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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August 1910) · p. Seite 123

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August 1910)
Article
Zur Untersuchung der Lage des jüdischen Handwerkerstandes in Rußland
Date
1910-08-01
Page
Seite 123 (sequence 4)
Language
German
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— 123 — auf eine Zählung der Handwerker zu beschränken. Ebenso wie letztere uns die Ursachen nicht aufdeckt, welche den einen oder den anderen wirtschaftlichen Zustand der an den verschiedenen Berufen teilnehmenden Personen bewirken, so kann uns die Erforschung der objektiven Verhältnisse aliein noch bei weitem nicht die Folgen zeigen, die aus den einen oder aus den anderen objektiven Bedingungen des Betriebes fließen. Um also ganz vollständig zu sein, um alle Seiten des gewerblichen Lebens aufzudecken, um neben den objektiven Grundlagen des Handwerks auch seine subjektiven Folgen klarzulegen, muß die Enquete auch in die subjektive Sphäre der am Produktionsprozeß teilnehmenden Personen eindringen. Diese subjektive Sphäreistin den Lebensbedingungen! der Handwerker oder besser gesagt der zwei Handwerkerkategorien — der Meister und der Gesellen — enthalten. So muß auch eine Enquete neben den beiden objektiven Fragen — Bedingungen und Umfang der Produktion — auch zwei subjektive Fragen enthalten : über die wirtschaftliche Lage der in der gegebenen Enquenteneinheit beschäftigten Personen oder über das Lebensniveau der Meister und das der Gesellen. Zu diesen vier Fragen muß noch eine fünfte hinzugefügt werden, die die gegenseitigen Beziehungen zwischen Unternehmern und Arbeitern aufdecken soll. Dies sind die fünf Hauptpunkte, in "welchen jede Enqueteneinheit untersucht werden muß. Zu diesem Zwecke muß der Fragebogen so viele Fragen enthalten, daß die erhaltenen Antworten eine vollständige und allseitige Beleuchtung eines jeden Punktes ergeben. Selbstverständlich müssen sich diese Fragen nur auf Tatsachen beziehen, nicht aber auf Meinungen, die die befragten Personen über die eine oder die andere Tatsache haben könnten; denn die ganze Bedeutung einer Enquete besteht ja darin, daß sie eben tatsächliche Angaben über ^alle sowohl den objektiven Zustand des Handwerkes als auch die subjektive Lage der Handwerker bej stimmenden Umstände einsammelt. Der Fragej bogen muß daher alle Fragen vermeiden, deren Beantwortung nur eine Bewertung, Charakterisierung, nicht aber eine Darlegung der Tatsachen ausdrückt. Aber auch die Tatsachen, auf die sich die Fragen richten, dürfen nicht das Gebiet der persönlichen Erfahrung des Befragten überschreiten, sie dürfen nicht aus jenem Kreise von Erscheinungen hinauskommen, die sich gewöhnlich in einer jeden Enqueteneinheit abspielen. Denn die Fragen, die sich auf allgemeinere Tatsachen beziehen und die aus dem Kreise der Erscheinungen einer jeden Enqueteneinheit hinausgehen, kann der Befragte nur auf der Grundlage einer aus den Erscheinungen gezogenen Kalkulation machen, und folglich wird seine Antwort schon keine Tatsache mehr, sondern eine Meinungsmutmaßung ergeben; auch können derartige Antworten nicht an den Tatsachen der gegebenen Enqueteneinheit geprüft werden und folglich ist ihre Zuverlässigkeit sehr anzuzweifeln. Dies bedeutet natürlich nicht, daß man völlig davon absehen müsse, aligemeine Fragen in die Enquete hineinzuziehen, doch müssen alle allgemeinen Fragen nur durch tatsächliche in jeder Enqueteneinheit vorkommende Erscheinungen beleuchtet werden: sie müssen sich durch das Prisma einer jeden einzelnen Wirtschaft brechen. Die Fragen, in die die gegebenen fünf Punkte eingeteilt werden müssen, müssen derartig sein, daß sie einerseits nur jene Tatsachen berühren, die in einer jeden Enqueteneinheit vorkommen, andererseits aber müssen diese Tatsachen so inhaltreich und prägnant sein, daß sie die bezeichneten fünf Punkte vollständig beleuchten. Der erste Punkt über die objektiven Bedingungen der Produktion muß vom Standpunkte der technischen und der wirtschaftlichen Organisation des Betriebes ^betrachtet werden. Die technische Organisation des Betriebes berührt vor allem die Frage nach der Organisation der Arbeit der gegebenen Enqueteneinheit. Aber da in jeder Enqueteneinheit nur ein Teil des Produktionsprozesses vor sich geht, müssen auch alle diejenigen

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