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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-04-01 · Heft 4 (April 1910) · p. Seite 53

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 4 (April 1910)
Article
Zur Mortalitätsstatistik der Wiener Ghettobewohner 1648 - 1669
Date
1910-04-01
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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_ c;q _ - uO - Von den 883 im besprochenen Zeiträume Yer- | stoi"benen waren 145 Spitalspflegiinge.! Das häufige Auftreten der Pest in achte ' jedoch auch die Errichtung von Räumlichkeiten zur Isolierung von Pestverdächtigen; und Injizierten notwendig. Während man; diese früher im ..gespürten Gmain Hau s" und im „gespörten Lazaieth \ H e u s s 1" unterbrachte, wurde 1655 vom! Stifte Klosterneuburg Grund und Boden zur j Errichtung eines eigenen Pestlazareths mit | einemsogenanntenKontumazgarten erworben.1) \ Auch die sonstigen sanitären Vorkehrungen \ standen im Ghetto auf zeitgemäßer Höhe. \ Den Wasserbedarf deckten die fast in jedem; Hause befindlich gewesenen Brunnen,2) Bade-; gelegenheiü boten die rituellen Badeanstalten3) j und die nahe gelegene Donau, für die Kranken sorgten tüchtige, zumeist in Italien geschulte Ärzte.4) Trotz der xelativen Enge der von Mauein umgebenen Judenstadt und trotz der Schwierigkeit der Lebensverhältnisse, die die meisten der Ghettobewohner auf die Beschäftigung j außerhalb ihres Wohnortes gewiesen haben, dürfte der Gesundheitszustand kein besonders ungünstiger gewesen sein. Grassierte in der Bürgerstadt eine Epidemie, so machte sie — bei der leichten Möglichkeit einer Einschleppung — natürlich auch vor den Mauern Kaufmann a. a. 0. S. 60. Die ers'e Pestkranke j (eine 23jährige Frau) wurde am 1-i. Juni in das neue | Kontumaz haus eingebracht. S. mein Buch S 281. j 2) Von dem Brunnen im Hause des Zacharias Mayr j (Nr. 30) heißt es: „den Prunen khan man mit ' Pampen biss undern Tach schöpften in j p I e y e n R ö h r e n.u j 3J „Duckh und Baadf befanden sich nach dem; Index zum Gewerhuch (um 1660) im Hofe der Synagoge. 4) Als Ärzte aus der Ghettozeit kennen wir (Moses) Juda Lob Maor Katon (Lucerna), der als Arzt ur,d Rabbiner tätig war (gestorben 26. April 1635, sein Epitaph bei Wachstein Wiener hebr. Epitaphien S. 16), ferner Aron Maor Katon (Lucerna), gestorben 1. jSnner 1643, früher (1519) in Prag tätig, endlich Leo Winkl er, der 1629 an der Universität Padua den Doktortitel zweier Fakultäten, der Philosophie und der Medizin erlangte. Ein Attest eines Sohnes des Letzteren, „Elias, Sohn d es Arztes J ehu da" aus dem Jahre 1676 über die frühere Behandlung eines Patienten In Wien, ist, wie mir fierr Dr. Wachstein freundlich mitteilt in den Rechtsgutachten Schaar Efraim Nr. 112 enthalten. des Ghettos nicht Halt. Doch sind auch Fälle bekannt, wo außerhalb des Ghettos heftig grassierende Seuchen im Ghetto selbst viel milder verliefen und nur wenige Opfer holten l) Die im Nachfolgenden mitgeteilte aligege meine und detaillierte Übersicht der Mortalitätsstatistik der Wien er Ghettobe wohner ist mit Rücksicht auf die Unzulänglichkeit und die Unvollständigkeit des überlieferten Materials weit entfernt davon. Ziffern von absolutem Werte zu bieten.2) Man wird jedoch an den bemerkenswerten Erscheinungen einzelner Rubriken (wie z. B. der Säuglings- und Kindersterblichkeit, das Prävalieren einzelner Krankheitsforinen etc.) nicht achtlos vorüber gehen dürfen und die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung auch in dieser nicht abgeschlossenen Form als ergänzenden Beitrag zur Geschiente der GesundheitsVerhältnisse der Juden gelten lassen. Spezielle Übersicht der Todes= Ursachen, (Für die ältere Terminologie ist zu vergleichen Höfler Deutsches Krankheitsnamen- Buch", München 1899). Abkürzungen: J. Jahr. W. — Wochen, m. männlich, w. — weiblich. 1) So im jähre 1625. wo W-en von einer schweren Pestepldemie heimgesucht wurde D<e Seucne die im Ghetto Ende Oktober auftrat, war am 22 Movember schon erloschen. An diesem Tage (Samstag) hält Liepmann Keller, der Rabbiner der Gemeinde seine berühmte, noch in demselben Jahre in Prag im Druck erschienene Dankpredigt (Zunz, Zur Gesch. d. synagogaien Poesie S. 296). Kaufmann a. a. 0., S 16 giebt irrtümlich 1626 als das in Rede stehende Pestjahr an; dagegen spricht jedoch das von ihm angegebene Datum der Predigt vom ,,22. November am ersten Sabbat nach der Rettung"; nun fiel der 22. November im Jahre 1626 auf einen Sonntag, 1625 hingegen auf einen Samstag Das Auf' treten der Pest im )ahre 1625 wird übrigens auch von anderen Quellen bestätigt. 2) Die auf die Juden bezügliche Abteilung des Totenprotokoils weist fo'gende auffallendere Lucken auf: 1659, 12. März bis 19. Oktober; Dezember 1682; 1663 bis 31. Dezember 1666. Außerdem fehlt der die Eintragungen vom 25. Oktober 1656 bis 1. Januar 1659 enthaltende Band des städtischen Totenprotokoils überhaupt. Die Judeneintragungen des letzten Bandes schließen mit dem 21. März 1669.

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