Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 3 (März 1910)
- Article
- Das Städtchen Krasnopolje
- Date
- 1910-03-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
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— 36 — aber einen kümmerlichen Privatunterricht zu Hause, und zwar gruppenweise oder einzeln von den sogenannten „Schreibern", deren Mühe mit nur etwa 30 Kopeken monatlich belohnt wird. Außerdem werden noch die Kinder der reichsten Leute von speziell engagierten Privatlehrern unterrichtet. Im ganzen trägt das Städtchen etwa folgende Ausgaben für den Kinderunterricht: Der Unterricht der Knaben...... 6000 Rubel der Mädchen..... 1000 „ „ „ in der russischen Sprache 3000 „ Zuschüsse verschiedener Gesellschaften . 1000 Summa 11000 Z~ Bei Berücksichtigung der ökonomischen Lage des Städtchens, die das Gegenteil von gut ist, lassen sich die Gesamtausgaben für die Schulbedürfnisse, die etwa 20 Rubel pro Familie ausmachen, als eine schwere Last bezeichnen, die aber willig getragen wird. Gehen w7ir zu den Resultaten dieser nicht unerheblichen privaten Anstrengung, die jüdische Bevölkerung auf einem gewissen Bildungsniveau zu erhalten, über, so müssen wir mit Genugtuung feststellen, daß trotz der schlechten Schulen, Lehrer und Lehrmethoden die Resultate im Allgemeinen doch gut genannt werden müssen. Was die Bildungsrichtung anbelangt, so ist sie die tradionell-jüdische mit Bevorzugung des nationalen Elementes geblieben. So konnten von den über 5 Jahre alten Personen beiderlei Geschlechts 69,3%, von den Männern 93,4 und von den Frauen 45,4 hebräisch lesen. Wird Lesen und Schreiben berücksichtigt, so waren Promille der Bevölkerung im Alter über 5 Jahre: Manner Frauen Zusam. 703 413 564 393 240 316 333 176 254 9 _3 7 des Hebr. und Russ. kundig 324 1/3 247 Auffallend ist die verschwindend kleine Zahl der Personen, die nur russischen Unterricht genießen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung versteht hebräisch zu lesen und zu schreiben und nur ein Viertel russisch. Auf die Gesamtbevölkerung übertragen, und nur das Lesens vermögen berücksichtigend, sind 55,6 des Hebräischen kundig nur „ „ des Russischen „ nur _ „ Prozent der Juden des Hebräischen und nur 30.1 des Russischen kundig. Die Frauen stehen den Männern im Allgemeinen bedeutend nach, jedoch ist auch unter ihnen die Kenntnis des Hebräischen mehr verbreitet als des Russischen. Zur Charakteristik der Verhältnisse ist es erwähnenswert, daß die Juden in die Volks¬ und Kirchenschule des Städtchens nicht aufgenommen werden. III. Haus - und Viehbestand. In ganz Krasnopolje wrerden 491 Häuser gezählt, von denen 401, also 82 Prozent den Juden gehören, was um 5 Prozent weniger als ihr Anteil (87 Prozent) an der Gesamtbevölkerung ausmacht. Von der Gesamtzahl der 524 jüdischen Familien besitzen 179 also 34,3 Prozent kein eigenes Haus, welcher Zustand in einer Waldgegend, wo Baumaterial billig ist, sehr bemerkenswert ist. Der Mietzins beträgt im Mittel 32 Rubel pro Jahr. Etwa 75 Prozent sämtlicher Häuser nehmen eine 150 Quadratarschin große Bodenfläche ein, bestehen aus 4 Zimmern und beherbergen 4—9 Einwohner. Der mittlere Kubikinhalt beträgt 20,5 cbm. pro Mann. Es sind also Verhältnisse, die den Forderungen der Hygiene im Allgemeinen entsprechen. — Was den Viehstand anbelangt, so werden bei den Juden angetroffen 70 Pferde, 256 Kühe und 29 Ziegen. Jede zweite Familie hatte also eine Kuh. IV. Beschäftigung und Einkommen. Bei 466 Familien von im Ganzen 524 war es Rochlin möglich, nicht nur über die Beschäftigung, sondern auch über das Einkommen genauere Angaben zu erlangen. Was in Tab. VI zuerst auffällt, ist das bedeutende Prävalieren der Zahl der Handwerker über der der Händler. Während die ersteren 39 Prozent betragen, machen die letzteren nur 28 Prozent aus. Sehr groß ist die Zahl der Lehrer, aber nur etwa die Hälfte von ihnen findet Beschäftigung im Städtchen selbst, während die andere Hälfte bei den Juden der