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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-05-01 · Heft 5 (Mai 1911) · p. Seite 70

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 5 (Mai 1911)
Article
Immigration - Arbeiterkonkurrenz - Arbeitsprotektionismus
Date
1911-05-01
Page
Seite 70 (sequence 6)
Language
German
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— 70 — relativ unbedeutenden Vorteilen, die sie mit sich bringt, eine Reihe negativer Momente, die sie für die einheimische Arbeiterschaft als unerwünscht erscheinen läßt. So ihre soziale und berufliche Struktur, ihre konzentrierenden Tendenzen, ihre Nichtassimilierbarkeit, ihr systematisches Zunehmen mit der industriellen Entwicklung der Auswanderungsländer etc. Wir wollen nun eingehender die arbeitsprotektionistischen Maßregeln der Einwanderungsgebiete betrachten und zwar zunächst nach dem Grade der Organisiertheit des Schutzes resp. der Abwehr. Als primitivste Form der Fernhaltung und Ausschaltung der fremden Arbeitskräfte erscheint die spontane unorganisierte Selbsthilfe der einheimischen Arbeiter, die in tumultuösen Exzessen, ja oft sogar blutigen Zusammenstössen und Krawallen ihren Ausdruck findet. Es ist dies noch bis zum heutigen j Tage in ilmerika und Australien eine leider j nicht seltene Erscheinung den verhaßten \ fremdrassigen Einwanderern gegenüber. Die nächst höhere Form der Abwehr ist die ad hoc organisierte Selbsthilfe der Betroffenen in der Gestalt massenhafter Arbeits-; einstellungen, gesellschaftlichen Boykotts etc.! Diese elementaren Abwehrmittel werden in! der Regel nur den kulturell niedrig stehen- I den Einwanderen fremder Rassen gegenüber! gegenüber, sowie bei wirtschaftlichen Krisen j und beim massenhaften Streikbrecherimport j in Anwendung gebracht. Die jüdische Ein-; Wanderung hat meines Wissens bisher nir-; gends ähnliche Ab wehrmaß regeln hervoigej rufen.; Wie verhält sich nun die organisierte : Arbeiterschaft zur Immigration fremder Ar- 1 beitskräfte? Was bei der unorganisierten Selbsthilfe einen spontan-chaotischen Charakter j trägt, wird in der Praxis der Arbeiterorganij sationen und insbesondere der großen Gej werkschaften zur ständigen planmäßig-organi- I sierten Abwehr- und Schutzpolitik. Die antij alienistische Politik der amerikanischen, ausj tralischen und englischen Gewerkschaften ist \ eine zu allgemein bekannte Erscheinung, um hier des Näheren darauf einzugehen. Aber selbst in Deutschland mit seinem klassenbewußtesten Proletariat wird diese fremdenfeindliche Politik nicht selten von den Gewerkschaften angewendet. So ersuchte beispielsweise 1900 die Aitenburger Tagung des Bergarbeiterverbandes die Reichsregierung, „den Import fremdsprachiger ausländischer Arbeiter in die Bergreviere zu verbieten." Aehnlich wurde 1905 auf dem Verbandstage der Seeleute der einstimmige Beschluß gefaßt, „bei der Reichsregierung dahin vorstellig zu werden, daß die Verwendung von farbigen Mannschaften auf subventionierten Schiffen verboten wird." In demselben Geiste äußerte sich der Maurerverband in bezug auf die italienischen Bauarbeiter.1) Für die vorzugsweise Beschäftigung niedergelassener Arbeiter treten wohl alle Arbeiterorganisationen sämtlicher Länder ein. Fast unmittelbar gegen die jüdischen Einwanderung ist folgende vor Kurzem von der mächtigen über 2000000 Mitglieder zählenden „American Federation of Labor" gefaßte ebenso lakonische wie inhaltsschwere Resolution gerichtet: „Die Gesetze gegen die russische Einwanderung sind unzureichend und ihre Strenge muß notwendig verschärft werden" . . .2) Was ferner die sozialistischen Parteien anbetrifft, so sind sie in der Lage, im allgemeinen einen weitherzigen Standpunkt in der Einwanderungsfrage einzunehmen, da sie sich — insbesondere in ihren allgemein prinzipiellen Deklarationen und Kundgebungen — nicht ausschließlich von den unmittelbaren wirtschaftlichen Tagesinteressen leiten lassen. Doch lehrt uns die Erfahrung, daß auch die sozialistischen Parteien in praktisch-wichtigen Fällen dem Interesse der einheimischen Ar- 1) Vgl. hierzu die vortrefflichen Ausführungen M. Schippeis „Die Konkurrenz der fremden Arbeitskräfteu in den „Sozial. Monatsheften" 1906, B. Ii, p. 737 ff. 2) Vgl. Dr. K. Vornberg „Die Feinde der Ein- Wanderung." Neue Zeit, XXV., B. II, p. 495 ff.

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