Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1911)
- Article
- Die Juden in den Vereinigten Staaten von Amerika
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 3)
- Language
- German
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— 12 — der ersteren. Scharf zum Ausdruck kam der j Gegensatz zwischen beiden Strömungen durch j den Umstand, daß die Reformer in ihrer j Liturgie das Gebet um Wiederherstellung des jüdischen Landes wegließen. Auch äußerlich zeigt sich gegenwärtig der Unterschied zwischen beiden Eichtungen darin, daß eine Anzahl von Kongregationen in ihren Namen das Wort „Reform" aufnehmen, daß namentlich in kleinen Städten, wto zwei Religionsgesellschaften bestehen, die eine sich als orthodoxe, die andere als reformerische bezeichnet. Soweit gehen allerdings die Richtungen nicht auseinander, daß die Reformer eine eigene Sekte bilden. Dagegen spricht schon die Tatsache, daß die Juden außer durch Religion auch noch durch ihre Abstammung miteinander verbunden sind. Von 1745 jüdischen Organisationen machten nur 1094 Angaben darüber, wie häufig der Gottesdienst bei ihnen abgehalten wird. In 530 wird der Gottesdienst dreimal täglich, in 512 einmal wöchentlich, am Sabbath, abgehalten. Von den letzteren hielten 19 wöchentlich Gottesdienst am Sonntag in Verbindung mit dem Gottesdienst am Samstag. In 19 Kongregationen trat der Sonntaggottesdienst an Stelle des Samstaggottesdienstes. Alle Kongregationen hielten Gottesdienst an den überlieferten Feiertagen und 33 hielten ihn n u r an diesen Feiertagen ab. Hebräisch überwiegt als Gebetssprache bei dem öffentlichen Gottesdienst. In vielen Kongregationen jedoch werden manche Gebete englisch gelesen, in einigen wenigen deutsch. Nur in einer ganz geringen Anzahl, wahrscheinlich nicht mehr als 100 hat die englische Sprache die hebräische vollständig verdrängt. Die Kongregationen sind nicht in einem Kirchen verbände vereinigt. Es gibt aber 2 Unionen, die auf dem Prinzip des freiwilligen Beitrittes beruhen, nämlich die Union of the Amerikan Hebrew Congr. (1873) und die Union of the Orthodox Jewish Congr. in den Vereinigten Staaten und Kanada (1898). Die erstere umfaßt 181 Kongregationen, die letztere eine beträchtlich geringere Zahl. Die Tätigkeit der Union of the Amerikan Hebrew Congr. erstreckt sich nach dreierlei Richtungen. Sie unterhält erstens ein Rabbinerseminar, genannt Hebrew Union-College in Cincinnati, zweitens hat sie ein Kollegium ins Leben gerufen, welches die Aufgabe hat, die Juden gegen eine ungerechte Beurteilung im In- und Auslande zu schützen und drittens hat sie eine Behörde eingesetzt zum Ausbau der Synagogen und Schulen. Die Union der orthodox - jüdischen Kongregationen hat im wesentlichen die gleichen Funktionen. Sie ist hauptsächlich in New-York tätig, fördert die religiösen Interessen der jüdischen Kinder und Studenten in den öffentlichen Schulen und höheren Lehranstalten. Da die Unionen, wie bereits erwähnt, auf einem freiwilligen Zusammenschluß beruhen, werden alle jüdischen Veranstaltungen, sei es erzieherischer, sei es wohltätiger Art, von den Juden als Individuen getragen und nicht von einer zentralen geistlichen Organisation. Aus demselben Grunde ist die Stellungnahme der Juden gegenüber öffentlichen Fragen nicht offiziell. Propaganda und Proselytenmacherei gehören nicht in den Tätigkeitsbereich der Kon gr egation en. Die einzig aktive Propaganda, die von den Juden getrieben wird, geschieht, zu dem Zwecke, ihre eigenen Kinder und das jüdische Volk dem jüdischen Gesetz und Lebenswandel zu erhalten. Um dies zu erreichen, haben die meisten Kongregationen Religionsschulen. Außerdem existieren Talmud-Thora- Institutionen, andere religiöse Freischulen und Kurse, welche von einer Gesellschaft organisiert sind oder durch eine Gruppe von Kongregationen unterhalten werden. Die Schulen sind in der Regel allen, welche sie besuchen wollen, freigegeben. Manche haben täglich Unterricht, manche nur 1-, 2- oder 3mal wöchentlich. Im allgemeinen sind die Lehrer beruflich vorgebildet und werden für ihre Tätigkeit bezahlt, aber in einigen Kongrega. tionsschulen und auch in den hebräischen Freischulen, welche nur einen Kurs wöchentlich abhalten, setzt sich der Lehrkörper ganz-