Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 3 (März 1911)
- Article
- Georg von Mayr und die Statistik
- Date
- 1911-03-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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O r — OL) — lenkten und — ..kleine Ursachen, große Wirkungen!" — die ihm selbst vielleicht später unerwünscht erscheinende Wirkung hatten, ihn auf ein Jahrzehnt der Wissenschaft und der statistischen Verwaltung zu entziehen, denn Bismarck, auf seine literarische Arbeit über das Tabakmonopol aufmerksam geworden, wünschte seine Kenntnisse, Begeisterimgsfähigkeit, parlamentarische Beredsamkeit und Gewandtheit zur Durchsetzung des ihm sehr am Herzen liegenden Tabakmonopols auszunutzen und zog ihn in den Reichsdienst.1)2) 1887 wurde Mayr als Unterstaatssekretär von Elsaß-Lothringen (Abteilung für Finanzen) zur Disposition gestellt. Nun trat das Wunderbare ein. Nur vier Jahre ertrug er sein otium cum dignitate. Dann habilitierte sich der 50jährige, „um nicht schlaf! zu werden", als Privatdozent der Nationalökonomie an der Universität Straßburg, ein leuchtendes Beispiel der Liebe zur Wissenschaft und Lehre gebend. Seit 1898 wirkt Mayr als ordentlicher Professor der Statistik, Finanzwissenschaft und Nationalökonomie an der Universität München. In diese seine zweite Münchener Periode fällt die Herausgabe seines eigentlichen wissenschaftlichen Lebenswerkes, der „Statistik und Gesellschaftslehre", wovon bisher zwei Bände und vom dritten Band zwei Lieferungen erschienen sind. Der erste Band behandelt die theoretische Statistik, der zweite die Bevölkerungsstatistik, der dritte die Sozialstatistik. Die Sozialstatistik umfaßt die Moralstatistik, Bildungsstatistik, Wirtschaftsstatistik und politische Statistik. Die ersten beiden Lieferungen des dritten Bandes enthalten die Moralstatistik, und zwar die sekundäre Moralstatistik (moralstatistische Folgerungen aus der Bevölkerungstatistik), ferner die Ehescheidungsstatistik und die Einleitung zur Kriminalstatistik. Schon im x) Diese Seite der Tätigkeit des Jubilars, sowie die Arbeiten Mayrs auf dem Gebiete der Finanzpolitik, Arbeiterversicherung usw. gehören nicht in den Rahmen unserer Darstellung. 2) Aus diesem Anlaß wurde Mayr durch Verleihung des Verdienstordens der bayerischen Krone in den persönlichen Adelsstand erhoben. : Titel „Statistik und Gesellschaftslehrekommt; die hohe Auffassung zur Geltung, die Mayr; von der Statistik hat. Sie ist ihm „die Gei sellschaftslehre (näher: ihrem Inhalt nach j exakte Gesellschaftslehre)r) par excellence. | Obwohl M a y r gerade in der Systematik der | Staatswissenschaften2) bedeutendes geleistet j hat, so wird man bei der Lektüre seiner Erj örterungen über die Stellung der Statistik zu! den anderen Geisteswissenschaften doch das! Gefühl nicht los, daß er diese herabzudrücken | sucht, um seine geliebte Statistik in umso I glänzenderem Lichte erscheinen zu lassen. Es gibt unter den vielen Gegenständen der Statistik kaum einen Gegenstand, zu dem Mayr nicht einen wertvollen Beitrag geliefert | hätte3), denn als echter Freund der Statistik | steht M a y r auf dem Standpunkt, daß die | Statistik nur dann ihre Aufgabe erfüllen kann, wenn sie möglichst in das Detail der gesellschaftlichen Verfassung eindringt und auch ihre feinsten Verästelungen und Differenzierungen, soweit hier noch Massenerscheinungen vorliegen, berücksichtigt und erfaßt. „Nur keine Tab eilenfurcht" (keine i Furcht vor großen feingegliederten Tabellen)!! pflegte er seinen Schülern einzuschärfen.; Daher ist es selbstverständlich, daß M a y r j auch die Konfessionsstatistik als berechtigt : anerkennt, daß er bei seinen Arbeiten, naj mentlich den bevölkerungsstatistischen, wenn j irgend möglich, die gewonnenen Zahlenreihen \ mit der Konfession kombiniert, daß er die; in der offiziellen deutschen Statistik neuer-; dings hervortretende Praxis, die Konfession; bei der Aufbereitung des Urmaterials, anr) Band 1, S. 23; an einer anderen Stelle (S. 1(5) bezeichnet Mayr dieStatistik als „praktische Gesellschafts - lehre" und stellt ihr die Soziologie als theoretische Gesellschaftslehre gegenüber, eine Gruppierung, der man sich schon eher anschließen kann. 2) Begriff und Gliederung der Staatswissenschaften. | Tübingen 1904. j 3) Eine Zusammenstellung der Schriften May rs nebst I kurzer Biographie befindet sich im „Handwörterbuch der j Staatswissenschaften", 2. Aufl.; über die Tätigkeit Mayrs im bayerischen statistischen Bureau siehe Geschichte und Einrichtung der amtlichen Statistik in Bayern, | München 1895, S. 31 ff.