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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-04-01 · Heft 4 (April 1911) · p. Seite 54

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 4 (April 1911)
Article
Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland
Date
1911-04-01
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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— 54 — der Reduktion zugrunde gelegten Massen in zweifacher Hinsieht inkommensurabel sind. Einmal hinsichtlich der natürlichen Gliederung und der örtlichen Verteilung. Bei der Gesamtbevölkerung ist der Altersaufbau der Bevölkerung ein pyramidaler; die für das Zeugungsalter in Betracht kommenden Altersklassen von 15—50 Jahren weisen eine normale Besetzung auf. Bei der jüdischen Bevölkerung findet sich dagegen ein geringer Kinderbestand; infolge der günstigen Sterblichkeit und der Einwanderung sind die Altersklassen 15—50 etwass tärker vertreten als bei der Gesamtbevölkerung, ganz erheblich aber die Altersklasse der über 50jährigen. Der letztere Umstand, sowie die Tatsache des späten Heiraten der Juden bringen es mit sich, daß ein ganz beträchtlicher Teil der jüdischen Bevölkerung für die Fortpflanzung nicht in Frage kommt und infolge des vergleichsweise stärkeren Bestandes unproduktiver Juden die jüdische Geburtenziffer tatsächlich zu niedrig erscheint. Wir haben dies in unserer Arbeit: „Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in München von 1875 —190 5" nachgewiesen und auch die folgenden Ziffern über den Altersaufbau der Gesamtbevölkerung und der Juden in Hessen bestätigen unsere Annahme: Von je 1000 Personen kommen auf die nachstehenden Altersklassen: Gesamtbev. 1900 Juden 1905 0—15 Jahr 329 258 15—50 „ 510 529 über 50 „ 161 213 Da ferner, wie wir bald zeigen werden, die Juden hauptsächlich Städter sind und die städtische Geburtenziffer hinter der durchschnittlichen Geburtenziffer des Landes wesentlich zurückbleibt, so ist auch aus diesem Grunde die jüdische Geburtenziffer mit jener der Gesamtbevölkerung nicht schlechthin zu vergleichen. Damit kommen wir auf einen zweiten, viel bedeutsameren Punkt. Die Juden bilden gewissermaßen eine Auslese unter der Gesamtbevölkerung. Sie repräsentieren einen Bestandteil, der in seiner sozialen Zusammensetzung von der Gesamtmasse abweicht. Wir werden später in dem Hauptteil unserer Darstellung die allgemein bekannte Tatsache, daß die berufliche und soziale Gliederung der Juden eine wesentlich andere ist als bei der übrigen Bevölkerung, ziffernmäßig betrachten können. Es ist daher der Vergleich der Fruchtbarkeit so verschieden beschaffener Volksmengen nicht angebracht. Um einen exakten Vergleich herzustellen, müßten wir eine spezielle Fruchtbarkeitsstatistik derjenigen Bevölkerungsklassen besitzen, die eine ähnliche Zusammensetzung aufweisen wie die jüdische Bevölkerung. Leider sind solche Untersuchungen bisher nicht angestellt worden, wie überhaupt der Einfluß des Berufes und der sozialen Stellung auf die Fruchtbarkeit nicht genügend erforscht ist. Daß aber der Einfluß ein sehr bedeutender ist, beweisen die wenigen Berechnungen, welche vorliegen. So kommen beispeilsweise auf 100 verheiratete Frauen im Alter von 15—50 Jahren eheliche Kinder: Paris Wien Berlin1) (1886—95) (1891—97) (1886—95) sehr arm 14,0 20,0 22,2 arm 12,9 16,4 20,6 wohlhabend 11,1 15,5 19,5 sehr wohlhabend 9,9 15,3 17,8 reich 9,4 10,7 14,6 sehr reich 6,9 7,1_12,2 zusammen 11,8 15,3 18,6 Wir sehen also, wie stark die Abweichung der Fruchtbarkeitsziffer in den einzelnen städtischen Bezirken vom Durchschnitt ist. Ebenso ist die Fruchtbarkeit der Juden eine spezifische Fruchtbarkeit einer bestimmten Bevölkerungsschicht. Als Hauptgründe für die geringe Fruchtbarkeit der Juden führt man die abnehmende Religiosität, die infolge des hinaufgerückten Heiratsalters kürzere Fruchtbarkeitsperiode an. Die wesentlichste LTrsache, die für die beiden eben genannten grundbedingend ist, liegt in den!) Friedrich Prinzing: Handbuch der medizinischen Statistik, S. 25. Bezirke

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