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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. Seite 139

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Article
Zur Statistik der jüdischen Bevölkerung in Frankfurt a. M.
Date
1910-10-01
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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— 139 — sein. Dies schließt Bücher daraus, daß man; im Stättigkeitsverzeichnis von 1553 43 Hausj haltungen verzeichnet findet.! Die Angaben über die Bevölkerung für j das 16. und 17. Jahrhundert entnehmen wir den Werken von Dietz1): In der Tabelle I ist ein ständiges Ansteigen der Zahl der Juden bis zur Periode 1620/1630 wahrzunehmen.; 1613 findet sich die Zahl der jüdischen Hausj haltungen mit 453 angegeben. 1614 werden die Juden infolge des Fettmilclrsehen Aufstandes aus Frankfurt vertrieben, bald aber wieder zurückgeführt. Die bedeutende Abnahme der Bevölkerungsziffer von 1620—1640 ' dürfte auf die hohe Sterblichkeit während des dreißigjährigen Krieges zurückzuführen sein. Erst vom Jahre 1640 ab nimmt die jüdische Bewegung wieder zu, um im Ausgang des 17. Jahrhunderts die Höhe zu erreichen, die sie am Anfang desselben gehabt hat. Die Berechnungen der Ziffern der Frankfurter Juden im 18. Jahrhundert beruhen für das Jahr 1703 auf einer Zählung der Hausgesäße der Frankfurter Judengasse seitens des Rates. Es wurden 436 Haushaltungen festgestellt mit 2300 Personen. Im Jahre 1709 wurde eine offizielle Volkszählung vorgenommen, die der \ kaiserlichen Kommission eingereicht worden : ist. Es fanden sich 505 Hausgesäße, und auf; diese entfallen 3019 Köpfe.*) In der Mitte j des Jahrhunderts zählte man 471 Hausgesäße, j daraus berechnet Kracauer die Zahl 3000, in-! dem er jedes Hausgesäß zu 6 Personen ver- I anschlagt und noch die fremden Juden hinzuj rechnet. Für 1796, in welchem Jahre durch das; Bombardement der Franzosen 119 Häuser nieder-; brannten und 1896 Personen obdachlos wurden,; berechnet derselbe Autor die Zahl auf 3091, \ indem er annimmt, daß alle Häuser der Juden- \ gasse damals bewohnt gewesen seien und alle die gieic'.e Zahl von Insassen gehabt \ hätten. :) Dietz, Frankfurter Burgerbuch, Frankfurt 1897,; S. 188 u. f. — Dietz, Stammbuch der Frankfurter Juden, Frankfurt x. M. 1907, S. 452. 2) Bothe, Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Reichsstadt Frankfurt a. M., Leipzig 1906.; Jedenfalls dürfte es stimmen, wenn Dietz die Meinung vertritt, daß die Bevölkerungszahl in der Judengasse seit 1709 nicht mehr unter 3000 heruntergegangen ist, sich also während des ganzen 18. Jahrhunderts auf der erwähnten gleichen Höhe gehalten hat, was kein Wunder war, da die feindseligen Frankfurter Judengesetze in unveränderter Kraft fortbestanden. Waren die Juden doch noch immer in den Mauern des Ghettos eingezwängt und galt für sie doch noch immer die Stättigskeitsordnung. Die Folge war, daß einerseits die Einwanderung auswärtiger Juden gehemmt winde; andrerseits war aber auch eine innere Vermehrung ausgeschlossen durch die Fixierung der Eheschließungen auf eine bestimmte Zahl, die nicht überschritten werden durfte. Der Vermehrung standen dann ferner die ungünstigsten hygienischen Verhältnisse entgegen, die ein in die Wagschale fallendes Absinken der Sterblichkeit nicht zuließen, worauf noch später zurückzukommen sein wird. Mit dem 19. Jahrhundert betreten wir zum ersten Mal festen statistischen Boden. Es beginnt in Deutschland die Aera der Volkszählungen, die uns zahlenmäßigen genauen Aufschluß über den Stand der Bevölkerung geben. Die Zahl von 1806 mit 3117 Juden gibt B o th e1) an. Die Zahl für 1811 entstammt einer im historischen Archiv der Stadt Frankfurt befindlichen Tab eile, die von Bleicher2) veröffentlicht wurde, sie scheint sich aber nur auf die in der Judengasse wohnenden Juden zu beziehen. Die erste Volkszählung fand in Frankfurt 1817 statt, und die in der Tabelle I angegebenen Ziffern für das 19. Jahrhundert sind die jeweiligen Ergebnisse der in den betreffenden Jahren vorgenommenen Volkszählungen. Im ganzen Jahrhundert fanden 12 statt, von denen die ersten 4 von der freien Reichsstadt Frankfurt vorgenommen wurden. 1817 wurden 4309 Juden gezählt, unter ihnen 1136 fremde, 1823 4530, davon 1288 fremde, 1858 5730, davon 2499 fremde, 1864 waren es!) Bothe, 1. c. S. 70. -) Bleicher, Statist. Beschreibung der Stadt Frankfurt, II. Teil, Frankl 1895, S. 71.

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