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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-01-01 · Heft 1 (Januar 1910) · p. Seite 12

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 1 (Januar 1910)
Article
Zur Vorgeschichte der Juden in Ost- und Westpreussen
Date
1910-01-01
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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— 12 — Ob sie befolgt worden ist, weiß man nicht. Zwar nimmt Jolowicz („Geschichte der Juden in Königsberg i. Pr., S= 2U) auf Grund des Privilegiums Casimirianum vom Jahre 1334 j an, daß polnische Juden sich in Preußen j heimisch gemacht haben, doch ist seine j Quelle, die er citiert, die denkbar unzuverj lässigste, die es gibt, nämlich die preussische j Chronik des Dominikanermönchs Simon \ Grünau aus Tolkemit am frischen HafT. | Außerdem hat er dieselbe gar nicht selber; nachgeschlagen, sondern sich damit begnügt, \ den Auszug Hennebergers aus dessen : Erklärung der großen preußischen Landtafel i vom Jahre 1595 zu citieren. Infolgedessen \ entgeht es ihm auch, daß Hennebergers j Auszug eigene Zutaten, die nicht' auf Grünau zurückgehen, enthält, \ die wohl als richtig anzusprechen sind. Die | Stelle findet sich auch nicht, wie Jolowicz! angibt, Grünau Tractat XII, Capitel 13,! sondern Tractat XII, Capitel 12, § 6. j Um die zweifellos nicht anzufechtende j Stelle des Henneberger herauszuheben, habe j ich deshalb beide Stellen — Grünau wie j Henneberg er — neben einander gestellt: j Simon Grünau. „Wie ein Jude einen bischer lernete und er reich wurde. Es wonten Juden in Preußen und dise tetten irer natur genug. Einer einen armen vischer lernete, und er solt nemen den Leichnam Jhesu unnd solt ihn in ein holtz spinnen und solt in an sein garn hanngen. und der unselige vischer es teth und er fing auß der maßen vil visch unnd er wart reich und stoltz und er wonte zur Schwetza. So quam es, wie dieser Jude mit andern sachen wart begriffen und er umb me erfarung gemartert, in welcher er diß bekennte. So wurden ausgeschickt knechte, unnd sie den vischer fangen solten, sonder alß der vischer sah, wie frembd volck quam, er es wol sorge hette, man wurd in wollen fangen, und er verließ sich auf sein schwymmen und springt in die Weichsel unnd entrynnet. So wust man nit, in welchem holtze er war, so hat man in der nacht gesehen ein liecht über dem holtze, in welchem sie es funden und es mit andacht consumirten. Sint der Zeit kein Jude in Preußen mocht woonen bei verlust der statrechte, wan man im heuser vergönnte." Caspar Henneberger. „För zeiten woneten auch Juden unter dem Orden, da lernte ein Jud einen armen Fischer, Er sollte eine Consecrirte Ostien in holtz spunden, vnd mit an das Garn hengen, so wrürde er viele Fische fangen, vnd reich werden, vnd dis geschah auch.. Der Jud war anderer sachen halber eingesetzt, in der pein bekannte er auch dis, vnd da die Diener den Fischer holen solten, vnd ihr der Fischer gewar wurde, wil er darvon vnd durch die Weissei schwimmen, aber er erseufft darinnen. Nun vrußte man nicht, in welchem holtze die Ostien war, doch hat man an einem lichtlein, so das nachts ob demselbigen höltzlein brannte, es gemerckt. Die Consecrirte Ostien hat man consumiret. Derethaiben mus kein Jude in Preußen wonen. Dorfen auch in keiner Stadt einreiten noch fahren, sondern zu fus gehen." Prüft man die Angaben beider Autoren, so wird man leicht ersehen, das Henneberger dem Grünau folgt. Doch läßt letzterer den Fischer ertrinken, während er nach Grünau entrinnt. Es muß also Henneberger wohl noch eine andere Quelle vor Augen gehabt haben, der er in diesem Punkte folgen zu müssen glaubte. Sein letzter Satz, daß die Juden weder zu Pferd noch zu Wagen in eine Stadt einziehen durften, sondern zu Fuß gehen mußten, hat ein originales Gepräge und hat zum mindesten für die Zeit, in der Henneberger lebte — die letzte Hälfte des 16. Jahrhunderts — den Vorzug absoluter Glaubwürdigkeit; denn Henneberger ist ein sehr gewissenhafter Schriftsteller, Zwar ist auch er von seinen Quellen abhängig, wie jeder Historiker; er verfährt auch öfters sehr unpraktisch; wo er aber etwa aus eigener Anschauung berichtet, darf man ihm unbedingt Glauben.

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