Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-03-01 · Heft 3 (März 1911) · p. Seite 38

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 3 (März 1911)
Article
Ist die Kriminalität der Juden Rassenkriminalität?
Date
1911-03-01
Page
Seite 38 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2650397-3187691-3187694-3191178--3001-3191201
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 38 — des jüdischen Kaufmanns ist in Deutschland nicht! wesentlich anders ais die seines christlichen Standesj genossen, aber es bleibt dann immer noch ein Einwand, der bis zu einem gewissen Grad auch zweifellos bej rechtigt ist. Der Parallelismus von a und b ist dadurch; erklärt, daß b das Produkt von a, oder umgekehrt ist.; Er läßt sich aber auch begreifen, wenn beide die Folge! von einem Dritten c sind oder in die Sprache des; Lebens übersetzt: Es ist nicht ausgeschlossen, daß in | einer großen Anzahl von Fällen die Berufswahl eben j auf eine persönliche Eigenart zurückzuführen ist, die I sich dann später auch als das eigentliche Agens zur i verbrecherischen Betätigung erweist, während die soziale : Stellung eigentlich nichts damit zu tun hat. Allerdings; wird, wenn sich die Übereinstimmung zwischen jüdischen j und christlichen Kaufleuten als fast vollständig herausj stellt, dem sozialen Moment die Suprematie einzuj räumen sein. Der Mangel derartiger Methoden, der sich nie ganz wird vermeiden fassen, liegt eben darin, daß zwar diejenigen Ursachen, die für die Kriminalität von Bedeutung waren, im Resultat erscheinen, daß uns aber, wenn wir die Fragesteilung nicht richtig gewählt j haben, unter Umständen auch Momente als einflußreich j erscheinen, die in Wirklichkeit fast bedeutunglos w-iren. \ Dazu kommt, daß das absolut Individuelle überhaupt ] nicht zum Ausdruck kommt. j In den letzten Sätzen ist schon ein Grund | angedeutet, der mich veranlaßt, den sozialen j Ursachen die Suprematie zuzugestehen. Dazu I kommen auch noch weitere Gründe. Einen derselben erwähnt auch de Roos. Es hat sich gezeigt, daß überall da, wo das soziale Niveau der Juden von ihrer Norm abweicht, sich auch ihre Kriminalität ihrem Niveau anpaßt. So hat de Ho o s für Amsterdam, wo die Juden hauptsächlich Arbeiter in der Diamantenindustrie sind, festgestellt, daß ihre Körper Verletzungsziffer (im Durchschnitt 1901 bis 1905 auf 100000 Juden 19) diejenige der Christen (23) fast erreicht, während ihre Betrugziffer in dem gleichen Zeitraum nur halb so groß war als die der Christen (1,9 gegen 3,8 auf 100000 gleicher Konfession). Ein weiteres Argument habe ich in meiner Schrift „Beruf, Konfession und Verbrechen" namhaft gemacht. Dort habe ich gesagt: wenn die Kriminalität der Juden damit in Zusammenhang zu bringen ist, daß sie die Pioniere des Wirtschaftslebens sind, dann muß in dem Maße, in dem sich die spezisch kapitalistischen Züge des Wirtschaftslebens, die dem jüdischen Charakter adäquat sind, ausbreiten, dies dazu führen, daß die Kriminalität der Juden der der Christen immer ähnlicher wird. Dies ist nun in der Tat, wie ich dort gezeigt habe, der Fall. Weitere Bestätigungen für meine Ansicht entnehme ich aus den Resultaten, die man bei der Erforschung anderer jüdischmoralstatistischer Probleme gefunden hat. Ich denke dabei zunächst an das Selbstmord- und an das ßevölkerungsproblem. Die Statistikx) ergibt, daß die Juden, deren geringe Selbstmordiichkeit noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts Dürckheim als „soziologisches Gesetz" proklamiert hatte, in kaum 50 Jahren eine Selbstmordziffer erreicht haben, die jene der Christen wesentlich übertrifft. Umgekehrt habe ich, wie vor mir schon andere in der „Zeitschrift für Sozialwissenschaft" (Bd. XII, Heft 11) gezeigt, wie die Geburtenziffer der Juden, die Mitte des Jahrhunderts noch durchaus normal war, heute nur noch ca. halb so groß ist wie die der Christen. In beiden Fällen glaube ich die Behauptung aufstellen zu dürfen, daß die Ursachen dieser Erscheinungen nur darin gefunden werden können, daß die Tendenz der Juden, sich ihrem sozialen Niveau zu assimilieren, erst dann ganz in Erscheinung treten konnte, als weite Kreise nicht mehr unter dem Banne der religiösen Vorschrift standen. Als dieser Zeitpunkt aber eingetreten war, zeigte sich, daß diese Tendenz außerordentlich stark war. Liegt da der Schluß nicht außerordentlich nahe, daß ein Volkskörper, dessen moralische Orientierung in zwei wichtigen Fragen durch das soziale Niveau bestimmend beeinflußt erscheint, auch sonst sich durch die sozialen Verhältnisse beeinflußbar zeigen wird? — Ich vermag daher meine Ansicht über Erscheinungsform und Ursachen der Kriminalität der Juden in folgenden Sätzen zusammenzufassen : 1. Die Kriminalität der Juden entspricht im wesentlichen derjenigen Kriminalität, die *J Vgl. Jahrg. 6, S. 133 dieser Zeitschrift!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.