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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-04-01 · Heft 4 (April 1910) · p. Seite 51

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 4 (April 1910)
Article
Zur Mortalitätsstatistik der Wiener Ghettobewohner 1648 - 1669
Date
1910-04-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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— 51 - Kenntnis einer Reihe von Faktoren wichtig, bezüglich deren uns aber leider die direkten Quellen vollständig im Stiche lassen.1) So fehlen z.B., wenn man die Frage der Wohnungshygiene berücksichtigt, genaue Daten über die Bevölkerungszahl und ihr Verhältnis zu den faktisch vorhandenen Wohnungen, wenn wir auch andererseits über den Umfang des Ghettos, d. h. die Maß Verhältnisse seiner Ringmauer orientiert sind.2) Aus der ursprünglichen Anlage der im Jahre 1625 übernommenen 14 Fischerhäusehen im unteren Werd (der jetzig-en Leopoldstadt) entwickelte sich durch weiteren Ankauf von Häusern und durch Neubauten das Häuserkontingent des Ghettos, das 1632, also sieben Jahre nach der Begründung* der neuen Ansiedelung schon 104, im Jahre 1660 111 und im letzten Jahre seines Bestandes (1670) 132 Häuser zählt. Großen Schwierigkeiten begegnet die Feststellung der Wohnungsdichtigkeit innerhalb der einzelnen Häuser. Nimmt man an, daß zu jeder Wohnung eine Küche gehört hat,3) so ließe sich aus der „Beschreibung und Schätzung d er Judenstadt vom Jahrje 16 6 0U (S. 227 u. ff. meines Buches) annäherungsweise die Anzahl der Wohnungen herausrechnen. Danach würde die Zahl der in den 111 Häusern etwa vorhanden gewesenen Wohnungen 215 betragen. Noch schwieriger als die Frage der Wohnungsdichtigkeit ist die Konstatierung der Bevölkerungszahl des Ghettos. Es ist wohl anzunehmen, daß sogenannte „Beschreibungen" der Juden schon wegen der Steuerveranschlagung öfters angeordnet und auch durchgeführt wurden, doch dürften alle diese Aufzeichnungen, die für die Behörden nur von ephemerer Bedeutung waren, anläßlich der Vertreibung* der Juden vernichtet worden 1) Offizielle Plünderungen des Wiener Ghettos haben mit dem vorhanden gewesenen Aufzeichnungen gründlich aufgeräumt. So wurden z. B. 1652 die saisierten Gerneindebucher und Schriften öffentlich verbrannt. 2) S. die in meinem Buche S. 226 mitgeteilte Grenzbeschreibung der Judenstadt aus dem Jahre 1656. 3) Ganz einwandfrei ist allerdings diese Annahme nicht, denn es wird wohl auch vorgekommen sein, daß zwei benachbarte Parteien eine gemeinsame Küche benützthaben. sein. Yvas sich an einschlägigen Daten aus früherer Zeit erhalten hat, gibt uns teils über die Anzahl der ansässigen Familien, teils über die Gesamtzahl der Personen ein nur annäherndes Bild. So zählt die Wiener Judenschaft — in der Zeit vor der Ansiedelung im Ghetto — im Jahre 1599 31 Familien, um 1610 mindestens 79l) Personen und 1619 42 Familien. Während uns die Aufzeichnungen aus den Jahren 1599 und 1619 nicht über den wirklichen Stand der Bevölkerungszahl orientieren, gibt uns die Beschreibung aus der Zeit um 1610 ein genaues Verzeichnis der Mitglieder und des Dienstpersonais der einzelnen Familien.2) 1) Nicht 71, wie es bei Wolf Die Juden in der Leopoldstadt S. 3 heißt. 2) Ich lasse hier das interessante, bisher unver* öffentlichie Verzeichnis (aus dem Arch;v des K. u. K. Reichsfinanzministeriums [Hofkammerarchiv]) in extenso folgen: Verzaiohnuss der Judn im Stubm Viertl. wie vill inn der Statt wohnen. Stuben Viertl. inn des Emmerich fockhen Hauss am Khienmarckht, won*h Dauidt Lazarus judt, sein Weib. Muetier, 3 Khinder und 3 Diennstpotten. 9 Personen. Inn des Steffan Dändtfer Hauss auch am Knien* markht ist innen Maria Abrahambin Wittib, 2 Khinder, zwen Diennstpotten. Mehr isac Syrnan unnd sein Weib. 7 Personen. Dessglekhen inns Phillip Personn Hauss Bennedict judt, sein Weib, 4 Khinder, 2 Diennstpotten. 8 Personen. Sowoli inn des Leopolt Sunderspiess Hauss am Khienmarckht Valckh Saliamon, sein Weib, a?n Khindt, 3 Dienstpotten. 6 Personen. Inn des Ambrosij Jann Hauss wonth Michael SchJessing Judt, sein Weib, am Khindt, 3 Diennstleith. 6 Personen. Mehr in dem Dempünger Hoff Sigmund- Falckh, sein Weib, 4 Khinder und ain Diennstpotten. 7 Personen. Dessgielchen Jacob Wennitz. sein We;b, 2 Khinder uund zwen Diennstpotten. 6 Personen. Mehr Dauidt Pollachh, sein Weib unnd zwen Diennstpotten. 4 Personen. Inns Eittel Frei Hauss wonth Saliamon Vaickh, se>n Weib, 2 Khinder, 2 Dienstpotten. 6 Personen. Mehr Saliaman Lämbiein, sein Weib unnd 5 Khinder. 7 Personen Inn des Lamprecht Fasching" Haus beim gülden Creuz Jacob Judt, sein Weib, Schwige:'. ein Khindt unnd 1 Dienstpotten. 5 Personen. Inns Steffan Dändtler Hauss v/onth Lioerman Judt, will nit. anzaigen, wievil er in sein Brcdt hat, den er hab atn Bevelch von Jr. Fürsti. Dur:hl. Suma Manss, Weibspersonen unnd Khinder 7.1. Im Wibmer Viertl hat es sunst Rheins j:den. als bei Hannsen Mader, Burger im SchUtergassI ainen Juden, Elias AI uanus genant, der Ertzney Doctor, so ein Wer:b ujind fünf Khinder unnd sonsten khainen D':ensibctten hat.

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