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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-04-01 · Heft 4 (April 1911) · p. Seite 50

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 4 (April 1911)
Article
Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland
Date
1911-04-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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— 50 — keit zu Tage trat, in kurzen Fristen eine i Inventur des Erwerbs- und Wirtschaftslebens; aufzunehmen und dadurch die Möglichkeit; zu schaffen, in eingehender Weise die Kenntj nis von der wirtschaftlichen und sozialen j Struktur des Volkes zu vermitteln. Diesem j Zwecke dienen, soweit Deutschland in Frage j kommt, die Volkszählungen, welche seit 1871! alle fünf Jahre stattfinden und die drei Be-! rufs- und Betriebszählungen, welche 1882, 1895 und 1907 vorgenommen wurden. Was veranlaßt uns jedoch, eine gesonderte Betrachtung über die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland anzustellen? Einzig und allein der Umstand, daß der gesellschaftliche Aufbau und die berufliche Gliederung der Juden in vielen wichtigen Beziehungen von jenem der gesamten deutschen Bevölkerung abweichen. Worin diese Verschiedenheiten bestehen und worauf sie zurückzuführen sind, werden wrir später zeigen. Wir erwähnen mit Absicht den gesellschaftlichen Aufbau, weil zum Verständnis sowohl der wirtschaftlichen Lage der deutschen Juden, wie sie gegenwärtig ist, als auch ihrer Verschiedenheit von jener der Gesamtbevölkerung die Kenntnis von der Zusammensetzung der jüdischen Masse und der wichtigsten Zustände und Äußerungen ihres sozialen Lebens, worüber uns die Bevölkerungsstatistik Aufschluß gibt, erforderlich ist. Fried richZahn, der Leiter des Bayerischen Statistischen Landesamts hat in den Heften 6, 7 und 8 der Annalen des deutschen Reiches die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands unter besonderer Berücksichtigung der Volks-! Zählung von 1905 und der Berufs- und j Betriebszählung von 1907 darzustellen unteri nommen. Mit vollem Recht weist er zu Beginn seiner Abhandlung auf die Abhängig- | keit der Volkswirtschaft von der Beschaffenj heit des Volkes hin und betont die Wechselj Wirkungen, welcbe zwischen der Wirtschafts-! läge und dem Aufbau eines Volkes bestehen. Er schickt daher seiner Untersuchung eine kurze Skizze voran, in welcher er Aufschluß über die Entwicklung der Reichsbevölkerung in den letzten 25 Jahren gibt. Dasselbe gedenken wir in folgendem Einleitungsabschnitte für die jüdische Bevölkerung zu tun. Wir müssen allerdings voranschicken, daß uns zur analogen Darstellung der jüdischen Bevölkerung für das Reich nicht in so vollkommener Weise die Angaben zur Verfügung stehen, wie dies für die Gesamtbevölkerung der Fall ist. Wir werden uns daher gezwungen sehen, zur Ergänzung die wichtigsten Bundesstaaten, so vor allem Preußen, Bayern, Württemberg und Hessen, die eine gut ausgebaute Konfessionsstatistik besitzen, heranzuziehen. 1. Bevölkerung. Es betrug im Jahre 1905 die Zahl der Juden in Deutschland 607 862 d. h. 1 Prozent der Reichsbevölkerung. Das Wachstum der jüdischen Bevölkerung seit 1871 hat mit der Zunahme der Gesamtbevölkerung nicht gleichen Schritt zu halten vermocht. Von Jahrfünft zu Jahrfünft ist der prozentuale Anteil der Juden zurückgegangen. Im Jahre 1871 betrug er noch 1,25, im Jahre 1885 1,20, im Jahre 1900 nurmehr 1,04 Prozent. Folgende Zahlenreihe gibt Aufschluß über die Zahl der Juden im Deutschen Reich nach den Volkszählungen und ihren Zuwachs in den einzelnen Jahrfünften, verglichen mit dem Wachstum der Reichsbevölkerung. Jahr 1871 1875 1880 1885 1890 1900 1905 Zahl der Juden 512153 520575 561612 563172 567884 586833 607862 Zuwachs von Jahrfünft zu Jahrfünft absolut j Prozent 8422 41037 1560 4712 18949 21029 1,64 7,88 0,21 0,83 3,33 3,58 Zuwachs der Reichs-Bev. Prozent 4,06 5,87 3,58 5,49 13,59 7,58 In den ersten Jahrfünften nach Gründung des Reiches ging das Wachstum der jüdischen Bevölkerung nicht gleichmäßig vor sich. Auf die sprunghafte Zunahme von 7,88 während der Jahre 1875 bis 1880 folgt ein gewaltiger Rückschlag auf 0,21 im darauffolgenden Jahrfünft 1880 bis 1885. Von da ab ging die

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