Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- Zur Statistik der jüdischen Bevölkerung in Frankfurt a. M.
- Date
- 1910-10-01
- Page
- Seite 141 (sequence 5)
- Language
- German
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— 141 — tischen Umwälzungen, die Einführung der Freizügigkeit und der Gewerbefreiheit, die die ehemals streng abgeschlossene freie Reichsstadt bald zur süddeutschen Metropole des Handels und Verkehrs werden läßt. Die dadurch gebotenen Erwerbsmöglichkeiten lockten viele auswärtige Juden in die alte Handelsstadt. In den letzten beiden Jahrzehnten war das Prozentverhältnis der Juden zur christlichen Bevölkerung ein geringeres und weist eine stetig sinkende Tendenz auf. Das hat mehrere Gründe; einmal vermehrt sich die christliche Bevölkerung stärker als die jüdische, und zwar durch stärkere Einwanderung und durch eine höhere Geburtsziffer. Die Einwanderung von Juden scheint einen gewissen Sättigungspunkt erreicht zu haben, handelt es sich doch hier vorzüglich um begüterte Juden, die meist zur Klasse der Selbständigen gehören, während die christliche Einwanderung sich meist aus den Arbeiterschichten rekrutiert; auch die Einwanderungen der Ausländer, der Galizier und Russen läßt infolge der gesetzlichen Erschwerung nach. Ein anderer Grund, warum die Frankfurter Juden prozentualster gegenüber den Christen immer mehr zurückgehen, ist aber noch ein äußerlicher. Das sind die Eingemeindungen, die mit dem Jahre 1875 begannen, welche meist Orte ohne oder mit sehr geringer jüdischer Bevölkerung betrafen. Auch in diesem Jahr sind wieder 11 Orte mit 30 000 Einwohnern eingemeindet worden. Bei der diesjährigen Volkszählung dürfte daher der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung wiederum herabgehen und vielleicht 6 Prozent betragen. Betrachten wir nunmehr die Gliederung der jüdischen Bevölkerung nach Geschlecht, Alter und Zivilstand. 1. Das Geschlecht. Die ältesten Ziffern stammen noch aus dem Mittelalter, sie betreffen nicht die Gesamtbevölkerung, sondernnur die Erwachsenen. Bücher ermittelte für diese im Jahr männliche weibliche 1431 33 36 1447 14 25 1437 25 37 Im Durchschnitt dieser drei Jahre kommen danach auf je 100 erwachsene männliche Personen 140 weibliche, ein Mißverhältnis, welches das früher von Bücher bei der christlichen Stadtbevölkerung ermittelte Überwiegen der weiblichen Bevölkerung noch übertrifft. Differenzierungen des Geschlechtes rinden wir dann erst wieder im 18. Jahrhundert. 1703 fanden sich 471 erwachsene männliche Personen und 805 weibliche. 1709 gab es 1466 Juden männlichen Geschlechtes und 1653 solche weiblichen Geschlechtes. Das Verhältnis der männlichen Bevölkerung zur weiblichen war 100 :121. Das Überwiegen des weiblichen Geschlechtes rührt von der großen Zahl von Dienstboten her. Nach Ansicht von H o r o v i t z dürften aber unter diesen „Dienstboten" viele Nürnberger und andere Flüchtlinge zu vermuten sein, die an den Pforten Frankfurts! Schutz begehrten und von der wohlwollenden j Nachsicht des Rates als Hausgenossen einer! wohltätigen Familie oder Anstalt Aufnahmej recht erhielten.! Im 19. Jahrhundert wurden bei der Volkszählung 1817 gezählt männliche weibliche einheimische Juden 1603 1570 fremde Juden 342 794 Wir sehen, daß ein höherer Prozentsatz des weiblichen Geschlechtes nur bei den fremden Juden zu konstatieren ist, was tatsächlich auf die weiblichen Dienstboten zurückzuführen sein dürfte. Daß bei den eini heimischen Juden die Zahl der männlichen Per- | sonen größer ist wie die der weiblichen, dürfte wohl daher rühren, daß in Folge der Ehebeschränkungen die Töchter der Juden sich nach auswärts zu verheiraten gezwungen waren. Die Sexualproportion ist folgende: Auf j 100 männliche Personen entfallen 121 weib- I liehe, also genau dasselbe Verhältnis wie 1709.