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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. Seite 22

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Article
Zur Vorgeschichte der Juden in Ost- und Westpreussen
Date
1910-02-01
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
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— 22 — euer Brüder, welche gar den gesegneten Kelch Keleb, das ist eanem, einen Hund, zu nennen pflegen, hiermit auf das deutsche Wörtlein zielend. Insonderheit habt ihr auch wohl durch die allerschändlichste Gotteslästerung euch an Christo versündiget, da ihr denselben nach Gewohnheit eurer Brüder!vor Tholai, das ist vor einen am Galgen Aufgehängten geschimpfet; ihr habet ja auch mit vollem Halse, wenn ihr etwa den teuersten Jesus- Namen nennen gehöret, ausgerufen: jimmach scheman, das ist deleatur noman ejus, sein Name werde vertilget. Und wenn ihr auch dieses alles nicht getan hättet, da ihr es doch laut eurem eigenen Bekenntnis wirklich ins Werk gerichtet, so wäret ihr doch der allergrößten Sünder einer eures jüdischen Unglaubens wegen, in welchem ihr bisher so tief gestecket . . Ferner an einer andern Stelle: „Was für ein Kleid habt ihr doch bishero in dem finstern Judentum getragen? Ach, ein schwarzes, eure Seele ganz verfinsterndes Kleid des schändlichen Unglaubens. Ihr seyd in diesem Stück denen blinden Heyden gleich gewesen, als welcher Verstand verfinstert ist, und sind entfremdet von dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, so in ihnen ist, durch die Blindheit ihres Herzens. Eph. 4. Wann bey euch j Juden vorzeiten ein Priester mit einigen j Sünden sich beflecket, und zum heiligen Amt j untüchtig gemacht hatte, so erkannte der j große Rat in Jerusalem, daß selbiger sich j schwarz bekleiden und betrübt davon gehen mußte. Haben die sündigen Priester ein leiblicher Weise schwarzes Kleid anziehen müßen, so sind alle Juden geistlicher Weise schwarz an ihrer Seelen ihres Unglaubens wegen; in derer Anzahl habt auch ihr euch befunden . . . Denen Jüden ist der Geiz und Betrügerei insgemein angeboren, wie sie denn auch gar oft nur um des schändlichsten Gewamstes willen zum christlichen Glauben treten. Ein solcher müßt ihr nicht seyn, insonderheit bey dieser Gelegenheit, da euch eure wertesten, teils hochvornehme Tauf zeugen j einige Gaben anstatt eines Pathenpfennigs i bringen werden. Es mögen dieselben auch reichlich oder sparsam opfern, so müßt ihr alles mit Dank annehmen und damit von Herzen zufrieden seyn ... Es haben wohl fürwahr die getauften Juden in der Tat selbst zum öftern bewiesen, daß sie nur äußerlich Christen, innerlich aber und im Herzen rechte Jüden gewesenc; u. s. w., u. s. w. Gewidmet ist die gedruckte Tauf rede einer Beihe der höchststehendsten Personen Ostpreußens, deren Namen zum Teil noch heut vorkommen. Die Taufe muß ein gewisses Aufsehen gemacht haben; denn Georg Christoph Pisanski hält die Tatsache für wichtig genug, sie in seinen 1748 verfaßten „Collectanum zu einer Beschreibung der Stadt Johannisburg" zu erwähnen.1) Was das Verhältnis von Christen und Juden zu einander anlangt, so wertete man letztere, so weit es sich um ihre alttestamentlichen Vorfahren handelte, sehr hoch. Zeugnis hierfür legen die zu einem großen Teil biblischen Stoffen entlehnten Schulkomödien ab. Ich verweise zu diesem Zweck auf das von mir und Tronin au verfaßte Werk: Geschichte des Schulwesens der KönigL Haupt- und Residenzstadt Königsberg i. Pr., Kapitel II: Schulleben und Schuleinrichtungen im 16. und 17. Jahrhundert. Mit weniger günstigen Augen aber betrachtete man wohl die zeitgenössischen Juden. Es hat den Anschein, als ob in Königsberg im 18. Jahrhundert wenigstens innerhalb gewisser Grenzen sich antisemitische Regungen bemerkbar gemacht haben. Den Beweis hierfür glaube ich auch hierzu in einem uns überkommenen feierlichen Schulaktus zu erblicken. Man schrieb das Jahr 1755 und aller Enden regte man sich in Königsberg, um das Fest des 500jährigen Stadtjubiläums würdig und angemessen zu begehen, so auch die Domschule [das heutige Kneiphöfische Stadt-Gymnasium], für die der dritte Tag der Jubelfeier, der 3. Mai, festgesetzt war. In x) Vgl. Mitteilungen der literarischen Gesellschaft Masovia, VIII, S. 88 und 103. Die Taufrede selber befindet sich auf der Königsberger Königl. Bibliothek.

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