Agenten; 4) Fürsorge für die Neueingewanderten; 5) Internationale Regelung des Transportwesens. "Welche Einwirkungen könnte nun die Durchführung dieser von der organisierten Arbeiterschaft, vorgeschlagenen Maßnahmen auf die jüdisch-proletarische Wanderung ausüben? Hier ist zunächst zu bemerken, daß der größte Teil grade derjenigen Maßregeln, die für die jüdischen Wanderer von größter positiver Bedeutung sein könnten, gegenwärtig ] eider den Charakter platonischer Wünsche tragen und daher einen vornehmlich moralisch-deklaratorischen Wert haben. Und zwar aus verschiedenen Gründen in den Aus- und Einwanderungsländern. In den politisch rückständigen Emigrationsländem, wie Rußland, mit ihrer arbeiterfeindlichen Politik aus dem Grunde, weil man hier auf die Durchführung der betreffenden gesetzgeberischen Schutzmaßnahmen in absehbarer Zukunft wohl nicht rechnen kann. Hier können nämlich die x^rbeiterorganisatinen beim besten Willen das Stuttgarter Programm nicht durchführen. Anders, wenn auch für die jüdischen Immigranten nicht erfreulicher, ist die Sachlage in den Einwanderungsländern. Diejenigen Maßnahmen, welche die Gewerkschaften hier leicht durchführen könnten und welche insbesondere für die jüdischen Immigranten von größter Bedeutung wären, wollen sie aus wohl oder schlecht verstandenem eigenen Interesse nicht durchführen. Sie bewahren ungeachtet des Stuttgarter Beschlusses dieselbe ablehnende Haltung den neueingewanderten jüdischen Arbeitern gegenüber, wie vorher, trotz ihrer allgemein anerkannten leichten Organisierbarkeit Der Einblick in die Gewerkschaften ist für die jüdischen Arbeiter dank der Festsetzung ungemein hoher Eintrittsbeiträge und hie und da auch der Forderung einer Aufenthaltsdauer am gegebenen Orte wie bisher fast bis zur Unmöglichkeit erschwert, was durch die Ausbildung einer selbständigen jüdischen Gewerkschaftsorganisation (wie der jüdische „Arbeiterring" in Amerika) nur teilweise aufgewogen wird. Dasselbe gilt von der Unterstützung der Gewerkschaften der Auswanderungsländer, wo — wie in Rußland — die Arbeiterbewegung sich gegenwärtig überhaupt nicht entfalten kann. Aus demselben Grunde muß auch die Fühlung zwischen den Gewerkschaften der Aus- und Einwanderungsländer einstweilen nur ein frommer Wunsch bleiben. Was andererseits die gesetzgeberischen Massnahmen betrifft, welche die Arbeiterschaft der Immigrationsländer, ihrem unmittelbaren Interesse folgend, durchführen will und es nach Möglichkeit auch tut, wie insbesondere die gesetzliche Normierung der Arbeitsbedingungen, der Minimalarbeitsschutz, so wird grade durch sie die jüdisch-proletarische Immigration am empfindlichsten getroffen : es werden ihr dadurch die bedeutendsten Schranken gesetzt. Denn was die hochentwickelten modernen Industriestaaten, wie

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