Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- Zur Vorgeschichte der Juden in Ost- und Westpreussen
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 5)
- Language
- German
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— 13 — Um die von Grünau überlieferte Nachj rieht auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen, ist j es notwendig, mit einigen kurzen Strichen \ des Autors zu gedenken. Er war, wie schon erwähnt, Dominikanermönch und lebte ums! Jahr 1520. Die Abfassung der Chronik fällt in eine Zeit, in der die Reformation in Preußen anfing, festen Fuß zu fassen, und Albrecht von Brandenburg, der letzte Hochmeister, das Ordensgewand ablegte und es mit dem Herzogshut vertauschte. Die Erregung der Gemüter war sehr groß und die Spannung zwischen altem und neuem Glauben aufs höchste gestiegen. Die Geschichtsschreiber jener Zeit sind keine unbefangenen Beobachter, \ sondern nur leidenschaftliche Parteigänger. Namentlich gilt dies von Simon Grünau, „der Preußen terminierend durchzog, mit den untersten Schichten der Bevölkerung in Berührung kam und alles, was er als Neuigkeit des Tages auf der Landstraße einsammelte," seiner Chronik einverleibte. Obwohl ihm beträchtliche Quellen zu Gebote standen, benutzte er sie nur insoweit, als er daraus für seine Idee Kapital schlagen konnte. „Er geht soweit, Angaben zu erweitern, Namen zu fälschen, die Zeitrechnung zu ignorieren, Lücken seiner Quellen nach eigenem Ermessen zu ergänzen" und mit einer ehernen Stirn Zahlen und Daten zu erfinden, wofür man kein anderes Analogon hat als den seligen Freiherrn von Münchhausen. Ja er geht soweit, Quellen zu erfinden, die gar nicht existieren.1) l) Vgl. hierüber die Vorbemerkung zu Simon Grünaus preußischer Chronik, Bd. I. Ausgabe von Perlbach, (Leipzig 1875.) Wenngleich seine Glaubwürdigkeit demnach auch mit Bezug auf vorstehende Geschichte auf mehr als schwachen Füßen steht, so darf man ihn aber nichtals Judenfresser hinstellen. Im Gegenteil nimmt er, ein vereinzelter Fall im 16. Jahrhundert, ihnen gegenüber eine ganz unbefangene Haltung ein, was bei ihm, dem Dominikanermönch, um so mehr erwähnt werden muß. Gleieh § 2 der Einleitung zu seiner Chronik legt hiervon Zeugnis ab. Er sagt dort: „Vier ding sein, davon sich berumen die nationes der menschen, von welchen man auch beschreibt cronicas den zukünftigen zu ein exemplar in ixen hendelen, die sie fuhren! auff erden, durch welche sie mögen wissen ir betrupnis widerzustehen adir zu entgehen Das erste ist vom rechten glauben ken einen wTarhafftigen gott, in welchem stucke die Juden als Hebreer die ersten und loeblichsten sein, wen von anbegin der glaube in einen waren gott sein irlost worden." .... Das vierde stuck ist, wie viel lande mit streite, mit sinne und behendigkeit sich haben entlediget von böser herschaft und ihrer tyrannischen weisen, wie den die Hebreer mit den iren gethon haben.....u Und noch an einer andern Stelle, Tractat I, Kap. 2 § 3, in welchem er die preußischen Gaue beschreibt und von Städtegründungen Mitteilungen macht, beruft er sich auf das Beispiel der Juden, wenn er sagt: „Es ist auch bei den Juden so gewest, und ein könig hott gebauet, das ist, er his ein hauffen menschen sich do sassen innen stadtrecht und auch den Namen." Soweit Simon Grünau. (Fortsetzung folgt.) Statistisches Archiv. L Preussen. Die Konfessionen im höheren Lehrfacn. Nach dem soeben erschienenen Kunze - Kalender für das Schuljahr 1909 (Verlag Trewendt $ Garnier, Breslau) sind von den 489 (1908: 465, 1907: 443) Direktoren der Vollanstalten 99 (99, 97) Katholiken und 390 (366, 346) Evangelische. Direktoren von Nichtvollanstalten gibt es im ganzen 187 (182, 178). Von diesen sind 36 (32,30) katholisch, 149 (148,146) evangelisch und 2 (2,2) jüdisch. Von den in der preussischen Monarchie amtierenden 8447 (7563, 7230) Professoren und Oberlehrern sind 1887 (1815, 1687) katholisch, 5908 (5707, 5498) evangelisch und 44 (41, 45) jüdisch. Dazu kommen noch 522 (519, 515) evangelische, 23 (21, 21) katholische und 53 (51, 46) jüdische Professoren und Oberlehrer an den städtischen Anstalten Berlins, die in die soeben ange-