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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-05-01 · Heft 5 (Mai 1911) · p. Seite 71

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 5 (Mai 1911)
Article
Immigration - Arbeiterkonkurrenz - Arbeitsprotektionismus
Date
1911-05-01
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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— 71 — beitersehaft stets in erster Reihe Rechnung j tragen. So hat beispielsweise die sozialdemokratische Fraktion im deutschen Reichstage 1897/98 das Verbot der Beschäftigung von Chinesen und Negern auf den staatlich subventionierten Postdampfern beantragt. Ferner hat die amerikanische Socialist Party auf ihrem Chicagoer Parteitag 1910 die ausgesprochen antialienistische Praxis der amerikanischen Arbeiterschaft in folgende theoretisch-verklausulierte und am Schluße vergoldete Hülle gekleidet: „Die Socialist Party der Vereinigten Staaten begünstigt alle Gesetzesmaßnahmen, die die Einwanderung von Streikbrechern und Kontraktarbeitern und die Masseneinfuhr fremder Arbeiter seitens der Unternehmerklassen zum Zweck der Schwäch, ung der Arbeiterklassenorganisation und der Erniedrigung der Lebenshaltung der amerikanischen Arbeiter, zu verhindern erstreben. Die Partei verwirft den Ausschluß irgendwelcher Einwanderer auf Grund ihrer Rasse und Nationalität und verlangt, daß die Vereinigten Staaten jeder Zeit das freie Asyl für alle Männer und Frauen bleiben, die von ihren heimischen Regierungen wegen ihrer j Politik, Religion oder Rasse verfolgt werj den."1) Mit dieser Deklaration will die Sociaj list Party offenkundig die jüdische Einwanj derung in erster Reihe unter ihren Schutz j nehmen. Das ist — „für die Welt." Bei sich j zu Hause ist man offenherziger. ... So j heißt es in einer Resolution des National-! komites derselben Socialist Party unter an- I derem: „Das Gefühl der Selbsterhaltung zwingt die heimischen Arbeiter, sich der Einführung unorganisierter und unorganisierbarer Arbeiter zu widersetzen." Daß man auch in den sozialistischen Kreisen Amerikas geneigt ist, den Kreis solcher unerwünschten Arbeiter ungemein weit zu ziehen, beweisen folgende Ausführungen des Sozialistenführers und des Autors der obenangeführten „toleranten" Resolution Morris Hillquit:2) „Die Mehrzahl der *) S. M. Schippel: Die Einwanderung farbiger Atbeiter. Soz. Monatshefte 1910, Ho. 16 -18, v. 1011. 2) S. Das Einwanderungsproblem in den Vereinigten Staaten. Neue Zeit 1907, ß. II, p. 453. amerikanischen Sozialisten vereinigt sich mit den Gewerkschaften in der Forderung nach Ausschluß von solchen Rassen und Nationen (!), welche bis jetzt noch nicht in den Kreis moderner Produktion gezogen und unfähig sind, sich den Arbeitern ihres Adoptivlandes zu assimilieren und der Organisation und den Kämpfen ihrer Klasse anzuschließen. Diese Forderung ist der unmittelbare Ausdruck des natürlichen Instinktes der Selbsterhaltung." In den Versammlungen, bei Agitations- und Wahlanlässen ist man noch offenherziger und tritt oft direkt gegen die jüdische Immigration auf, was z. B. die jüdischen Arbeiter Amerikas bewogen hat im Wahlkampf gegen Hillquit Stellung zu nehmen. In demselben scharfantialienistischen, oft direkt antisemitischen Sinne äußert sich fast die gesamte Arbeiterpresse Amerikas. Das Problem der proletarischen Wanderungen beschäftigte bekanntlich wiederholt auch die internationalen sozialistischen Kongresse, so den Amsterdamer (1904). wo jedoch keine Resolution gefaßt wurde. Umso eingehender befaßte sich mit diesem Problem der Stuttgarter Kongreß (1907). In der angenommenen Resolution werden die Gefahren einer Massenimmigration fremder Arbeiter und insbesondere solcher, die auf einem niedrigeren Kultur- und Lebensniveau stehen, anerkannt. Doch widersetzte sich die proletarische Solidarität dem absoluten Ausschluß von Immigranten bestimmter Rassen oder Nationen, wie ihn die Delegierten Australiens und ein Teil der amerikanischen beantragten. Daher beschränkte sich der Kongress auf die Aufstellung folgender Forderungen : I. Für die Einwanderungsländer: 1) Einfuhrverbot für Kontraktarbeiter; 2) Gesetzlicher Arbeiterschutz, wie Festsetzung eines Maximalarbeitstages und eines Minimallohnes, Abschaffung des Sweating Systems und der Heimarbeit, hygienische Regelung der WohnungsVerhältnisse; 3) Abschaffung der Begrenzungen, die be-

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