Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in der Provinz Posen und das Ostmarkenproblem
- Date
- 1910-05-01
- Page
- 65 (sequence 1)
- Language
- German
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irahiid Erscheint monatlich. —Abonnementspreis — für das ganze Jahr 6,—M. für das halbe Jahr 3,50 M. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden Berlin C. 2, An der Spandauerbrücke 15. Zu beziehen durch das Bureau für Statistik der Juden, Berlin C. 2, An der Spandauerbrücke 15, Begründet von Dr. Arthur Ruppin. — Redigiert von Dr. Bruno Blau. 6. Jahrgang. Mai 1910. Heft No. 5. INHALT: (Die nicht von den Verfassern gezeichneten Artikel sind Arbeiten des Bureaus für Statistik der Juden.) I. Abhandlungen. Dr. Rudolf Wassermann, München: Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung der Provinz Posen und das Ostmarkenproblem. — Dr. oec. publ. Jacob Segall, Berlin: Die Vitalität der jüdischen Geborenen. II. Statistisches Archiv. Etat der Berliner judischen Gemeinde. — Zur jüdischen Einwanderung nach Palästina. III. Literatur. Ehrlich, Die Aufgaben der Sozialpolitik im österr. Osten, insbesondere in der Bukowina mit besonderer Beleuchtung der juden- und Bauernfrage. — funk, Die Entstehung des Talmuds. — Guggenheim, Die Entwicklung des KranKenkassenwesens in der israelitischen Gemeinde zu Offenbach a. M. — Adler, Von Ghetto zu Ghetto. — Trietsch, Palästina-riandbuch 1910. Nachdruck der Abhandlungen ist nur mit besonderer üenehmigung, des übrigen Inhalts nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet. Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in 1 Von Dr. Rudolf Was Die Geschichte der Juden in der Provinz j Posen beginnt im Jahre 1085. In diesem Jahre werden sie zum ersten Male urkundlich erwähnt. Viel früher mögen sie überhaupt nicht ins Land gekommen sein. Etwa gleichzeitig mit den Deutschen wanderten sie vielmehr im 10. und 11. Jahrhundert ein, als Polen mit dem Abendland den Verkehr eröffnete und sich in diesem Lande ihnen, wie von Bergmann in seiner Schrift „zur Entwicklung deutscher, polnischer und jüdischer Bevölkerung in der Provinz Posen" ausführt, bei dem vollkommenen Mangel eines gewerblichen und kaufmännischen Mittelstandes „für ihren Unternehmungsgeist ein reiches Feld der Tätigkeit bot." Allein die Einwanderung der Juden im 11. Jahrhundert ist eine mehr vorübergehende Erscheinung. Eine eigentliche Immigration vollzieht sich erst der Provinz Posen mi dos OstmarKenpronlem. isermann, München. | seit dem 13. Jahrhundert, als Deutschland der Schauplatz der Judenverfolgungen war, während sich die Juden Polens mancher Vorrechte und Privilegien zu erfreuen hatten. „Polen ist der Himmel der Edelleute, das Fegefeuer der Bürger, die Hölle der Bauern und das Paradies der Juden" lautet ein alter lateinischer Spruch. Daß in dieser Sentenz trotz ihrer offensichtlichen Übertreibung ein wahrer Kern steckt, beweist ein uns erhaltener Brief aus dem 16. Jahrhundert, den Moses Isserless an einen Freund richtet, der in Deutschland eine Babbinerstelle angenommen hatte. Darin heißt es u. A.; „Es wäre wohl besser für dich gewesen, bei uns in Polen, wenn auch nur bei trockenem Brote aber unge ängstigt zu leben. Auf Polen dürfte der alte Satz zu beziehen sein: Entweder unter dem Schutze Gottes oder unter