Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- Der Rassenstolz der Juden
- Date
- 1910-06-01
- Page
- Seite 90 (sequence 3)
- Language
- German
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— 90 — sich die Engramme so verstärken, daß sie mit der Keimsubstanz selbst auf die nächste Generation übertragen werden und deren Eigenschaften determinieren. Daraus ergibt sich, daß die Rasseneigenschaften nicht unveränderlich sind, vielmehr einer fortgesetzten Veränderung unterliegen, mag diese Veränderung auch immer nur nach einer Reihe von Generationen sichtbar werden. Danach muß man die in einem gegebenen Zeitpunkte zweifellos vorhandenen spezifischenBegabungsqualitäten zweier Rassen, die verschiedenen Volkscharaktere als Folge gewaltiger historischer und sozialer Milieu-Einwirkungen ansprechen. Am größten muß die Überlegenheit der erblich überkommenen Begabung naturnotwendig bei derjenigen Rasse sein, in deren Entwicklung die Ansammlung der für die kulturelle Tätigkeit in Betracht kommenden Engramme am stärksten war. Nun bedarf es keiner langen Ausführungen, daß von allen heut lebenden Völkern der Erde mit alleiniger Ausnahme der Chinesen die Juden das älteste Kulturvolk sind, und daß ihre Mneme, d. h. die Gesamtheit der ihnen von ihren Vorfahren überliefertenGehirn-Engramme, deshalb reicher sein muß als die irgend eines anderen Volkes. Tatsächlich finden wir auch, daß die Juden an „Intelligenz" sehr reich sind, wie ihre Tüchtigkeit im sozialen Leben, ihre Findigkeit als Kaufleute, die besseren Erfolge der jüdischen Schüler beweisen. Wenn im Verhältnis hierzu die allerhöchste Form des Intellekts, des Genie, bei den Juden seltener zu sein scheint als bei den anderen Völkern, so hängt das mit den sozialen und beruflichen Verhältnissen der Juden - zusammen. Die geniale Begabung beruht darauf, daß ihr Träger sich die tiefsten Tiefen seiner Mneme, d. h. der in ihm latent aufgespeicherten Engramme seiner Vorfahren, erschließt, sich mit Andacht und Muße in sich selbst versenkt; sie kann nur da auftreten, wo einem großen ererbten Reichtum an Engrammen ein dem Aktivwerden dieser Engramme günstiges individuelles Schicksal zu Hilfe kommt. Dies wird bei denjenigen Volksgruppen eintreten. die, noch mit ihrem Boden verwachsen, durch den Besitz ruhiger, stabiler Erwerbsweisen Muße besitzen zum Sinnen und Grübeln um seiner selbst willen, die die tieferen Anlagen ihres Gemüts hegen und pflegen und der ungestörten Selbstentwicklung überlassen können: die vor des Lebens Not in Sicherheit, vor dem Zwange zur Überhastung und Selbstentfremdung geschützt sind. Die Juden dagegen, die in dem Handelsberufe konzentriert sind und einen scharfen Kampf ums Dasein führen, haben damit ein der Entwicklung der genialen Begabung sehr ungünstiges Milieu. Die in einem verschärften Daseinskampf zur raschen Anpassung erforderlichen Eigenschaften sind Glätte und Gewandtheit, Schlagfertigkeit und Raschheit der Auffassung, dabei eine zwar auf allen Gebieten routinierte, aber seichte Oberflächlichkeit; die auf das tiefe „Erfassen" aller Dinge gerichtete geniale Begabung ist hier von Übel. Aber es ist falsch, nun diesen aus dem ungünstigen Milieu zu erklärenden Mangel an genialen Naturen zu einem Stigma der Juden zu machen. Gerade jetzt zeigt die junge jüdische Renaissance-Bewegung eine solche Fülle tief angelegter Naturen, daß sich die Haltlosigkeit jeder diesbezüglichen Behauptung von selbst ergibt. Die Divination Theodor'IIerzl's dürfte zurecht bestehen, daß, wenn es dem Judenvolke gelingen wrird, sein Schicksal in der Tendenz des Zionismus zu entscheiden, es kraft seiner hohen Anlagen einer neuen für sich und die gesamte Menschheit wertvollen Ära entgegenblicken darf. Es ist allerdings sehr zweifelhaft, ob der Zionismus und das mit ihm verbundene Streben zur Reinerhaltung der jüdischen Rasse sich durchsetzenwerden. Die in der Gegenwart herrschenden Tendenzen deuten vielmehr darauf hin, daß das jüdische Volk durch Taufe und Mischehe unter den anderen Völkern aufgeht und daß damit auch seine hohe Rassenbegabung verloren gehen wird. Die Beweisführung, daß die jüdische Rasse einen hohen Kulturwert besitze, hat unter diesen Umständen nur den Wert einer Grabschrift, die die Verdienste des Entschlafenen aufzählt.