Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Zur Statistik der jüdischen Bevölkerung in Frankfurt a. M.
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 157 (sequence 5)
- Language
- German
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— 157 — christlichen Bevölkerung erreicht, dagegen von 44 Prozent der jüdischen. Das 70. Jahr wird von 13,4 Prozent Christen, aber von 27,4 Prozent Juden erreicht; das 80. Jahr von 3,7 Prozent Christen und von 6,9 Prozent Juden. Die christliche Bevölkerung erreicht ein Durchschnittsalter von 36,11 Jahren, die jüdische von 48,9 Jahren. Von 1874 an werden in den „Statistischen Mitteilungen über den Zivilstand der Stadt Frankfurt" zum ersten Mal Angaben über die Peligionsverhältnisse der Getrauten gemacht, von 1876 ab auch über die der Geborenen und Gestorbenen. Was die Eheschließungen anlangt, so wurden 1875 99 rein jüdische Ehen geschloßen, 10 Mischehen, 1905 dagegen 164 jüdische Ehen nebst 35 Mischehen. Auf je 1000 Personen jüdischer Konfession trafen eheschließende 1875 17, 1890/911) 16, 1905 10. Bei den Männern 15,8, bei den Frauen 16 Prozent. 1875 wurden auf 1000 Juden 8,3 rein jüdische Ehen geschlossen, 1905 7. 1875 entfielen auf 100 rein jüdische Ehen 10,9 Mischehen, 1905 dagegen 18. Im Laufe der letzten 30 Jahre hat demnach bei den Frankfurter Juden die Zahl der Eheschließenden prozentualiter abgenommen, ebenso die Zahl der rein jüdischen Ehen, zugenommen dagegen recht erheblich die Zahl der Mischehen. Unter den verschiedenen Konfessionen ist die Ehefrequenz bei den Juden am geringsten wie sich aus folgender Zusammenstellung ergiebt: Auf je 1000 Personen der betreffenden Konfession trafen im Durch' schnitt 1890/91 Eheschließende: männl. weibl. zusammen Evangelische 21,5 18,8 20,1 Katholiken 25,1 23,2 24,1 Israeliten 15,8 16,0 16,1 Die Juden bleiben mit ihrer Eheschließungsziffer bedeutend hinter dem Durchschnitt zurück, der Durchschnitt betrug auf 1000 x) Beiträge zur Statistik der Stadt Frankfurt, Neue Folge, 2. Heft, Frankfurt 1893, S. 9. I Einwohner 1905 22 Eheschließende, bei den I Juden jedoch nur 15. Zur Erklärung dieser! Unterschiede trägt einigermaßen die Tatsache! bei, daß der Prozentsatz der ehemündigen und heiratsfähigen Personen in den einzelnen Kategorien auch ein verschiedener ist. 1885 waren heiratsfähig bei den männl. weibl. zusammen Evangelischen 26,0 42,6 34,7 Katholiken 28,8 45,6 37,6 Israeliten 27,0 39,4 33,2 Die Zahl der Heiratsfähigen ist demnach bei den Israeliten am geringsten. Daneben tritt der starke Frauenüberschuß gleichmäßig bei allen drei Hauptkonfessionen, bei den Israeliten jedoch am schärfsten zu Tage. Die Statistik der Geburten im Hinblick auf die Konfession stößt auf erhebliche Schwierigkeiten, einmal wegen der vielfach sofort nach der Geburt stattfindenden Kindertaufen. Diese getauften Judenkincler müßen natürlich außer Betracht bleiben; wenn es sich um Untersuchungen über die Vermehrung der jüdischen Bevölkerung handelt, da sie ja für das Judentum verloren sind, andererseits dürften sie nicht außer Betracht bleiben, wenn es sich darum handelt, die Fruchtbarkeit der jüdischen Frauen kennen zu lernen, da sie ja von jüdischen Müttern abstammen. Kompliziert wird das Problem noch bei den Mischehen. Für die Erörterung der Fruchtbarkeit der jüdischen Basse kommen sie nur zur Hälfte in Betracht, für die Bevölkerungsbewegung nur insoweit, als die von Mischehen stammenden Kinder dem jüdischen Glauben zugeführt wurden. Endlich müßen auch noch die unehelichen Geburten der Jüdinnen berücksichtigt werden. Bei diesen ist es nicht gleichgültig, ob auch der Vater des Kindes jüdischer Konfession ist oder nicht; gehört er einer christlichen Konfession an, so besteht die Möglichkeit, daß auch das uneheliche Kind der Konfession des Vaters zugeführt wird, schon im Hinblick auf eine spätere Heirat; mithin ist anzunehmen, daß auch in den allermeisten Fällen die unehelichen jüdischen