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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-03-01 · Heft 3 (März 1910) · p. Seite 38

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 3 (März 1910)
Article
Das Städtchen Krasnopolje
Date
1910-03-01
Page
Seite 38 (sequence 6)
Language
German
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— 38 — sehr wenig einbringt. Der Lumpensammler bereist gewöhnlich mit eigenem Gespann die umliegenden Dörfer, wo er gegen Kurzwaren Lumpen eintauscht. Zu Hause muß die einheimste Ware, die ihn mit allen ansteckenden Krankheiten beschenkt, sortiert und gereinigt werden, wobei die Familie mithilft, um dann an den Engroshändler oder direkt an die Fabrik abgeliefert zu werden. Die gesamte Mühe wird mit 150 Kübel jährlich abgegolten. Trotz dieser schlechten Erwerbsbedingungen steigert sich die Zahl der Lumpensammler immer mehr, was für noch schlechtere Lebensbedingungen vieler Städtchenbewohner spricht. Bedeutend besser stellt sich die zweitgrößte Gruppe der Eßwarenhändler, die ein mittleres Einkommen von 400 Eubel haben. Das mittlere Einkommen der Handeltreibenden beträgt nur 310 Rubel, das höchste haben die Holz- und die Viehhändler, das niedrigste neben den Lumpensammlern die Hausierer und die Vermittler. Tabelle IX. Einträglichheit der verschiedenen Industrieuntersuchungen. Art Zahl der Ge* schäftstreibend. Ltleres j eseinkJ Jahre seinkommen M. fr. Zus. i| Max. Min. Wein für Passah . . Ziegelei...... Fensterkitt ..... Wachsfabrik .... Seherswasserfabrik . . Gerberei..... Graupenmühle . . . Oelfabnk..... Seifenfabrik .... Knochenb: ennerei . . 1! o! 9 i i 1 9 i 2! 3! 1 \ i 1 3! 3 1 2 2 2 1 2 2 3 5 8 1 3 3 75 100 100 150 300 100 900 400 200 200 150 75 1200 600 400 400 200 100 Insgesamt..... i u! 1 34 250 1200 100 Während die Frauen an den verschiedenen Handelsunternehmungen stark beteiligt sind, fehlen sie ganz unter den Industriellen. Es handelt sich ja meist nur um Hausindustrie, wo oft die ganze Familie mithilft. Die Knochenbrennereien sind am wenigsten, die Gerbereien am meisten einträglich. Im Allgemeinen bringt die Industrie weniger ein als der Handel, nämlich 250 gegen 310 Eubel. Ackerbau im eigentlichen Sinne des Wortes treiben die Juden nicht. Einige von ihnen, 28 Männer und 6 Frauen, erscheinen aber als Guts-, Gemüse- und Obstgartenpächter, sowie auch als solche der verschiedensten Nebenzweige der landwirtschaftlichen Produktion. Ihr Einkommen entspricht dem üblichen und ist aus folgender Tabelle zu ersehen. Tabelle X. Einträglichkeit der verschiedenen landwirtschaftlichen Unternehmungen Zahl der Getn X. o c Jahres* Art schäftstreibend. o U Einkomm. N. Fr. Zus. 11 Max.l Min. I Gutspächter .... 7 — 7 800 2000: 450 Obstgartenpächter . . 9 1 10 100 200; 50 Gemüsegartenpächter . 8 4 12 200 400|150 Sonstige Pächter. . . 5 1 5 350 800; 150 28! 6 34 300 2000 50 Unter den Handwerkern ist das Schusterfach am stärksten besetzt. Bei Berücksichtigung beider Geschlechter kommen die Schneider eben so oft vor. Diese beiden Gruppen machen zwei Fünftel der Gesamtzahl der Handwerker aus. Trotzdem ist Krasnopolje wegen der geringen Einkünfte seiner Einwohner wahrscheinlich nichts weniger als elegant gekleidet. Verhältnismäßig stark vertreten sind die Bäcker und die Hufschmiede. Beide Kategorien produzieren aber hauptsächlich für die Bauern, die die wöchentlichen Märkte besuchen Ein Drittel der Handwerktreibenden gehört dem weiblichen Geschlecht an. Das mittlere Jahreseinkommen der Handwerker beträgt nur 165 Rubel. Am besten stellen sich mit einem Jahreseinkommen von 300 Rubel die Kupferschmiede, am schlechtesten mit einem Einkommen von nur 30 Rubel die Glaser. Charakteristisch für das jüdische Handwerk ist die große Zahl der selbständigen Meister, die mehr als die Hälfte, während die Gehilfen nur ein Viertel der Gesamtzahl ausmachen. Der unglückselige Drang nach Selbständigkeit, der die jüdischenMassen beherrscht, läßt bei Abwesenheit behördlicher Be~

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