Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in der Provinz Posen und das Ostmarkenproblem
- Date
- 1910-05-01
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
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— 66 — dem der Söhne Esaus; denn hier zu Lande äußert sich der Judenhaß nicht so rücksichtslos wie in Deutschland. Wollte Gott, daß es immer so bliebe/'' Allerdings bemerkt Josef Pesles, der feinsinnige Historiograph der Juden in Posen, hierzu, daß dieser und ähnliche Aussprüche nur eine relative Wahrheit in sich trügen und eine bedeutende Einschränkung erlitten, wenn man auf die polnische Städtegeschichte näher einginge. Das ist ganz gewiß richtig. Aber es genügte eben schon dieser relativ günstige Zustand, um die deutschen Juden zur Auswanderung zu verlocken, und so treffen wir denn im ausgehenden 18. Jahrhundert, aus welcher Zeit uns die ersten Zahlenangaben vorliegen, eine außerordentlich zahlreiche jüdische Bevölkerung an, die sich, da den Juden verboten war, auf dem platten Lande zu wohnen, vorzugsweise in den Städten aufhielt. Aus letzterem Umstände erklärt sich, daß, wie von Bergmann berichtet (a. a. 0. S. 26), im Durchschnitt der gesamten städtischen Bevölkerung Südpreußens im Jahre 1797 der fünfte bis sechste Einwohner ein Jude war und in der Stadt Posen sogar der dritte bis vierte. Denn neben 7347 Katholiken und 1918 Lutheranern wurden dort 3021 Juden damals gezählt. In Stadt und Land zusammen aber war im Posener Kammerbezirk der 20., im Bromberger der 17. und im Warschauer sogar der 13. gezählte Bewohner ein Jude. Man zählte im Jahre 1797 resp. 1804 Juden: Im Bezirk Posen 29782 Im Bezirk Kaiisch 16469 Im Bezirk Warschau 24264 Also in Südpreußen 70515 Im Bezirk Bromberg 13533 Im Bezirk Marienwerder 4355 Also in Westpreußen 178S8 Und tatsächlich war die Zahl der Juden noch größer als die Zählung ergab; denn abgesehen davon, daß viele Juden sicherlich schon um einer lästigen Kopfsteuer willen der Behörde ihre Anwesenheit verheimlichten, gab es eine große Anzahl von „unvergeleiteten" Juden, die ein ganz besonderes Interesse daran hatten, sich jeder Berührung mit einer Behörde zu entziehen. War ihnen ja doch der Aufenthalt verboten und hatte ja doch Friedrich der Große allein im Netzedistrikt 4000 derselben festnehmeu und zwangsweise nach Polen transportieren lassen. Eine so große jüdische Bevölkerung konnte natürlich nicht allein vom Handel leben, und so sehen wir denn die Juden in jenen Gebieten in nicht unerheblichem Umfange mit Gewerben beschäftigt;, in einer Keihe von Gewerben sogar stärker als die Christen. In den Städten der Posener Kammer zählte man Gewerbetreibende; 1797 jüdische christliche Goldschmiede 99 19 Buchbinder 31 20 Posamentiere 50 22 Mützenmacher 51 24 Knopfmacher 52 6 Schneider 923 676 Schlosser 238 638 Bäcker 51 607 Branntweinbrenner u, Schankwirte 81 1048 Musikanten 26 126 Bader und Barbiere 47 163 So konnte es kommen, daß in den Städten der Posener Kammer damals etwa der neunte, in den Städten Südpreußens sogar schon etwa der siebente Gewerbetreibende ein Jude war. Es gab im Jahre 1797: Handwerker jüdische überhaupt Handwerker In den Städten des Posener Kammerbezirkes 17573 1930 In d. Städten von Südpreußen 29118 4164 So erscheint das Urteil, das Joseph Lukaszewricz in seinem aus archivarischen Studien hervorgegangenen, vortrefflichen Werke „historisch-statistisches Bild der Stadt Posen in früheren Jahrhunderten" (Posen 1838 in polnischer Sprache) über die Juden der damaligen Zeit fällt: „Faulheit war unter den Posener Juden seit Alters allgemein. Anstrengende und Ausdauer erfordernde Gewerbe . . . erfüllen die Juden mit Abscheu und hielten sich dieselben lieber an die leichteren mehr Vorteil bringenden..... Allein auch diesen widmeten sich die Juden nur in sehr geringer Zahl, da fast die ganze