Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- Die Auswanderung der Juden nach Galveston
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
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- Kaunas 1× ep/1000678
- Minsk 1× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
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— 181 — den nach Galveston Emigrierenden aber nur 2,59 Prozent. In der folgenden Tabelle Laben wir diejenigen Handwerkerberufe gegenübergestellt die am meisten an der Auswanderung beteiligt sind. Auf je 100 Handwerker entfallen.1) T3 CS . *± c Beruf o § § c r: 4- ■ «- -o o ~ S S " Bei d. G, veston- Emigran .2 'S £r c 14,49 1913 Tischler, Möbelarbeiter, Böttcher und Stellmacher , 11,70 16,20 9,90 Schuhmacher und Sattier. 8,61 18,50 14,03 Schmiede und Klempner . . 5,30 5/20 5,07 2,39 7,93 1,14 Fleischer........... 3,07 3.42 4,00 2,90 3.07 4 58 Es ist leicht einzusehen, daß unter den j nach Galveston Emigrierenden die Berufe j sich weit gleichmäßiger verteilen als bei den j nordamerikanischen Wanderern. Besonders j auffallend ist die große Zahl der Schneider j unter den nordamerikanischen Emigranten, \ die 35,26 Prozent aller eingewanderten Hand- | werker bilden, während bei den nach Galveston \ Emigrierenden nur 14,49 Prozent Schneider I vorhanden sind, was prozentual der Stellung ' der Schneider unter der jüdischen Handwerkerj bevölkerung in Rußland mehr entspricht. \ Die große Anzahl der Händler und Hand-; lungsgehilfen — 18,45 Prozent — wird viel. : leicht diejenigen befremden, welche „die gej ringe Zahl von Händlern uund Kaufleuten" 2) j unter den nordameriLanischen Emigranten gej lesen haben. Auf Grund der amerikanischen j Statistik fand Formberg, daß der prozeir j tuale Anteil der handeltreibenden Klasse an j der Auswanderung nicht einmal 5 Prozent : beträgt, während sie 38,64 Prozent der Ge- \ samtzahl der jüdischen Bevölkerung Rußlands \ bildet. x) Die Zahlen über die nordamerikanischen Emigranten und über die Verhältnisse in Rußland sind dem Buche von Formberg entnommen S. 69 — 89. 2) S.: „Die sozialen Verhältnisse der Juden in Ruß' land", S. 12. Auch Dr. Formberg: „Die judische Emigration/' S. 57—60. Wer aber mit den Emigranten in unmittelbarer Berührung kam, dem ist es klar, daß die amerikanischen Zahlen in diesem Punkte keineswegs zuverlässig sind. Der Grund liegt darin, daß nur die reichen Emigranten in der Überzeugung, daß das Geld ihnen die Tore des freien Landes öffnen werde, es wagen durften, den Handel als ihren Beruf anzugeben Was aber die ärmere Masse anlangt, so wagten es die meisten kaum, sich als Händler zu bezeichnen, sondern trugen sich als Schneider? Tischler oder sonstiger Handwerker in die Liste ein. Sehr charakteristisch für die Psychologie der jüdischen Masse ist der Umstand, daß die meisten Beruflosen sich als Handwerker ausgeben, um der Hafenadministration größere Achtung abzugewinnen. Abgesehen von dieser Tatsache lassen sich noch mancherlei Beweise anführen, welche die Richtigkeit unserer Annahme bestätigen. Die Frage der Berufsgliederung unter den Emigranten ist von großer Wichtigkeit. Wir möchten daher die Aufmerksamkeit noch aar folgenden Punkt lenken. Daß die 5 Prozent Händler unter den Emigranten hinter der Wirklichkeit zurückbleiben, beweist der Anteil der eingewanderten Juden am amerikanischen Handel, der bis auf 30 Prozent der eingewanderten jüdischen Bevölkerung steigt. Näheres hierüber erfahren wir aus den Berichten der Ica, obwohl diese nur selten auf die Berufgliederung eingehen. Betrachten wir ein paar Städte des Ansiedlungsrayons in verschiedenen Gebieten, so können wir feststellen, daß unter den Auswandernden, die sich an das Auskunftsbureau in Minsk wandten, 141% Kaufleute und Handlungsgehilfen waren; unter den Emigranten, die das Auskunftsbureau in Kowno verzeichnet hat, waren 15% Kaufleute und Handlungsgehilfen, in Odessa 33%, in Kischinew 42% und nur in Warschau waren es 9%% x) Bericht des Auskunfcsbureaus der ica in Peters' barg für 1908.