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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. Seite 67

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Article
Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in der Provinz Posen und das Ostmarkenproblem
Date
1910-05-01
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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— 67 — männliche Bevölkerung derselben lieber auf den Straßen Schacher treibt", entschieden ungerechtfertigt, was auch von Bergmann (a. a. 0. S. 292) betont. Allerdings kann man diese Bemerkung Lukaszewicz' bis zu einem gewissen Grad begreifen, wenn man bedenkt, daß die Juden in Südpreußen, wo sie 1797 nur den 18. Teil der Bevölkerung ausmachten, 11 — 12 000 Handelsleute wählten, wTährend unter dem gesamten Rest der übrigen Bevölkerung nur 17—18000 Handeltreibende zu finden wraren. Schon damals begannen darum auch die Bestrebungen der Behörden, die Juden durch Prämien oder ähnliche Mittel in größerer Zahl zum Betreiben anderer Berufe, insbesondere der Landwirtschaft zu bestimmen; waren doch seit dem Jahre 1619, da der Posener Magistrat in einer Adresse an König Sigismund III. dieselben Klagen geführt hatte, daß den „Handelsleuten und Handwerkern Schwierig- und Hindernisse durch die Konkurrenz der Juden erwüchsen", die Verhältnisse keineswegs besser geworden. Das änderte sich auch für die Zukunft nicht. Man braucht nur, wie dies von Bergmann getan hat, einander gegenüber zu stellen, wieviel Juden in der Provinz Posen und im Westen, in Städten und auf dem Lande wohnten, um sofort eine Reihe von greifbaren Mißständen zu erfassen. Wurden doch Juden gezählt im Jahre 1S61; aufd.Lande In d, Städten Im Reg.-Bezirk Posen 2236 47713 (!) Bromberg 2298 21925 (!) Trier 4320 1234 Aachen 2085 1056 I Coblenz 5685 3024 I Düsseldorf 3267 6393! Köln 3650 3633 I Zum Vergleich sind den Zahlen der östlichen j Regierungsbezirke die Zahlen derEheinprovinz j gegenübergestellt. Die Unterschiede sind so! kraß und in die Äugen fallend, daß sie keines j Kommentars bedürfen. Die Juden machen! denn auch in einer Reihe von Städten der! Provinz Posen 1840, wie auch aus einer späteren j Tabelle (VI) ersichtlich ist, mehr als 50 % der j Bevölkerung aus I in Fordon 70%, „ Kempen 57—58 %, „ Schwerrenz 55—56%, „ Wittkowo 55—56%, und außerdem gab es nach einer nach den Akten des Kgl. preuß. stat. Bureaus durchgeführten Berechnung von Prof. Neu mann (von Bergmann, a. a. O. S. 310) 25 Städte mit einer Bevölkerung, die zu 30—50 % aus Juden bestand. Da ein großer Bruchteil der Juden sich nur von Handel und Verkehr ernährte — 1861 gaben von 20360 männlichen Juden der Provinz Posen 9850 (= 43,96 %) an? daß sie im Handel und Verkehr tätig seien — *) so mußte hieraus „im allgemeinen eine bedenkliche Einengung des Nahrungsspielraums für die jüdische Bevölkerung hervorgehen.u (von Bergmann, a. a. O. S. 41). Diese Zustände spiegeln sich denn auch deutlich in den Berichten wieder, die uns aus damaliger Zeit vorliegen. „In noch traurigerer Lage als viele der kleinen Handwerkeru — so führt z. B. der Landrat Willamowitz von Möllendorf in seiner Kreis Statistik des Kreises Inowrazlav von 1870 aus — „befindet sich eine für die kleineren Städte der Provinz Posen charakteristische Bevölkerungsklasse, nämlich die der kleineren jüdischenHandelsleute, die mehr und mehr verarmen, je weniger ihr Geschäft, der Hausierhandel, blüht, die sich aber nicht zu einem anderen Lebensberuf entschiiessen können. Zumal wenn noch Krankheit zu dem Mangel und dem Elend in den überfüllten Seitengassen hinzutritt, wo oft mehrere Familien ein kleines Zimmerchen bewohnen, bieten sich Bilder der höchsten menschlichen Verkommenheit, gegen die es kein Mittel zu geben scheint, als die zwingende Macht der Not selbst, weil nur diese endlich bewirken *) Die Berufsverteilung des Restes der jüdischen Bevölkerung war die folgende ohne Berufsausüb. 2190—10,76 % Industrie 6444—31,65 % Persönl. Dienste 1798— 8,33 % Höh. Dienste 598— 2,59 % Landwirtschaft 450— 2,21 % 11510=55,54 %

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