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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-06-01 · Heft 6 (Juni 1910) · p. Seite 83

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 6 (Juni 1910)
Article
Die Statistik im Dienste der jüdischen Gemeinde
Date
1910-06-01
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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- 83 — wichtig, darüber informiert zu sein, wie groß die Anzahl ihrer Mitglieder ist und wie sich dieselben nach Geschlecht, Alter, Familienstand, Beruf, Gebürtigkeit, Staatsangehörigkeit u.s.w. zusammensetzen. Es wird nun von amtsw e g en eineReihe vonFragen,die für die jüdische Gemeinde bedeutungsvoll sind, beantwortet. Die Frage nach der Konfesssionszugehörigkeit eines Individuums gehört nämlich zu den sogenannten Personalfragen, welche in den meisten Staaten und Städten, die eigene statistische Ämter besitzen, sowohl in den Volkszählungen als auch bei der Registrierung der Bevölkerungsbewegung ständig erhoben werden. Bei der Bearbeitung des amtlichen Materials wird regelmäßig die absolute Zahl der einzelnenKonfessionsangehörigen, die Zahl der jährlichen Geburten, Sterbefälle und Eheschließungen nach der Konfession publiziert. Man ist also namentlich in den Großstädten darüber unterrichtet, wie groß die Anzahl der Juden ist und wie sich ihre natürliche Zu- und Abnahme vollzieht. Damit darf aber eine jüdische Großgemeinde z.B. Berlin, die gewissermaßen eine Stadt für sich darstellt, sich nicht zufriedengeben. Es erwächst für die Statistik im Dienste der jüdischen Gemeinden eine Reihe von xAufgaben, die sie teils in Ergänzung der städtischen Statistik teils selbstständig zu erfüllen hat. Es ist nämlich, wie bereits oben erwähnt, für die jüdischen Großgemeinden — nur solche kommen hauptsächlich in Frage — von demselben Interesse wie für die Stadtgemeinde, eine möglichst detaillierte Gliederung ihrer Mitglieder nach ihren natürlichen und sozialen Eigenschaften zu besitzen. Es wird zwar bei der Bearbeitung der amtlichen Statistik nicht nur für die Gesamtbevölkerung sondern auch für die einzelnen Konfessionsgruppen bald die eine bald die andere Frage zum Gegenstand wissenschaftlicher Erörterung gemacht. So erfährt man beispielsweise in der einen Volkszählung genaueres über die Alterszusammensetzung der Juden, in einer anderen über die Familienstandsgliederung. Es fehlt aber einmal die Kontinuität der Beobachtung, d. h. wir müssen, so oft die amtliche Statistik es uns ermöglicht, darüber informiert sein, wie sich der Altersaufbau der jüdischen Bevölkerung entwickelt, ob die produktiven Altersklassen zunehmen oder ein Übermaß von jugendlichen oder alten Personen besteht. Dann aber vermissen wir eine erschöpfende Bearbeitung aller in Betracht kommenden statistisch erfaßbaren Verhältnisse, die von amtswegen infolge Arbeitsüberhäufung und zu großer Kosten nicht vorgenommen werden kann. Diese Bearbeitung würde der jüdischen Statistik zufallen. Sie müßte das Material, das in den Volkszählungen gesammelt ist, aber infolge Mangels an Bearbeitung brach daliegt, speziell für die Juden ausnutzen. Daß die Kenntnis der erwähnten Verhältnisse nicht nur thereotisch interessant, sondern auch praktisch bedeutungsvoll ist, wollen wir nur an einem Punkte beweisen. Es wird bei jeder Volkszählung die Frage nach der Gebürtigkeit in den Haushaltungslisten aufgenommen, aber nur selten erfolgt eine Bearbeitung in der Hinsicht, daß Konfession und Gebürtigkeit zum Gegenstande einer selbständigen Untersuchung gemacht wird, und doch ist gerade für die jüdische Gemeinde ein genauer Einblick in die Schichtung der jüdischen Masse nach der Gebürtigkeit außerordentlich wichtig. Die ganze „Ausländerfrage" bleibt eine dunkle und ungelöste Frage, weil die Gebürtigkeitsstatistik, die das Material zu ihrer Klärung enthält, nicht bearbeitet wird. Aus ihr erfährt man zuverlässig die Anzahl der Ausländer, ihre Gliederung nach dem Alter, ihre wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse. Man bekommt auf diese Weise einerseits Material gegen unberechtigte Angriffe, die von vielen Seiten gegen die Ausländer erhoben werden, anderseits ist man eher imstande, irgendwelche Maßnahmen sozialpolitischer Natur, die den Ausländern zugute kommen sollen, auf sicherer Grundlage zu treffen. Gegenwärtig gibt es nur eine jüdische Gemeinde in Deutschland, welche die physischen, sozialen und kulturellen Verhältnisse der Ausländer einigermaßen kennt,

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