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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-04-01 · Heft 4 (April 1911) · p. Seite 51

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 4 (April 1911)
Article
Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland
Date
1911-04-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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51 — Zunahme langsam aber stetig vor sich und übertrifft seit 1890 um das Doppelte das Wachstum während des ersten Jahrfünfts. Wenn wir berücksichtigen, daß die jüdische Bevölkerung nicht wie die Gesamtbevölkerung eine Arbeiterklasse besitzt, die in erster Linie beträchtlich zur natürlichen Zunahme der Bevölkerung beiträgt, so können wir die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung im Reiche als nicht unbefriedigend bezeichnen. Die Entwickelung der jüdischen Bevölkerung in den vier Königreichen ist von 1871 bis 1905 in folgender Weise vor sich gegangen: Zuwachs 1871 1885 1895 1905 1895- -1905 1871 -1905 absolut Prozent absolut Prozent 325587 366575 379716 409301 29585 7.78 83714! 25,71 50648 53697 53750 55341 1591 2,96 4693; 9,26 3346 7755 9902 14697 4795 48,42 11351! 339,24 12245 13171 11887 12053 166 1,39 -192! —1,56 Preußen . . Bayern . . Sachsen . . Württemberg In den einzelnen Königreichen zeigt sich eine überaus verschiedene Zunahme der jüdischen Bevölkerung. Normal ist das Wachstum in Preußen, wo es im Jahrzehnt 1895/05 7,78 Prozent betrug; übernormal in Sachsen, wo in dem gleichen Zeitraum die jüdische Bevölkerung sich um 48,42 Prozent vermehrte; sie hat sich hier infolge der starken Zuwanderung in 30 Jahren mehr als verdreifacht. Dagegen ist die Zunahme in Bayern außerordentlich gering, trotzdem auch hier, namentlich in den Städten München und Nürnberg eine beträchtliche Zuwanderung stattgefunden hat. In Württemberg hat sogar, wenn wilden ganzen Zeitraum von 1895—1905 überblicken, eine Abnahme von 1,50 Prozent stattgefunden. Diese Abnahme ist natürlich auf die Abwanderung zurückzuführen. Einen absoluten Rückgang der jüdischen Bevölkerung können wir übrigens nicht bloß in Württemberg beobachten; er zeigt sich auch in anderen Bundesstaaten, vor allem in Baden und Elsaß-Lothringen. Im Zusammenhang mit dieser bemerkenswerten Erscheinung wollen wir auf die Juden Wanderungen, und zwar zunächst die überseeischen etwas näher eingehen. Wanderungen spielen von altersher im Leben des jüdischen Volkes eine große Rolle, und noch in der Gegenwart vollziehen sich große Verschiebungen im Standort der jüdischen Bevölkerung. Die jüdischen Massen können nicht zur Ruhe kommen. Teils wandern sie aus den stark bevölkerten jüdischen Zentren der östlichen Länder übers Meer, teils wechseln sie im Lande selbst ihren Wohnsitz. Im ersten Falle sind es mehr die drückenden politischen Verhältnisse, im zweiten das Bestreben, sich den möglichst günstigsten Standort im Daseinskampfe zu sichern, welche die Verschiebungen veranlassen. Dieser Vorgang ist aber in der Neuzeit durchaus keine Erscheinung, die sich nur bei den Juden zeigt, denn auch bei der Gesamtbevölkerung gehen Wanderungen vor sich, welche, was die Personenzahl anlangt, den großen Völkerwanderungen des Altertums nicht nachstehen. Für den Wanderungsgewinn oder -verlust der Juden im Reich besitzen wir keinerlei amtliche Angaben. Auch die Möglichkeit ihn indirekt zu ermitteln ist nicht vorhanden, da die hierfür notwendigen Unterlagen, nämlich die Angaben über Geburten und Sterbefälle im Reiche nach der Konfession fehlen. Dagegen können wir über diesen Punkt für die wichtigsten Bundesstaaten, insbesondere Preußen, Untersuchungen anstellen. Nur ein einziges Mal ist eine amtliche Feststellung über die Zahl der Ausländer im Deutschen Reich gemacht worden. In der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 wurde die Zahl der im Auslande geborenen, in Deutschland ansäßigen Juden mit 41113 angegeben. Ihnen

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