Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1911)
- Article
- Die Juden in den Vereinigten Staaten von Amerika
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 4)
- Language
- German
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— 13 — lieh aus unbezahlten freiwilligen Lehrkräften zusammen. Im Jahre 1906 wurden 594 Schulen von 543 Kongregationen geleitet. Von diesen hesassen 574 2093 Lehrer, und 569 hatten 44654 Kinder. Tägliche Kurse wurden abgehalten in 192 Schulen und 1-, 2- oder 3 mal wöchentlich in 402. In 33 von den 54 Talmud-Thoraschulen zählte man 215 Lehrer und 4555 Schüler; 28 von ihnen hesassen eine Einnahme von Lstr. 106981. In 18 von 29 anderen jüdischen Freischulen und Kursen wurden 4135 Kinder unterrichtet, während 19 von ihnen 32 Lehrer hatten. Dieses religiöse Erziehungswerk findet eine Ergänzung speziell für die junge Leute durch die lokalen Sektionen des Council of Jewish- Womens, einer jüngeren Abteilung derselben, der Jewish Chautauqua Society u. s. w. Von höheren Lehrinstituten existieren 3 theologische Seminare und 2 Kollegien. Zu den ersteren gehören das bereits erwähnte Hebrew Union-College in Cincinnati, gegr. 1875 von der Union of American Hebrew Congr., ferner das Jüdisch - theologische Seminar in Amerika mit dem Sitze in New- York seit 1886, speziell für Rabbinatskandidaten konservativer Richtung, endlich das Rabbi Isaac Elchanan-theologische Seminar, ebenfalls in New-York. Die beiden Kollegs sind das Gratz-College in Philadelphia (1893) und Dropsie - College für hebräische und verwandte Wissenschaften in Philadelphia. Außerdem existieren Handels-, Handwerker-, technische- und Farmschulen, Kindergärten und Abendschulen für englischen Unterricht. Letztere sind insbesondere für Immigranten gegründet worden in den großen Zentren, wro keine öffentlichen Abendschulen vorhanden sind, oder zur Vorbereitung für solche. Diese Abendschulen, ebenso wie die Kindergärten und zahlreichen Industriekurse werden zum Teil von Kongregationen, zum Teil von unabhängigen Gesellschaften organisiert, hauptsächlich von sozialen Institutionen, wie Logen, wohltätigen Orden, lokalen Abteilungen des Council of Jewish-Women, den vereinigten Schwesterorden und den Vereinen jüdischer junger Männer und Frauen. Was die Fürsorge für die eingewanderten Juden anlangt, so besteht ein Fonds des Baron v. Hirsch aus dem Jahre 1896, welcher den Zweck hat, die Immigranten aufzunehmen, zu verteilen, das Erziehungswerk unter ihnen zu fordern, Kolonien zu gründen und zu unterstützen, ebenso andere Ackerbau- und Industrieunternehmungen, welche dazu bestimmt sind, Möglichkeiten für das Vor- | wTärtskommen der Einwanderer zu schaffen.! Mit Hilfe dieses Fonds ist die ganze Stadt i | Woodbine emporgewachsen. Neuerdings hat I sich eine Abteilung gebildet, die sog. Industrial-Removal Office, welche die Arbeitsgelegenheiten, die sich für die Einwanderer in den Städten im Innern des Landes bieten, aussucht. Sie veranlaßt die Immigranten, dorthin zu gehen, wo sie glauben, ihr Fortkommen zu finden. Sie werden von einem Koniice aufgenommen, welches sie unterstützt, | bis sie dauernd sich niedergelassen haben. j In den Vereinigten Staaten existierten 1906 mehr als 638 jüdische Wohltätigkeitsgesellschaften, von denen 362 eine Einnahme von Lstr. 1353 903 angaben. Diese werden ergänzt durch die vereinigten Schwesterorden oder Frauenhilfsgesellschaften, ferner durch Abteilungen des Council of Jewish Women. In 16 Städten außer New-York gibt es Foederationen, welche zuweilen die Waisenpflege, das Hospital, die Altersheime umfassen, an manchen Orten auch die Erziehungsinstute, verbunden unter einer zentralen Administrationsgesellschaft für die Sammlung und Anweisung des Fonds, die für Wohltätigkeitszwecke bestimmt sind. Das Budget dieser 16 Foederationen betrug Lstr. 615930. Es gibt auch eine Nationalkonferenz von jüdischen Wohltätigkeitsanstalten, die 114 Organisationen umfaßt. Außerdem haben viele Kongregationen eine oder alle der folgenden Formen der Wohltätigkeit: Gegenseitige Unterstützungsgesellschaft, in erster Linie bestimmt zur Bezahlung von Krankheits- und Beerdigungskosten, Fonds für Obdachverschaffung an durchreisende Arme, freie Begräbnisgesellschaften und freie Darlehnsgesellschaften.