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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-06-01 · Heft 6 (Juni 1910) · p. Seite 85

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 6 (Juni 1910)
Article
Die Statistik im Dienste der jüdischen Gemeinde
Date
1910-06-01
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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— 85 — jüdischen Zuwandernden und Abwandernden feststellen.1) Die Bedeutung der Kenntnis dieses künstlichen Faktors der Bevölkerungsbewegung für die jüdische Gemeinde können wir hier nur kurz streifen. Vor allem kann man nur in diesem Falle, sofern man regelmäßige Berichte über die Zu-und Abwanderung hat, genau wissen, wie groß überhaupt die Zahl der Juden in einem zwischen den Volkszählungen gelegenen Jahre ist. Sodann ist für die Finanzverwaltung der Gemeinde gerade die Wanderungsfrage von größter Tragweite. Es ist ein Unterschied, ob die Gemeinde rasch von dem Zuzug steuerfähiger Personen erfährt oder erst nach längerer Zeit. Gegenwärtig erfährt man in der Gemeindeverwaltung den Zuzug eines Juden erst indirekt auf dem Umweg über den Magistrat, manchmal, nachdem der Betreffende schon mehr als ein Jahr in der Gemeinde gewohnt hat. Es erfolgt daher die Veranlagung ebenfalls viel später und dadurch entgeht der Gemeinde eine Einnahme, die bei der starken Zuwanderung sehr erheblich sein dürfte. Schließlich ist es von großem Interesse zu wissen, aus welchen Gegenden der Zustrom erfolgt, welcher Art die beruflichen Verhältnisse und die soziale Lag© der Zugewanderten ist, in welchen Stadtteilen sie sich niederlassen usw. All dies ist aus den Meldescheinen ersichtlich und kann der Gemeinde zugänglich gemacht werden. Eine zweite Lücke, welche eine Statistik der jüdischen Gemeinde auszufüllen hat, ist die Führung einer Austritts- und, soweit es möglich ist, einer Tauf Statistik.l) Austritt aus der jüdischen Gemeinde und Taufe sind nicht identisch, denn mit der Taufe an sich sind die bürgerlichen Wirkungen des Austritts, insbesondere die Befreiung von den Gemeindesteuern nicht verbunden. Der Austritt erfolgt J) Der Berliner jüdischen Gemeinde werden vom Meldeamt und Polizeipräsidium allwöchentlich bezw. all' monatlich Angaben über die Zuwanderung von Juden gemacht. *) Vcrgl. zu folgendem den instruktiven Aufsatz von Dr. Blau in Heft 10, 3 Jhrg. der Zeitschr. für Demogr. u. Stat. der Juden: „Die Austritte aus dem Judentum in Berlin (1873—1906).* auf Grund der Bestimmungen des Gesetzes vom 14, Mai 1873 in der Weise, daß der Austretende den Austritt persönlich vor dem Amtsgericht erklären muß. Diese Austrittserklärung darf jedoch erst abgegeben werden, nachdem eine bestimmte Zeit vorher ein darauf gerichteter Antrag gestellt worden ist. Das Gericht hat dem Vorstände der jüdischen Gemeinde sowohl von diesem Antrage Mitteilung zu machen als auch ihm eine Abschrift des über die Austrittserklärung aufgenommenen Protokolles zu übersenden. Auf diese Weise erlangt der Vorstand der jüdischen Gemeinde von den Austritten aus dem Judentum Kenntnis und besitzt das Material für die ständige Offenhaltung der Austrittsbewegung. Eine solche Statistik ist notwendig, weil durch die Austritte die Größe der jüdischen Masse beeinflußt wird und eine zuverlässige Feststellung der Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder erst auf diese Weise möglich ist. Für die Statistik ist eine namentliche Anführung der jeweils Ausgetretenen, wie dies beispielsweise in Wien geschieht, nicht erforderlich, dagegen eine möglichst eingehende Angabe der persönlichen Verhältnisse erwünscht. Von noch größerem Interesse ist es für die jüdische Gemeinde, die Zahl der Getauften zu kennen, denn die Zugehörigkeit zu mehreren Religionsgemeinschaften kann leicht zu einem Mißbrauch der Wohltätigkeitseinrichtungen der betreffenden Gemeind© führen. Eine zuverlässige Taufstatistik ist jedoch geradezu ausgeschlossen. Man muß sich damit begnügen, das Material, soweit es in den Gemeindeakten vorhanden und in den Berichten der christlichen Religionsgemeinschaften zu Tage tritt, zu publizieren. Eine noch größere Fülle von Aufgaben als auf dem Gebiete der Bevölkerungsstatistik fällt der Statistik im Dienste der jüdischen Gemeinde in der Finanz Verwaltung zu. Hier ist die Quelle der Statistik überhaupt, und für die jüdische Statistik liegt hier ein weites Feld offen, auf dem sie sich originell betätigen kann. Der Nutzen der Statistik für die Finanzverwaltung liegt klar zutage und wir können

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