Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- Der Rassenstolz der Juden
- Date
- 1910-06-01
- Page
- Seite 91 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 91 — Soweit Zollschan's Buch, dem wir noch einige Bemerkungen anfügen möchten. Eigentlich ist es für ein Volk ein Zeichen der Degeneration, wenn es seine Existenz mit Vernunftgründen zu rechtfertigen sucht. Ein gesundes Volk lebt in den Tag hinein, seine Existenz ist ihm die natürlichste Sache von der Welt und es kommt ihm garnicht in den Sinn,dieFragenachseinerExistenzberechtigung zu stellen. Nun muß man sagen, daß auch die Juden nicht von seihst an diese Frage herangetreten sind, sondern daß sie ihnen von ihren Feinden aufgezwungen worden ist. Die Renan, Dühring, Chamberlain, welche die Juden als eine inferiore Rasse hinstellten, welche vor der höheren „arischen" oder «germanischen" Rasse verschwinden müsse, zwangen die Juden zu der Untersuchung, ob sie wirklich inferior seien, ob sie wirklich wert seien zu Grunde zu gehen. Bisher hat sich kein Jude gefunden, der in der wissenschaftlichen Literatur diese Frage bejaht und zum Rassen-Selbstmord geraten hätte. Zwar werfen viele Juden durch Taufe und Mischehe ihr jüdisches Volkstum von sich und suchen ihre Kinder in den anderen Völkern aufgehen zu lassen. Aber wohl nirgends ist der Jude hierbei von dem Gefühl geleitet, daß er seine schlechte Rasse durch Kreuzung mit einer anderen verbessern müsse; im Gegenteil finden wir häufig selbst bei getauften Juden noch einen hohen Rassenstolz. Die Gründe, die trotzdem den Einzelnen zur Taufe und Mischehe treiben, liegen nicht auf dem Gebiete der Rassenfrage, sondern auf sozialem Gebiete. Die Frage, ob die jüdische Rasse wirklich inferior ist, kann nur durch Vergleich der kulturellen Leistungen der Juden und anderer Völker entschieden werden. Hält man sich vor Augen, daß die Juden in West- und Mittel-Europa noch nicht 1 Prozent der Bevölkerung bilden, so wird man auf jedem Gebiete kultureller Tätigkeit die Beteiligung der Juden auf den ersten Blick bereits weit größerfinden, als diesemProzentsatz entspricht. Um ein drastisches Beispiel zu gebrauchen: unter der deutschen Bevölkerung machen die Leute mit dem Namen Schulz (oder Schultz» Schulze, Schultze) ungefähr ein Prozent aus; gibt es nun mehr berühmte Juden oder berühmte SchulzeV? Die Frage beantwortet sich von selbst. Wenn man den Juden vorwirft, daß sie zwar Talente, aber keine Genies unter sich hätten, so ist auch das nicht richtig. Die Genies sind unter allen Völkern nur sehr dünn gesät. Ein Jahrhundert, das 100 Genies hervorbringt, würde schon ein reich gesegnetes Jahrhundert sein. Dann würden die Juden nach ihrer Zahl aber nur ein Genie zu stellen haben, und das und mehr als das haben sie gehabt. Es genügt für die letzten Jahrhunderte auf Baruch Spinoza. David Ricardo, Heinrich Heine oder für die neueste Zeit auf Disraeli, Marx, Lassalle, Heinrich Hertz, Felix Menclelssohn-Bartholdy, Antokolski und Josef Israels hinzuweisen. Freilich kann man die Genialität dieser Männer nicht mathematisch beweisen. Jeder Musikdilettant kann Mendelssolm- Bartholdv für einen mittelmäßigen Musiker, jeder obskure Literat Heinrich Heine für einen „dichterischen Schmutzfink", jeder Philosophie- Professor Baruch Spinoza's Philosophie-System als nicht originell erklären, jeder Durchschnittspolitiker kann Disraelfs Politik fehlerhaft finden, kann Marx und Lassalle, die Begründer der größten sozialen Bewegung des 19. Jahrhunderts, mit einem geringschätzigen Lächeln abtun. Aber die Werke jener Männer bleiben dessenungeachtet bestehen und werden noch von ihnen zeugen, wenn von ihren Verächtern nichts mehr zurückgeblieben sein wird. Sicherlich wird die Zahl der hohen Begabungen unter den Juden noch zunehmen, sobald die Juden in größerer Zahl aus dem Handelsstand, der durch die Ausbildung des Erwerbssinns zweifellos die Entwicklung genialer Begabungen hindert, zu anderen Berufen übergegangen sein werden. Aber schon heute muß ein unparteiischer Beobachter zu dem Schluß kommen, daß die Juden in West-undMitteleuropa anIntelligenz mindestens ebenso reich, wenn nicht reicher sind als irgend ein anderes Volk. Aber, werfen die Judenfeinde ein, die Juden