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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1909-12-01 · Heft 12 (Dezember 1909) · p. Seite 184

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1909)
Issue
Heft 12 (Dezember 1909)
Article
Die Heiraten von Juden im europäischen Rußland vom Jahre 1867 bis 1902
Date
1909-12-01
Page
Seite 184 (sequence 8)
Language
German
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— 1 84 — Orthodoxen, Katholiken und Protestanten zurückweichen mußten, übertreffen sie heute die Katholiken um 5,2 %o. Während das Verhältnis dieser Heiratsgruppe bei den Orthodoxen im Laufe unserer Periode um nur 15,3, bei den Katholiken um 15.5, bei den Protestanten um 10,5 o/oo zunimmt und bei den Mohammedanern sogar fällt, steigt dasselbe Verhältnis bei den Juden um 27,7 °/oo oder um 2V2 mal mehr bei als den Protestanten und um IV2 mal mehr als bei den Katholiken und Orthodoxen. In den verschiedenen Gruppen der wiederholten Ehen fällt uns bei den Juden im Vergleich mit den anderen Konfessionen das gegenseitige Verhältnis zwischen diesen Gruppen auf. Heiraten zwischen Junggesellen und Witwen kamen bei den Juden seltener als bei allen übrigen Konfessionen vor; seltener sogar als bei den Orthodoxen, die im Ganzen die niedrigste Ziffer der wiederholten Ehen aufweisen. Die Heiraten zwischen Witwern und Jungfrauen kamen ebenfalls bis auf das letzte Jahrfünft bei den Juden seltener als bei allen anderen Kofessionen außer den Orthodoxen vor, im letzten Jahrfünft aber seltener noch als bei den Orthodoxen. Um so mehr übertreffen die Juden alle anderen Konfessionen (außer den Mohamedanern) durch die hohe Ziffer der zwischen Witwern und Witwen geschlossenen Ehen. Während in allen übrigen Konfessionen Heiraten zwischen Witwern und Witwen viel seltener als zwischen ersteren und Jungfrauen ist, fällt bei den Juden der Schwerpunkt der wiederholten Ehen gerade auf solche, wo beide Parteien sich zum zweiten oder mehreren Male verehelichen. Diese Vorzugsstellung, die bei den Juden die Heiraten zwischen Witwern und Witwen einnehmen, hat bereits die Aufmerksamkeit der Literatur auf sich gelenkt, und man versuchte sie auf spezielle Gewohnheiten des jüdischen Lebens zurückzuführen, wo ältere Leute eine neue Familie gründen, um ein einsames Alter zu vermeiden.x) Doch können wir nur zum geringsten Teil dieser Annahme beitreten. Daß aber gerade in diesem *) Schabad, Die Bevölkerungsbewegung in Rußland im Jahre 1897, (Woßchod, 1903.) Punkte die jüdischen Heiraten eine Verwandtschaft mit den mahomedanischen aufweisen, führt uns vielmehr auf jene gleichartigen Züge beider Konfessionen zurück, die hier — im Gegensatz zu allen christlichen Konfessionen—die Ehescheidung aufs Äuß erste erleichtern. Das Fehlen jeglicher Angaben über das Alter der Personen, die eine wiederholte Ehe eingehen, erschwert uns jede weiteren Folgerungen; doch haben wir die Möglichkeit, nach den Altersemteilungen der jüdischen Eheschließenden das maximale Alter der heiratenden Witwen zu untersuchen, was uns in unseren Schlußfolgerungen einen Schritt weiter bringen wird. Nehmen wir an, daß alle Frauen, die im Alter von über 40 Jahren heiraten, Witwen sind, die sich nur mit Witwern verheiraten, so muß doch ein enormes Prozent der heiratenden Witwen der jüngeren Altersgruppen zurückbleiben, nämlich; Ü 3 o c S so < — s £ a s. * Im Jahre 1888/1892 1893/1897 1898/1902 S 'S £ g£ 103,8 101,8 90,1 ü BS t/3 tu p^i £ „ $3~ 1 2 -° .51 .- 4J izi *—' C **—* u. O 3 H- > 03 28,1 29,5 29,7 ~ -«-5 2 5 c o?t £ E g £ * Ü -o cfi" —* c E^§oM c c to u SJ ° £ « £ w J2 U 13 ü U KS 57,7 72,0 61,2 Wenn wir demnach annehmen, daß keine einzige Jungfrau und keine einzige Witwe, die mit einem Junggesellen eine Ehe schließt, im Alter von über 40 Jahren heiratet, so bleibt das Prozent-Verhältnis der jüngeren Witwen allein, die sich mit einem Witwer verheiraten, immer noch größer als dasselbe Verhältnis in allen Altersgruppen bei den christlichen Konfessionen. Wenn also das enorme Prozent der jüngeren Witwen, die sich mit Witwern verheiraten, die Annahme zurückweist, als würden alle in dieser Gruppe stattfindenden Ehen den Charakter einer neuen Familiegründung, wie den Charakter einer Altersversorgung tragen, so dürfen wir um so mehr vor einer weiteren Annahme warnen, als wäre das junge Heiratsalter der Witwen durch eine

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