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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August 1910) · p. Seite 122

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August 1910)
Article
Zur Untersuchung der Lage des jüdischen Handwerkerstandes in Rußland
Date
1910-08-01
Page
Seite 122 (sequence 3)
Language
German
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— 122 — nämlich, nur unter zwei wichtigen Bedingungen j Wert, wenn sie ein statistisches Interesse! j haben sollen. Einerseits müssen diese i Angaben möglichst erschöpfend sein, sie müssen die ganze Masse der betreffenden Bevölkerungsschicht umfassen, die der Zählung unterzogen werden soll, anderseits aber müssen diese Angaben in einer möglichst kurzen Frist erhoben werden. Nur wenn sie diesen beiden Anforderungen genügen, können sie ein vollständiges Bild der wirtschaftlichen Lage eines bestimmten Bevölkerungsteiles zu einem bestimmten Zeitpunkt geben. Diese beiden Anforderungen der Vollständigkeit der Angaben und der Gleichzeitigkeit ihrer Erhebung erschweren aber ihre technische Durchführung dermaßen, daß die Möglichkeit eines ausführlichen Programms bei einer Volkszählung fast vollständig ausgeschlossen ist. Infolgedessen muß sich das Programm einer Zählung auf die allgemeinsten Fragen, beschränken und so können die Angaben einer Zählung nichts mehr als bloße Angaben über die einfache Zahl der Handwerker ergeben. Doch ist bei den heutigen Bedingungen des jüdischen Lebens auch eine so beschränkte Zählung unmöglich. Die Vollständigkeit der Angaben kann nur mit solchen Mitteln erreicht werden, die den Juden gänzlich unzugänglich sind. Sie verlangt nicht nur volles Verständnis und die Mit Wirkung der lokalen Verwaltungsorgane — sie ist überhaupt nicht zu verwirklichen ohne die Zwangsgewait des Staates. Ohne diese Bedingungen zu erfüllen, wird man es auch bei der größten Sorgfalt nicht verhindern können, daß ein bedeuten der Teil der Bevölkerung der Zählung über-! haupt entgeht. j Noch größer aber werden diese Schwierig- J Reiten, und die Möglichkeit des Ausfalles eines I bedeutenden Teiles der Bevölkerung von der j Zählung wird noch wahrscheinlicher, wenn j es sich, wie in unserem Falle, nicht um eine I 7 i sich über die gesamte Bevölkerung ausge- \ dehnte Kopizählung, sondern nur um die! Zählung eines bestimmten Teiles der Be- ' völkerung handelt, der nicht aus kompakten j Massen besteht, sondern unter der übrigen Bevölkerung zerstreut ist, und folglich auch die Auswahl und die Bestimmung der in die Zählung einzubeziehenden Personen ohne Anweisung und Mitwirkung der lokalen Behörden nicht vorgenommen werden kann. IL Indem wir uns also vergegenwärtigt haben, daß eine Enquete das beste und zweckmäßigste Verfahren für eine Untersuchung der Lage des jüdischen Handwerks bietet, wollen wir uns nun das Programm dieser Enquete klar machen. Dieses Programm ist aus dem Zwecke der Enquete, die objektiven Bedingungen zu untersuchen, abzuleiten. Diese objektiven Bedingungen bestimmen nun sowohl den Gegenstand, als auch den einzelnen Träger der Enquete. Um nun an die objektiven Bedingungen der Produktion heranzugehen, muß die Enquete nicht auf die Lmtersuchung von Personen, den subjektiven Trägern der Produktion, sondern auf die objektiven Institute der Produktion, auf Handwerksanstalten, Fabriken, Betriebe und dergleichen gerichtet werden. Die objektiven Bedingungen der Produktion, die sich in einem jeden solchen objektiven Produkte des gewerblichen Lebens verwirklichen, müssen sowohl von ihrer prinzipiellen als auch von ihrer quantitativen Seite ans betrachtet werden. Ihren prinzipiellen Ausdruck finden die objektiven Bedingungen der Produktion in der Organisation des Betriebes, während ihr quantitativer Ausdruck sich in der Dimension einer jeden von der Enquete erfaßten Einheit ausdrückt. Dies sind die beiden Hauptmomente der objektiven Untersuchung des Handwerks. Selbstverständlich ist es unmöglich sich auf die Untersuchung der objektiven Verhältnisse allein zu beschränken. Dies wäre für das Verständnis der gewerblichen Zustände und für eine sozial-politische Tätigkeit ebenso unzureichend, wie es unzureichend gewesen wäre, sich nur auf die Untersuchung der subjektiven Seite des Handwerkerlebens,

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