Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- Palästina im Lichte der dneuen Ausgrabungen
- Date
- 1909-10-01
- Page
- Seite 155 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2650397-3187664-3187675-3190319--2367-3190351- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 155 — erwählten Hauptleute versanken im Schilfmehr." Der Pharao selbst wird nicht erwähnt, und es ist nicht anzunehmen, daß man vergessen haben könnte, eine solche wichtige Tatsache aufzuzeichnen. Gezer ist von Menephta erobert worden in der zwreiten Hälfte des 13. Jahrhunderts v. Chr. Maculister hat nun bei seinen Ausgrabungen nicht nur die Statue eines ägyptischen Beamten, des „Vorkosters der Bäcker", ferner ein mächtiges Gebäude mit großen eingegrabenen Hieroglyphen, sondern auch ein elfenbeinernes Pektoral mit der Figur eines den Gott Toth anbetenden Königs und der Cartouche des Menephta auf dem Felsen am Nordende von Gezer gefunden. Dieser Gegenstand ist von besonderem Interesse wegen der Anspielung auf die Eroberung von Gezer in dem Siegesbericht, der auch das Wort „Israel" enthält. Maculister fand auch eine Weihrauchbüchse mit der Darstellung eines Mannes, der mit einer Ar* Drachen kämpft, die daran denken läßt, daß die Legende vom heiligen Georg mit dem Drachen in Lydd, das nur wenige Meilen von Gezer entfernt ist, lokalisiert ist, endlich ein Modell eines Bootes aus Ton aus der Zeit der Könige; es erinnert vollständig an einen modernen Fischernachen mit stark vorspringendem Kiel; man denkt dabei an die Seetätigkeit Salomes und Jehosaphets. Die Ausgrabungen in Gezer geben uns auch die richtige Illustration zu dem Tode Simsons. Man hat hier nämlich eine von Säulen getragene Halle ausgegraben und in einer Länge von 39 Fuß und einer Breite von 24 Fuß festgestellt. Darin fand man zwei steinerne Säulenbasen von 3V-2 Fuß Durchmesser. Weitere Säulenbasen waren nicht vorhanden, die Wände des Saales waren 4 Fuß dick. Es ist kein Zweifel, daß diese Säulenbasen Holzsäulen getragen haben, welche ~ dem Gebälk des flachen Daches als Stütze dienten. Bei einer so großen Halle rnuß^ ein Zentralgebälk vorhanden gewesen sein, da es mit Einzelbalken in dieser Länge und Breite schwer zu überspannen gewesen sein muß. Am Schlüsse des 16. Kapitels des Buches der Richter ist nun nicht zu lesen, daß Simsons Stärke Steinsäulen zerbrochen hat, wie wir es auf vielen Bildern sehen. Mag auch der in Gezer ans Licht gekommene Saal Jahrhunderte älter sein, wie die Zeit Simsons, der Charakter der Bauten hatte sich später im Allgemeinen nicht geändert. Die Leistung Simsons bestand nun darin, daß er die Holzpfosten von den Steinbasen herunterstieß, wras ein übermäßig starker Mann wohl ausführen konnte, und daß dann das seiner Stütze beraubte Dach zusammenstürzte. Die Archäologen des Palestine Exploration Fund stellen die Szene sich folgendermaßen vor; der Dagontempelmuß aus drei Teilen bestanden haben: 1. der Cella, dem eigentlichen Heiligtum, 2. einem tiefen von zwei Säulen getragenen Porticus, 3. einem offenen Vorhof. Der geblendete Simson wurde in den Hof geführt, wo ihn sowohl die Großen der Philister sahen, die in dem schattigen Porticus saßen, wie auch das auf dem flachen Dach stehende Volk. Simson mußte sie belustigen, dann ruhte er sich zwischen den beiden Säulen des Porticus aus. Hier nahm er seine Kraft zusammen, und ehe die Großen der Philister sich klar waren, was der Gefangene vorhatte, waren die Pfosten verrückt, und das mit dem Volk herunterstürzende Dach begrub Simson und die Vornehmen. Die Sitte, historische Urkunden oder Münzen unter die Fundamente der Bauten zu legen, ist ein uralter Brauch, der wohl dann aufkam, als der gräßliche Brauch der; Kanaaniter, Kinder als Bauopfer zu nehmen, | ein Ende nahm. Eduard Naville weist auf I ägyptischen Schriften in Baufundamenten und unter den Götterstatuen hin. Ägyptische Texte erwähnen, daß Hordudef, der Sohn des Königs Menkan Pa, unter den Füßen einer Statue des Gottes Toth eine Alabastertafel gefunden habe, die mit dem Kapitel j vom Herzen aus dem ägyptischen Totenbuche! beschrieben war, denn Toth, der Erfinder des | Schreibens, hatte auch die heiliger Bücher