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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. Seite 140

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Article
Zur Statistik der jüdischen Bevölkerung in Frankfurt a. M.
Date
1910-10-01
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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— 140 — 7620, davon 3460 fremde, 1867 8238, davon 2342 fremde. Erst bei der Volkszählung 1871 hört die Scheidung der Gezählten in Staatsangehörige und Fremde auf, die Zahl der Juden betrug in diesem Jahr 10 009, 1875 11887, 1880 13 856, 1885 15 537, 1890 17 426, 1895 19 488, 1900 21 874, 1905 23 476. Zum Verständnis der Entwicklung der jüdischen Bevölkerung Frankfurts a. M. im 19. Jahrhundert ist es notwendig, mit einigen Worten auf die Geschichte derselben in diesem Jahrhundert einzugehen. Die Befreiung der Frankfurter Juden aus der Jahrhunderte langen Bedrückung des Ghettos beginnt mit dem Jahre 1796. In diesem Jahre wrurde, wie schon hervorgehoben, ein großer Teil der Judengasse von den Franzosen in Grund geschossen und den obdachlosen Juden gestattet, sich bis zum Wiederaufbau der Gasse außerhalb derselben anzusiedeln. 1811 wurde ihnen'das volle Bürgerrecht verliehen nach Festsetzung einer Ablösungssumme von i 440000 Gulden. Nach Wiederherstellung des i Freistaates wurde ihnen dieses Bürgerrecht! wieder entzogen, und erst 1824 mit gewissen Einj schränkungen wiedergegeben; zu diesen Ein-; schränkungen gehörte die Limitierung der j Heiraten. Erst das Jahr 1848 machte diesen! Einschränkungen ein Ende; die volle Staatsj bürgerliche Gleichstellung mit den Christj liehen Mitbürgern erhalten die Frankfurter j Juden jedoch erst, nachdem Frankfurt seine j Selbständigkeit verloren und der norddeutsche I Bund den Grundsatz proklamiert hatte, daß j alle Deutsche vor dem Gesetze gleich seien. j In diesen politischen Verhältnissen spiegeln! sich die Bevölkerungsverhältnisse der Frankj furter Juden im 19. Jahrhundert. Charakj teristisch ist, daß bei den ersten Volkszählungen j im 19. Jahrhundert die Juden noch immer in j Stättigkeitsjuden, Schutzjuden und Permissii onisten geschieden wurden und daß die | Scheidung in einheimische und fremde Juden j erst mit der Einverleibung Frankfurts in den j preußischen Staat aufhörte. Wir sehen, wie | sich die Bevölkerung, nachdem ihr 1811 zum j ersten Mal die Freiheit gegeben wurde, bis j zum Jahre 1817 fast verdoppelte,.wie sie aber in der nachfolgenden Reaktionszeit bis zum Jahre 1823 beinahe stationär bleibt, wie sie auch in den folgenden 35 Jahren sich um nur 1200 Seelen vergrößert, wie sie aber bereits in den nächsten 6 Jahren bis 1864 um 1900 Seelen anwächst und im Jahre 1871 in 4 Jahren wieder um 1800 Seelen anwächst, um zum ersten Mal die Ziffer 10 000 zu überschreiten. In den 6 Volkszählungsperioden von 1875—1905 stieg aldann die Bevölkerung an um 2000, 1700, 2000, 2000, 1700 und 1500 Seelen. Die relative Zunahme scheint demnach seit 1895 nicht mehr in dem gleichen Maße wie in den vorhergehenden Jahrzehnten zu erfolgen, sondern etwas nachzulassen. Was das Prozent Verhältnis zwischen jüdischer und christlicher Bevölkerung anlangt, so war dies in früheren Jahrhunderten ziemlich stationär, da auch die christliche Bevölkerung nur sehr langsam zunahm. Im 18. Jahrhundert machte dann die jüdische Bevölkerung ungefähr 10 % der christlichen aus und hielt sich auch im 19. Jahrhundert ungefähr auf derselben Höhe. Die genauen Prozentzahlen sind nach meinen Berechnungen folgende: 1817 10 Prozent 1823 10 57 1858 9 1864 10 n 1867 10 57 1871 11 57 1875 11 1880 10,1 57 1885 10,1 ,, 1890 9,7 57 1895 8,5 57 1900 7,5 1905 7,0 „ Diese Tabelle ist nach mehreren Richtungen nicht ohne Interesse; sie zeigt zunächst, wrie die Juden auch in Frankfurt in den 60er und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts prozentualiter zur christlichen Bevölkerung sehr stark zunahmen, einerseits bedingt durch ihre völlige Emanzipation, andererseits durch die poli-

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