Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-06-01 · Heft 6 (Juni 1910) · p. Seite 82

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 6 (Juni 1910)
Article
Die Statistik im Dienste der jüdischen Gemeinde
Date
1910-06-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2650397-3187678-3187685-3190747--2674-3190773
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 82 - 2. besondere Aufgaben der Statistik im Dienste der jüdischen Gemeinde. Jede Statistik, sowohl Kommunalwie staatliche Statistik verdankt ihren Ursprung der Verwaltung. Die Geschichte der Statistik ist lange Zeit hindurch aufs engste mit der Geschichte der Verwaltung verbunden. Hand in Hand mit der Ausbildung und weiteren Ausgestaltung der einzelnen Verwaltungszweige in Gemeinde und Staat geht die Entwicklung der Statistik. Sie ist also primär Verwaltungsstatistik. Die Statistik als Gesellschaftswissenschaft knüpft an an die Ergebnisse der Verwaltungsstatistik. Sie muß großenteils sich mit dem Material begnügen, das für Verwaltungszwecke hergestellt wird. Erst spät ist der Staat und die Stadt an die statistische Erfassung von Fragen herangetreten, deren Beantwortung in erster Linie von wissenschaftlichem Interesse ist und erst indirekt für die Zwecke der Verwaltung von Nutzen ist. Soviel steht jedoch fest: es gibt fast gar kein der statistischen Beleuchtung zugängliches Problem, dessen Erörterung nicht irgendwie, wenn auch nur mittelbar, praktischen Aufgaben dienen könnte. Daher ist die gründliche Bearbeitung von scheinbar rein theoretischen Fragen, wie z. B. des Altersaufbaus einer Bevölkerung oder der Zusammensetzung derselben nach dem Familienstand nur in den Augen des Laien von doktrinärer Bedeutung. Die Verwaltung hat aber wrohl erkannt, von welch hervorragendem Nutzen gerade die Bevölkerungsstatistik, welche am meisten Raum für streng wissenschaftliche Probleme bietet, für alle Verwaltungszweige ist und sie in höchstem Maße gefördert, sodaß man jetzt die Bevölkerungsstatistik den best ausgebildeten Teil der Gesamtstatistik nennen darf. Aus diesem Grunde werden wir auch in folgendemNachdruck darauf legen festzustellen, daß auch für eine jüdische Gemeinde als Grundlage für eine große Anzahl von Aufgaben, die in den einzelnen Verwaltungszweigen zu erfüllen sind, eine eingehende theoretische Behandlung der Bevölkerungsvorgänge unter den jüdischen Ortsangehörigen geradezu unentbehrlich ist. Die Finanzverwaltung, der wesentlichste Zweig der staatlichen sowohl wie der Stadtverwaltung, bildet den Ausgangspunkt für die Entwicklung der Statistik. Die Besteuerung nach Heimstätten und Köpfen setzte die Feststellung der Personenzahl, welche sich auf dem der Besteuerung unterworfenem Gebiete befand, voraus. Diese Feststellung erfolgte anfangs in längeren, später in kürzeren Zwischenräumen. Zu dieser Erfassung des Bestandes der Volkszahl kam als Ergänzung die Kenntnis der Bevölkerungsbewegung. Aus kirchlich religiösen Interessen registrierte man nämlich schon von den frühesten Zeiten an die Geburten, Sterbefälle und Eheschließungen. Der Geistliche eines jeden Religionsverbands hatte diese Funktion zu erfüllen. Man konnte daher, da anfänglich die Wanderungsverhältnisse unbedeutend waren, mit ziemlicher Genauigkeit die Menschenmasse in einem abgeschlossenem Territorium feststellen. Aus diesen Anfängen heraus hat sich das große Gebiet der Bevölkerungsstatistik entwickelt. Gegenwärtig sind an die Stelle von polizeilichen Conscriptionen zu Steuerzwecken die periodisch — nach Jahrfünften oder Jahrzehnten — stattfindenden Volkszählungen getreten, die ein reich gegliedertes Tabellenmaterial enthalten und über die wuchtigsten natürlichen und sozialen Unterschiede der in Betracht kommenden Menschenmasse Aufschluß geben. An die Stelle der pfarramtlichen Registrierung der Erscheinungen der Bevölkerungsbewegung und—Entfaltung ist seit 1876 die standesamtliche Beurkundung getreten. Wie nun für den Staat und die Stadt die genaue Kenntnis des Menschenmaterials sowohl nach der Zahl als auch nach der Zusammensetzung von größter Bedeutung ist, da ja eine Reihe von Steuern an die Personen anknüpft, da ferner auch in den meisten übrigen Verwaltungszweigen, z. B. Unterrichts-und Armenverwaltung die Bevölkerung den Gegenstand ihres Tätigkeitsbereichs bildet, so ist es auch für die jüdische Gemeinde außerordentlich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.