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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-01-01 · Heft 1 (Januar 1910) · p. Seite 6

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 1 (Januar 1910)
Article
Die Rassenpathologie und der Alkoholismus bei den Juden
Date
1910-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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— 6 — bereits in geringem Maße Einlaß gefunden hat; aber, wenn der Alkoholismus auch den jüdischen Arbeiter nicht völlig verschont hat, so sind seine Verwüstungen dort doch weniger fühlbar wie bei der Arbeiterb evölkerung, die man in den öffentlichen Hilfsanstalten beobachtet hat. Dasselbe beweisen so ziemlich die statistischen Tatsachen, die Dr. W. S. Gro tth eil1) der untersuchende Arzt des New-Yorker „Beth Israel Hospitals" gesammelt hat. In diesem Krankenhaus, das fast ausschließlich von Juden in Anspruch genommen wird — (die Zahl der nichtjüdischen Patienten ist nicht höher als 0,25%) —wurden bei 3000 im Lauf o, der letzten Jahre behandelten Kranken nu * j 4 Fälle von Alkolismus beobachtet, d. h. 0,13 °/, während in Boston, wo die Juden nicht sehr zahlreich snd, das „Boston City Hospital" bei gemischter Frequenz im Jahre 1899 226 Alkoholiker auf 7104 Kranke gezählt hat, das sind 3,18 % oder 24 mal so viel wie bei den Juden. Eine von Dr. Fishberg mitgeteilte Tatsache ist nicht weniger instruktiv: ein Angestellter der New-Yorker „Chesed Shel EmethK, der für das Begräbnis der armen Juden zu sorgen hatte, hat unter den Leichen, die der New-Yorker Morgue eingeliefert wurden (5 bis 6 Leichen in der Woche), nur einen einzigen Fall festgestellt, wo der Alkoholismus den Tod verursacht hatte. Diese Tatsache ist um so interessanter, als die Morgue fast nur Leichen von Leuten aufnimmt, die den armen Klassen angehören, und daß von den Nichtjuden mindestens 75ü/0 den direkten oder indirekten Folgen des Alkoholismus erliegen. III. Neben den unangenehmen Folgen für den Trinker selbst, vererbt sich der Alkoholismus gleichermaßen mit seinen unglücklichen Folgeerscheinungen auf dessen Nachkommenschaft. Diese Erscheinungen äußern sich entweder i) W i 11 i a m S. G o 11 h e i 1. Artikel „Alcoholism" der Jewlsh Encyclopedia, I, Teil, S. 333. New* York, 1901. als Vererbung, nämlich dergestalt, daß die Kinder von Alkoholikern selbst dem Trunk ergeben sind, oder in Form von Schwächeerscheinungen, wie allgemeine Körperschwäche, Zurückbleiben in der Entwicklung usw. Diese organischen Mängel haben schließlich die gänzliche Degeneration der Bevölkerung zur Folge, wie der Bericht Claudes an den Senat über den .Alkohol verbrauch in Frank reich nachweist, der die ungenügende Rekrutierung in den dem Alkohol ergebenen Gebieten als Hauptmerkmal annimmt. Andererseits äußert sich der traurige Einfluß des Alkohols auf die Nachkommenschaft auch in bedeutender Erhöhung der Kindersterblichkeit und des Prozentsatzes der Totgeborenen. Daher ist die Zahl der Totgeborenen bei den Juden viel geringer als bei den Christen. In dieser Hinsicht stehen die Juden nur den Mohamedanern nach: in Algier zählte man in den Jahren 1897/99 auf 100 Geburten 3,65 Totgeborene bei den Christen, 2,74 bei den Juden, 1,59 bei den Mohamedanern. Mayo-Smith1) möchte diese geringe Zahl von Totgeburten bei den Juden auf die körperliche Yv7ohlb e schaffen - heit der jüdischen Eltern zurückführen. Diese Erklärung scheint uns nicht zu genügen. Natürlich hängt die Zahl der Totgeburten nicht nur von anthropolo gischen und physiologischen Ursachen ab, sondern auch von den ökonomischen und hygienischen Lebensbedingungen. Betrachten wir aber die Statistik der Totgeburten inbezug auf das Bekenntnis der Eltern. In Preußen war das Verhältnis der Totgeburten während der Zeit von 1875 bis 1899 auf 100 Geburten: 3 207 bei rein jüdischen Paaren 3588 „ „ christlichen „ 3 576 „ Paaren, wo der Gatte Christ, die Gattin Jüdin war 3317 „ w „ „ Jude, „ „ Christin „ Diese Tabelle zeigt uns, daß die Mischehen nicht im Entferntesten dieselbe Zahl der Totgeburten liefern, je nachdem es sich um Ehen zwischen Christ und Jüdin oder zwischen J) R. Mayo-Smith. Statistics and Sociology, S. 79. New-York, 1895.

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