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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August 1910) · p. Seite 127

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August 1910)
Article
Zur Untersuchung der Lage des jüdischen Handwerkerstandes in Rußland
Date
1910-08-01
Page
Seite 127 (sequence 8)
Language
German
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— 127 — Betriebe, die heute in der Gegend des südwestlichen und teilweise auch des südlichen Rußland im Gebiete der Rübenzuckerindustrie zerstreut sind und sich hauptsächlich auf die Verfertigung von Säcken für diese Industrie erstrecken, können jedoch, obwohl ihre Entwicklung zur Zeit noch unbedeutend ist, unter gewissen Bedigungen einen wichtigen Anhaltspunkt zur weiteren Entwicklung der Leinenindustrie geben. Und vom Standpunkte dieser Möglickeit aus sind sie der ernstesten Untersuchung würdig. Denn der Gesichtskreis der sozialpolitischen Tätigkeit darf sich nicht in die Schranken der Gegenwart einschließen; er muß sich auch auf die Interessen der Zukunft erstrecken; es ist unmöglich, nur die schon bestehenden Betriebe zu unterstützen, man muß sich auch zum Ziele setzen, neue Wege zu bahnen, um den jüdischen arbeitenden Massen neue Arbeitsgebiete zuzuführen. Dieselben Rücksichten sprechen auch dafür, daß auch die Schmiede-, Schlosser- und sonstigen mechanische Betriebe des Gouvernements JekaterinoslafT und des ganzen Gebietes der südlichen Metallindustrie in die Untersuchung hin einbezogen werden müssen. "Vom Standpunkte dieser konkreten Bedürfnisse der sozialpolitischen Tätigkeit entfällt die Notwendigkeit der Untersuchung jener Berufe, in welchen zwar eine große Zahl jüdischer Handwerker beschäftigt ist, die aber ihrem Wesen nach keiner praktischen Einwirkung zugänglich sind, deren Zustand keine Einmischung der organisierten sozialen Kräfte zuläßt. In einem solchen Zustande befinden sich nun all die Gewerbe, die sich noch im Stadium der wirtschaftlichen Zerstreutheit befinden, d. h. solche, wo die Produktionsbedingungen noch vom Willen der einzelnen Person abhängen und wo noch die Arbeit auf Bestellung des einzelnen Konsumenten vorherrscht. In diesem wirtschaftlichen Stadium des Handwerks ist keine sozialpolitische Beehr üussung seines Zustandes möglich, weder in der Richtung der Förderung seiner wirtschaftlichen Entwicklung noch in der Richtung der Besserung der herrschenden Arbeitsbedingungen — denn Beides hängt da von den Konsumbedingungen ab, die durch keinerlei sozialpolitische Tätigkeit geändert werden können. Hier ist nur eine allgemeine technische Hebung des Arbeitsniveaus möglich, für die keine Enquete erforderlich ist. Daher darf die Untersuchung der unter den Juden verbreiteten Berufe wie das Schneider-, Schusterhandwerk u. dgl. nur jene Handwerker berühren, die schon aus dem Stadium der wirtschaftlichen Zerstreutheit herausgewachsen sind und die sich schon in jenem Stadium befinden, wo sich das Handwerk von der Macht eines einzelnen Konsumenten befreit und eine bestimmte wirtschaftliche Organisation geschaffen hat, mag diese Organisation auch noch so lax sein, wie es die Form der Hausindustrie ist. Infolgedessen würde der Untersuchung der Hausindustrie der erste Platz gebühren. Nicht nur weil in diesem Stadium das Handwerk von denSchranken der einzelnen Konsumenten, von den engen Grenzen der gegebenen Gegend befreit und der sozialpolitischen Einwirkung zugänglich wird, sondern auch die Untersuchung und Beleuchtung der schweren in diesen Betrieben herrschenden Arbeitsbedingungen an und für sich die allergrößte Bedeutung hätte. Wir werden anderenorts auf diese schweren Bedingungen und auf die Arten ihrer Bekämpfung zurückkommen — jedenfalls ist es nun klar, daß man diesen Kampf nur dann mit Erfolg aufnehmen könnte, wrenn er sich auf eine genaue Kenntnis der tatsächlichen Sachlage stützt. Von den einzelnen Berufen haben wir in erster Linie auf die Möbel-, Gerber- und Kürschnerindustrie hinzuweisen, bei ersterer nur auf jene Betriebe, wo bessere Möbelarte a verfertigt werden. Einerseits sind in all diesen Betrieben breite jüdische Arbeitermassen beschäftigt, andererseits aber sind sie der weitesten wirtschaftlichen Entwicklung fähig. Von den Entwicklungsmöglichkeiten,

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