Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1910)
- Article
- Zur Vorgeschichte der Juden in Ost- und Westpreussen
- Date
- 1910-02-01
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
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— 21 — einige Daten und Bilder aus den nachfolgenden Jahrhunderten herausgreifen. Das Jahr 1658 ist ein denkwürdiges Jahr; denn von jetzt ab ist den Juden das Recht der Promotion bei der medizinischen Fakultät der Albertus-Universität gestattet. Den Reigen eröffnet Aaron Alexander Dlizar aus Rußland.1) Es ist wohl kein Zufall, daß den Juden das Promotionsrecht im Jahre 1658 verliehen wurde; war dies doch das erste Jahr der Souveränität des großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm im Herzogtum Preußen. Ab und zu, doch nicht häufig, stoßen wir auf Bekehrungsversuche. So wurde im Jahre 1663 der Israelit Jakob Marreck in Danzig wegen Mordes hingerichtet. Vor der Hinrichtung sollte er Christ werden. Es weigerte sich aber standhaft und sagte, wie Flögel erzählt, „und wenn alle Räte die Stube voller Dukaten füllten und ihm das Leben zusicherten, so wolle er doch nicht vom Glauben seiner Väter ablassen." Da zerbrach der Schulzendiener beim Fällen des Urteils ein weißes Stäbchen, dabei sprechend: „Das Urteil ist gesprochen; Gott sei der Seele gnädig."2) Am 22. Juli 1716 wurde von dem Erzpriester T y ß k a in Johannisburg ein Jude, namens Jakob Abrahamowicz aus Sklow in Weiß-Rußland, getauft. Er erhielt in der Taufe den Namen Wilhelm [und trieb nachher bürgerliche Nahrung- Ich würde die Taufe des Abrahamowicz hier nicht erwähnt haben, wenn nicht noch in demselben Jahr die Rede des Tyßka in erweiterter Form bei Reußner in Königsberg im Druck erschienen wäre und aus derselben hervorginge, wessen man die Juden noch zu Anfang des 18. Jahrhundert hier in Preußen beschuldigte. Insofern ist diese Rede ein kulturhistorisches Denkmal und darf nicht übergangen werden. Soweit dieselbe, anschließend an Galater Cap. 327, sich mit der Auslegung des Textes beschäftigt, ist hier nicht der Ort auf sie einzugehen. Der Redner, eine sehr impulsive Natur, der auch dem Consistorium sehr viel zu schaffen 1) Flögel, Königsberger Jubelchronik. Heft II, S. 52. 2) a. a. O. II, S. 62. j machte, etwas später vom Amt suspendiert j und weil er sich daran nicht kehrte, durch I Festungssoldaten vom Eingange der Kirche i abgehalten wurde, wird an einigen Stellen! seiner Rede sehr ausfallend gegen die Juden; im allgemeinen. So sagt er: „In Betrachtung | dessen wende ich mich abermal zu euch, mein lieber Freund. Solange ihr in dem heillosen Judentum gelebt, seyd ihr wohl fürwahr ein großer Sünder gewesen. Heißt es von der Maria Magdalena durch Versetzung der Buchstaben, grandia mala mea, meine Sünden sind groß. Ihr habt Ursach mit dem König und Propheten David wehmütigst auszurufen: meine! Sünden gehen über mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. Meine Wunden stinken und eitern vor meiner Torheit. Ps. 38. Ach, wie habt ihr doch wider die Christen so schwer gesündigt. Denn ob ihr zwar gestanden, daß ihr schon einige Jahre her eine besondere Begierde zum Christentum getragen und die Christen geliebet, so gestehet ihr doch auch dieses, daß ihr in den vorigen Zeiten die Christen aufs grausamste gelästert und ihnen alles Übel angewünschet, gleich denen andern Jüden, welche dieselbe Gojim, das ist Heiden, nennen und wenn sie Jemanden von denselben bewillkommen, sched, welches einen Teufel bedeutet (sagen). Ihr werdet auch wohl den Sinn jenes großen Rabbi gehabt haben, der da gesaget: Der beste, so unter denen Gojim oder Christen sich befindet, sei wert, daß ihm der Kopf wie einer Schlange zerquetschet werde. Wenn ihr i gehöret, daß ein Christ gestorben, so werdet; ihr auch wohl nach Gewohnheit euer Brüder i gesagt haben: sit anima ejus in inferno, seine Seele sey in der Höllen. Ihr habet ja auch \ die grausamen Fluchgebete, welche eure : Brüder Jörn Kippur oder an ihrem Versöhn- I Tag und am neuen Jahre wider uns Christen | beten, insonderheit das sogenannte Alenu, j und andere, die sie auf Ostern, Pfingsten und j alle Tage sprechen, aus eurem unbesonnenen I lieblosen Munde herausgestoßen. Die hochwürdigen Sakramente derer Christen habt ihr , aufs ärgste geschändet nach Gewohnheit