Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Zur Statistik der jüdischen Bevölkerung in Frankfurt a. M.
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 156 (sequence 4)
- Language
- German
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— 156 — Nach Horovitz betrug die absolute Sterblichkeit bei den Frankfurter Juden: 1624—1674 3574 1726—1775 6433 1675—1725 4529 1776—1826 4519 In den beiden ersten Perioden finden wir eine Zunahme der Sterblichkeit, welche durch die Zunahme der Bevölkerung erklärt ist. Die enorme Zunahme in der Periode 1726—1775 wird jedoch nicht dadurch erklärt, vielmehr durch die unerträglichen sanitären Verhältnisse der Judengasse, wie sie Kracauer geschildert hat. Dann aber folgt in der letzten Periode eine erhebliche Abnahme der Sterblichkeit trotz weiteren Wachsens der Bevölkerung, und dies ist nur dadurch zu erklären, daß jetzt die Verhältnisse anfangen günstiger zu werden. Jetzt schon wird es einzelnen Juden verstattet, außerhalb der Judengasse zu wohnen. Die Lebensbedingungen werden bessere, die Zustände gesünder, und dies dokumentiert sich auch in der abnehmenden Sterbeziffer am Anfang des 18. Jahrhunderts, so daß bereits 1848 die Sterbeziffer der Juden unter die der Christen herabgegangen ist. Die Bevölkerungsbewegung im 19. Jahrhundert. Die Sterblichkeit war auf 1000 der jüdischen Bevölkerung: 1808 34 1811 30 1817/18 20,7*) 1823/24 18,1 1811—20 war die Zahl der Gestorbenen 469, 1821-30 „ „ „ „ „ 451, 1831—40 „ „ „ „ 833, 1831—50 „ „ „ „ „ 670, also trotz steigender Bevölkerung abnehmende Sterblichkeit! Die Sterblichkeitsverhältnisse der jüdischen und christlichen Bevölkerung mit Bezug auf die vorhandenen Alterskiassen sind für die Jahre 1846—1848 von Dr. De Neufville mit zu Grundelegung der Frankfurter Totena) Bleicher, Beitrage zur Statistik der Stadt Frank' fürt I, 2. M. F., S. 247. listen berechnet worden. Wir entnehmen dessen Arbeit1) die folgenden Zahlen: Alter Christliche Jüdische Bevölkerung Bevölkerung 1—9 Jahr 26,4 13,3 10—19 „ 4,5 4,5 20-29 „ 12,4 8,8 30—39 10,6 9,5 40-49 „ 11,1 9,9 50—59 10,3 9,9 60—69 11,4 16,7 70—79 9,7 20,5 80—89 3,5 6,5 90—100 „ 6,2 6,4 Es ergiebt sich daraus, daß der Anteil des Kindesalters an der Gesamtsterblichkeit bei der jüdischen Bevölkerung viel geringer ist wie bei der christlichen und daß dementspiechend ein viel größerer Prozentsatz bei den Juden ein höheres Alter erreicht. Die Ursache dafür, daß die Kindersterblichkeit bei den Juden nur halb so hoch ist, wie bei den Christen findet De Neufville in dem fast völligen Fehlen des jüdischen Proletariats. Daß die Sterblichkeit im Alter von 20—30 bei den Christen 12,4, bei den Juden aber nur 8,8 beträgt, wird auf das geringere Vorkommen der Schwindsucht bei den Juden zurückgeführt, und das hat wieder seinen Grund in dem Umstand, daß das Proletariat bei den Juden fehlt, andererseits aber auch in dem Umstände, daß die Juden weniger Gewerbe betreiben, vielmehr fast ausschließlich dem Handel oder dem gelehrten Stande angehören. Auch in den Jahren von 1830—60 ist die Sterblichkeit der Juden geringer wie die der Christen, was Dr. De Neufville daraus erklärt, daß die Juden eine viel regelmäßigere und mäßigere Lebensweise führen wie die Christen. Aus diesen Verhältnissen ergiebt sich, daß die jüdische Bevölkerung ein höheres Alter als die christliche erreichen muß. Das 60. Lebensjahr wird nur von 24,8 Prozent der 2) De fieufville, Lebensdauer und Todesursachen zweiundzwanzig verschiedener Stande und Gewerbe nebst vergleichender Statistik der christlichen und israelischen Bevölkerung Frankfurts. Frankfurt 1893, S. 3.