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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. Seite 20

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Article
Zur Vorgeschichte der Juden in Ost- und Westpreussen
Date
1910-02-01
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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— 20 — Portugal besuchen, der aldo viel weren und nicht in diesen Landen, do her, ob got wil, sulche bosze und unchristenlewte mit nichten fynden sulde noch wurde als in seynen landen41. (Akten III, 213). Es ist wenig, was uns aus der Deutsch- Ordenszeit über den Aufenthalt der Juden in Ost- und 'Westpreußen überkommen ist, aber auch dieses Wenige läßt erkennen, daß es ihnen hier doch erheblich besser ging als im deutschen Reich. Juden-Prozesse sind hier nicht vorgekommen; denn sonst würden die geistlichen Scriptores jener Zeit gewissenhaft davon Kenntnis genommen haben. Wir haben gesehen, daß sie Handel trieben, doch beschränkte sich dieser auf den Verkehr von Polen aus nach Preußen, nicht aber umgekehrt; denn hier im Ordens Staat war der Handel ein ausschließliches Monopol des Ordens, der von seinen Großschäffereien Königsberg und Marienburg aus mit fast ganz Europa in Verbindung stand. Die schon erwähnten Handelsrechnungen des Ordens erwähnen an keiner Stelle eines jüdischen Unterhändlers, dessen sich der erstere etwa bedient hätte. Zwar wird auf S. 122 ein Schiffer Jakob söhn aus der Altstadt Königsberg erwähnt; doch ein Name allein sagt ja gar nichts. Nicht unerwähnt wTill ich ferner lassen, daß in einigen Beschwerdeartikeln der drei Städte Königsberg vom Jahre 1508 das heutige Juditten „ Judenkirchenu genannt wird. (Akten V, 537). Doch ich ziehe hieraus nicht die geringste Folgerung; denn das Wort „Juden" kann hier auch die verderbte Form eines j andern Wortes sein. j Bedeutend klarer werden die Verhältnisse j mit Beginn des 16. Jahrhunderts. Der deutsche; Orden, von seiner Höhe herabgesunken, „war j nur noch das Spital des deutschen Adels."! Die Umwandlung des Ordensstaats in ein; weltliches Herzogtum und die Einführung der Reformation waren nicht nur das Fundament für Neueinrichtungen auf dem Gebiet staatlicher und kirchlicher Verhältnisse, sondern auch die Basis, auf der sich langsam, aber stetig das ganze kulturelle Leben umgestaltete. \ Mit dem Beginn der Reformation finden wir hier und da in der Provinz, namentlich auch in den kleinen Städten, jüdische Kaufleute, die zwrar durch die Landessatzungen von 1529 und 1537, sowie durch das Landesedikt von 1551 „nirgends im Lande gelitten werden sollen", sich jedoch daran eben so wenig wie die Behörden selbst stoßen. Auch Herzog Albrecht kehrte sich nicht daran. Obwohl von Herzen innig evangelisch, hielt er sich doch von jeder konfessionellen Engherzigkeit frei. Wie er zwanglos mit dem katholischen Könige Sigismund von Polen bis an dessen Lebensende verkehrte, bewies er auch Juden gegenüber eine für die damalige Zeit große Duldsamkeit, daß er zweimal (1538 und 1541, doch steht die letzte Zahl nicht genau fest) die Zulassung eines jüdischen Arztes gestattete und seinen Räten aufgab, dem zweiten Arzt, falls er sich aufrichtig und redlich beweise, das Bürgerrecht zu verleihen. Zwei Jahre später, am 7. April 1543, erfahren wir allerdings aus einem Briefe Albrechts an Spalatin, daß er die von Spalatin empfohlenen neuen Schriften Luthers und Melanchthons angeschafft und die Luthers „wider die Juden" schon zweimal durchgelesen habe.3) Am 22. Oktober 1566 wird den Juden in dem konfirmierten Receß der drei Städte Königsberg Duldung versprochen, wenn sie Zoll geben und ihre Waren hier nicht aufspeichern wollen. Doch ein Jahr darauf sollen sie, wie die Landesprivilegien es aussprechen, schon wieder das Land räumen. Es war eine Zeit der Unruhe für unser Vaterland. Die theologischen Lehrstreitigkeiten wogten hin und her und richteten sich nicht weniger gegen Juden, als auch gegen Reformierte und Katholiken. Da die Verhältnisse der ersteren von Jolowiczin seiner Geschichte der Juden Königsbergs wiedergegeben sind, so will ich denselben nicht wiederholen, sondern nur als Ergänzung zu ihm l) Tschakert, Urkundenbuch zur Reformationsgeschichte des Herzogtums Preußen II, S. 374, Mr. 1149 und III, S. 37, Nr. 1530.

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