Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Zur Statistik der jüdischen Bevölkerung in Frankfurt a. M.
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 158 (sequence 6)
- Language
- German
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158 — Kinder im jüdischen Glauben erzogen werden. Naturgemäß haben die unehelichen Geburten auch vom moralstatistischen Standpunkt ein erhebliches Interesse. Man sieht, die Ermittelung der jüdischen Geburtsziffer ist mit erheblichen Schwierigkeiten verknüpft und exakt überhaupt nicht festzustellen; auch die offiziellen statistischen Ausweise geben nur wenig Handhaben, denn in Berücksichtigung dieser Schwierigkeiten geben sie überhaupt nicht das Religionsbekenntnis der Geborenen, sondern das der Eltern an, und zwar von Vater und Mutter gesondert. Um genau die Zahl der jüdischen Geburten, soweit sie für die Bevölkerungsbewegung in Betracht kommen, zu erhalten, müßte man addieren: 1. die Zahl der in rein jüdischen Ehen geborenen abzüglich der getauften; 2. die aus Mischehen stammenden, soweit sie der jüdischen Religion zugeführt werden; 3. die unehelich geborenen, soweit das gleiche bei diesen der Fall ist. Da uns die einschlägigen Ziffern nicht bekannt sind, so wollen wir uns damit behelfen, daß wir nur die aus rein jüdischen Ehen geborenen sowie die unehelichen berücksichtigen, die aus Mischehen stammenden außer Betracht laßen, in der Annahme, daß der Prozentsatz derselben, die der jüdischen Religion zugeführt werden — er ist mit der Hälfte zu hoch angesetzt, wie das vielfach geschieht, und dürfte höchsten ein Viertel betragen —, die Wage hält den aus jüdischen Ehen stammenden, aber sofort getauften jüdischen Kindern. Demnach entfielen auf 1000 der jüdischen Bevölkerung Geborene: 1880 22,8 1895 16,6 1885 18,2 1900 18,0 1890 18,8 1905 15,6 Man sieht, daß seit 1880 die Geburtsziffer bei den Juden erheblich gesunken ist, von 22,8 auf 15,6. Dieses Sinken ist jedoch kein ständiges gewesen, sondern das Sinken ist von mehrmaligen Steigungen unterbrochen gewesen. Im Vergleich mit der Geburtsziffer der christlichen Bevölkerung führen wir die Geburtsziffer von 1905 an, dieselbe betrug für die gesamte Bevölkerung 28,6, die Geburtsziffer der Juden ist demnach fast um die Hälfte niedriger w7ie die Durchschnittsgeburtsziffer. Recht niedrig ist auch die Ziffer der Unehelichen. Während im Jahre 1905 im Durchschnitt in Frankfurt auf 1000 Einwohner 4,1 uneheliche Geburten entfielen, kamen auf 1000 Juden 0,51. Totgeborene entfielen auf 1000 Einwohner im Durchschnitt 0,9, auf 1000 der jüdischen Bevölkerung jedoch nur 0,38. Die Sterblichkeit betrug auf 1000Seelen bei der Frankfurter jüdischen Bevölkerung: 1880 14,5 1895 13,1 1885 13,8 1900 11,8 1890 13,3 1905 11,5 Man sieht, die Sterblichkeit ist in ständiger Abnahme begriffen und im Zeitraum von 1880—1905 um etwTa 25 Prozent gefallen. Die Sterlichkeit der Juden hielt sich bedeutend unter der Durchschnittssterblichkeit der Frankfurter Juden; denn diese betrug 1905 16 Prozent. Bei dei Berechnung der Kindersterblich keit der Frankfurter Juden begegnen wir wieder denselben Schwierigkeiten, die war bei Erörterung der Geburtsziffer kennen gelernt haben. Es handelt sich hier um die bald nach der Geburt getauften jüdischen Kinder und die Kinder aus Mischehen. Das Verhältnis zwischen geborenen und gestorbenen jüdischen Säuglingen kann insofern etwas zweifelhaft wrerden, als jüdische Kinder die bald nach der Geburt getauft wurden, wrenn sie starben den christlichen Kindern zugerechnet wurden, während sie bei der Geburt den jüdischen Geburten zugezählt wurden. Es starben Kinder von 100 geborenen ehelichen bei den Evangelischen Katholiken Juden 1891/1895 15,9 10,8 7,8 1896/1900 16,2 17,9 7,9 1901/1907 17,0 19,4 6,1