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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-04-01 · Heft 4 (April 1911) · p. Seite 52

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 4 (April 1911)
Article
Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland
Date
1911-04-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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— 52 — standen 0392 deutsche Juden in 26 ausländischen Staaten gegenüber. Die wichtigsten Einwanderungsländer waren jedoch nicht darunter, so die Vereinigten Staaten, England, Niederlande, Belgien, sodaß man nicht fehl geht, wenn man unter den gesamten zirka 3V2 Millionen Deutschen im Auslände die Zahl der Juden mit zwei Prozent, d. h. 70 000 angibt. x) Schon daraus würde hervorgehen, daß die deutschen Juden eine passive Wanderungsbilanz aufweisen. Sie haben namentlich in den 80 er Jahren weitmehr Menschen ins Ausland abgegeben als sie von diesem empfangen haben. Damals war die Auswanderung aus den östlichen Provinzen nach Amerika überaus rege, und in den kleinen Städten existiert fast keine Familie, die nicht einen Angehörigen, meistens einen Sohn, in Nordamerika besitzt. Die Zuwanderung aus dem Auslande, vor allem Österreich- Ungarn und Rußland setzt erst in den 90 er Jahren und zu Beginn dieses Jahrhunderts ein und trägt, soweit Rußland in Frage kommt, einen mehr fluktuierenden Charakter, da während der Judenverfolgungen zahlreiche Familien das Land verließen, die nach Wiederherstellung geordneter Verhältnisse in ihre Heimat zurückkehrten. Bei der Würdigung der Einwanderung aus Rußland darf man nicht außer Acht lassen, daß unter den Einwanderern sich ein sehr erheblicher Teil in überaus günstigen Vermögensverhältnissen befindet, somit ein Zustrom kapitalkräftiger Elemente stattgefunden hat, der auch für die gesamte Volkswirtschaft von Bedeutung ist. Der Umstand, daß zahlreiche Großkaufleute sich, wenn auch nur vorübergehend, hier niederliessen, hat sicherlich viel zur Anknüpfung wertvoller Handelsbeziehungen mit Rußland beigetragen. Daß die Judenwanderungen gerade in wirtschaftspolitischer Hinsicht wertvoll sind, hat S 0 m b a r t in seinem neuesten Werke: „Die Juden und l) Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden, 1. Jahrg., Heft 12: Felix Teilhaber, München: Deutsche Juden im Auslände und ausländische Juden im Deutschen Reich. das Wirtschaftsleben4* in überzeugender Weise nachgewiesen. Wie bereits erwähnt, können wir für die wichtigsten Bundesstaaten auf indirekte Weise den Wanderungsgewinn bezw. -vexlust berechnen. Was Preußen anlangt, so betrug die natürliche Zunahme von 1877—1905 100754 wirkliche „ „ 60111 mithin der Verlust 40643 Es hätte demnach die jüdische Bevölkerung Preußens im Jahre 1905 etwa 450 000 betragen sollen. Wir können zwar nicht die gesamten 40 000 auf das Konto des Wanderungsverlustes setzen, denn unter ihnen befinden sich viele, die dem Judentum durch Taufe und Austritt verloren gegangen sind. Immerhin enthalten sie die Ausgewanderten, die, wie schon hervorgehoben, sich hauptsächlich nach den Vereinigten Staaten gewendet haben. Der Gesamtverlust verteilt sich auf die einzelnen Jahrfünfte folgendermaßen: ab (—) oder zu (-j-) auf 1000 der jüd. Bev. gewandert durchschn. jährlich 1877—1880 —10465 — 9,58 1880—1885 1885—1890 1890—1895 1895—1900 1900—1905 -19074 -10639 - 7191 - 393 7119 —10,40 — 5,71 — 3,78 — 0,20 4- 3,48 Diese Zusammen Stellung ist außerordentlich interessant. In den ersten acht Jahren von 1877—1885 verliert die preußische Judenheit jährlich 1 Prozent, von 1885—1900 sinkt der Verlust immer mehr, verschwindet allmählich und geht im letzten Jahrfünft in eine Zunahme infolge Einwanderung über. Der Wanderungsgewinn ist nicht sehr beträchtlich. Es treffen auf 1000 Juden nur drei Einwanderer. Es drängt sich uns nun die Frage auf: Ist die jüdische Bevölkerung Deutschlands imstande sich aus eigener Kraft zu erhalten? Besitzt sie eine genügend starke Reproduktion oder bedarf sie der Zuwanderung fremder Elemente? Die Frage ist von größter Wichtigkeit, denn ihre Beantwortung müßte Aufschluß geben über die natürlich enEntwicklungstendenzen der deutschen Juden. Der Er-

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