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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-06-01 · Heft 6 (Juni 1910) · p. Seite 89

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 6 (Juni 1910)
Article
Der Rassenstolz der Juden
Date
1910-06-01
Page
Seite 89 (sequence 2)
Language
German
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— 89 — in dem Bestreben, all die vielverschlungenen \ Pfade des Rassenproblems aufzubellen, mit j erfreulicher Frische auch auf solche Gebiete j wagt, die seinem eigentlichen Gebiete, dem j der Anthropologie, ferner liegen. Das Buch j bedeutet zweifellos eine erfreuliche Be-! reicherung der Literatur über das jüdische | Rassenproblem, in der die wirklich guten j Bücher ja bisher an den Fingern einer Hand! herzuzählen sind. Zollschan verwirft die landläufige Rasseneinteilung. Er unterscheidet die schwarze, gelbe und weiße Rasse und innerhalb der weißen Rasse noch 2 Unterrassen, die xantochroe (hellfarbige) und melanochroe (brünette). Die Germanen gehören wie die Kelten und Slawen dem xantochroen, die Juden ebenso wie die gräko-romanischen, die vorderasiatischen und nordafrikanischen Völker dem melanochroen Rassenkomplex an. Unj richtig sei es, die Juden wegen ihrer Brachykephalie alsSpielart des gleichfalls kurzköpfigen homo alpinus aufzufassen; die Brachykephalie sei bei den Juden Folge intensivster intellektueller Betätigung, welche einen vermehrten Gehirndruck erzeuge, der sich nach allen Seiten der weichflüssigen Gehirnmasse fortpflanze und dieser die Tendenz zur Annahme der Kugelform, dem Schädel selbst dementsprechend eine Tendenz zur Brachykephalie verleihe. Diese Erklärung wird bei dem zünftigen Anthropologen wahrscheinlich ebenso großen Widerspruch hervorrufen, wie die andere Annahme Zollschan's, daß die Brachykephalie des sogenannten homo alpinus durch das Gebirgsleben hervorgerufen sei. Zo lisch an will nicht nur wissenschaftlich vom Standpunkte der Anthropologie das jüdische Rassenproblem aufklären, ihm ist vielmehr hauptsächlich darum zu tun, die gesamte rassentheoretische Argumentation, deren sich Freunde und Feinde der Juden bei Erörterung der Judenfrage bedienen, auf ihren wahren Wert zu prüfen. Er ist mit den Renan, Dühring, H. St. Chamberlain vollständig damit einverstanden, daß die Juden von den Germanen, Kelten, Slawen der Rasse nach verschieden sind, und es ist für ihn weiter selbstverständlich, daß die Verschiedenheit der Rasse auch eine Verschiedenheit im Empfinden, Denken und Wollen mit sich bringt. Aber was er gegenüber Düh ring, Renan und Chamberlain bestreitet und durch eine eingehende Untersuchung über den Kulturwert der jüdischen Kasse zu widerlegen sucht, das ist die Behauj)tung, daß die jüdische Rasse gegenüber den Germanen inferior sei. Er schätzt vielmehr den Kulturwert der jüdischen Rasse sehr hoch ein und zählt die Juden zu den hochgezüchtetsten Völkern. Wie Weis mann lehrt, daß jedes Lebewesen nur seine ererbten Gattungseigenschaften, nicht aber die im Laufe seines Indivi dualleb ens erworbenen Eigenschaften anf seine Nachkommen weiter erwerbe, so lehrt die herrschende anthropologische Schule, daß die Rassenzugehörigkeit für jeden Menschen darüber entscheide, welche Eigenschaften er auf die Welt bringe und zu welchen Leistungen er fähig sei. Zollschan will dagegen zeigen, daß die Rasse und ihre Eigenschaften nicht etwas unveränderliches, sondern etwas plastisches und — allerdings nur in langen Zeiträumen — veränderliches sei. Im Anschlüsse an Semon behauptet er, daß alle Reize, die auf das Nervensystem wirken, in demselben gewisse Einprägungen (Engramme) zurücklassen und daß diese Engramme beim Wiederauftreten des nämlichen oder eines analogen Reizes zu bestimmten Hirntätigkeiten, d. h. Bewrußtsemszuständen verarbeitet werden. Der lebendigen Substanz wohnt die Eigentümlichkeit inne, diese Engramme nicht nur dauernd zu erhalten, sondern sie auch den Nachkommen zu übermitteln. Denn die Reize hinterlassen die Engramme nicht nur im Gehirn, wrerden vielmehr durch das Nervensystem durch den ganzen Körper weitergeleitet, treffen auf die Keimzellen und füllen die Keimsubstanz mit Engrammen. Zwar sind diese Engramme sehr schwach, aber durch Andauern des gleichen Reizes während vieler Generationen können

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