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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1909-12-01 · Heft 12 (Dezember 1909) · p. Seite 185

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1909)
Issue
Heft 12 (Dezember 1909)
Article
Die Heiraten von Juden im europäischen Rußland vom Jahre 1867 bis 1902
Date
1909-12-01
Page
Seite 185 (sequence 9)
Language
German
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— 185 — verhältnismäßig größere Sterblichkeit der jüdischen Männer hervorgerufen. Diese Annahme könnte nur in jenem Falle bestehen bleiben, wenn alle Männer, die eine wiederholte Ehen eingehen, sich im höheren Alter befinden würden. Doch zeigt uns die Statistik den ganz entgegengesetzten Fall. Nehmen wir an, daß sich unter allen Männern, die im Alter von über 40 Jahren heirateten, kein einziger Junggeselle befand, so wird sich das minimale Verhältnis der Witwer, die eine zweite Ehe eingehen, folgendermaßen gestalten. Auf je 1000 Eheschließ., die auf das Auf je 1000 Alter v,40 j. Auf je 1000 Eheschließ. u. darunter Eheschließ. war. i.Aleer Kamen, entheirateten v, über 40). fielen Witwer Witwen Männer Frauen Witwer Witwen 1888/92 189.8 128,0 70,8 28,1 118,9 99,9 1893/97 185,2 124,3 71,4 29,5 113,8 94.8 1898/902 167,2 109,7 67,0 28,7 100,2 81,7 So ist das Prozent der Witwer, die im Alter von 40 Jahren und darunter eine zweite Ehe eingehen, nicht nur nicht kleiner, sondern bedeutend größer als dasselbe Prozent bei den Witwen, was nebenbei bemerkt durch verschiedene Ursachen1) zu erklären ist und jedenfalls beweist, daß die Sterblichkeit unter den verheirateten Frauen nicht niedriger als unter den verheirateten Männern ist. Die letzte Annahme, die noch übrig bliebe, als würden sich bei den Juden Witwer und Witwern daher eher verheiraten als bei den anderen Konfessionen, weil die gesamte Sterblichkeit bei den Juden größer sei, läßt sich noch entschiedener zurückweisen, da das Prozent der wiederholten Ehen in den anderen Gruppen bei den Juden ausschließlich niedrig ist. So bleibt keine der Vermutungen, die das hohe Prozent der Heiraten zwischen Witwern und Witwen erklären wollen, bestehen, wenn 1) Daß die Männer leichter eine wiederholte Ehe eingehen als die Frauen, ist eine bekannte Tatsache und liegt nicht so sehr darin, daß sich der Mann leichter zur Gründung einer neuen Familie entschließt, sondern im Großen Ganzen darin, daß der Witwer, der bereits seine wirtschaftliche Existenz geschaffen haben dürfte, eher einen neuen Lebensgefährten findet als eine Witwe, weiche zumeist schon Kinder hat, die dem neuen Ehegatten zur Last fallen müssen. S. dagegen Brutzkus a. a. O. wir uns auf den Standpunkt stellen, daß wir es mit wirklichen Witwern und Witwen zu tun haben. Ganz anders stellt sich dieses Verhältnis heraus, wenn wir annehmen, daß es sich hier um geschiedene Personen handelt; dies läßt sich sowohl durch das Vorhandensein desselben Verhältnisses bei den Mohamedanern, wo ebenfalls Ehescheidungen leicht vorkommen, als auch hauptsächlich durch das junge Alter der sich mit Witwern verheiratenden Witwen erweisen. Ist es aber so, so müssen wrir die Abnahme der in dieser Gruppe geschlossenen Ehen auf die Abnahme derEheScheidungen zurückführen. Die immer später geschlossenen Ehen führen dazu, daß die Eheschließenden sich immer mehr bei der Wahl ihres Gatten vorsehen und, da sie ihre Ehen in einem Alter schließen, wo sich Geschmack und Charakter mehr oder weniger ausgestaltet haben, sind sie sowohl vor Irrtümern und Enttäuschungen gesichert, die zur Ehescheidung führen könnten, als auch reif genug, um sich in den Zwang des gemeinsamen Lebens zu fügen; auch ist man im reiferen Alter nicht mehr beweglich genug, um eine mißglückte Ehe mit Leichtigkeit brechen zu können und alle dadurch hervorgerufenen Veränderungen des gewöhnlichen Lebensganges auf sich zu nehmen. Zum Teile trägt zur Verminderung der Ehescheidungen auch die Tatsache bei, daß sich die moderne jüdische Ehe individueller gestaltet, während die frühere jüdische Ehe einen mehr religiösen und Geschlechtscharakter als den Charakter eines persönlichen Aktes trug. So tragen alle diese Umstände dazu bei, daß, obwohl in den Gesetzen der Ehescheidung alles beim Alien geblieben ist, die Ehescheidung unter den Juden tatsächlich eine immer seltener vorkommende Erscheinung ist, und die wiederholten Ehen sinken. Nach den Monaten der Eheschließung lassen sich die jüdischen Ehen von 1867 bis 1902 folgendermaßen einteilen: (S. Tab. IV.) Die höchste Ziffer fällt fast in jedem Jahre auf den Monat August, die niedrigste

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